IBM steckt in einer schwierigen Phase. Vorläufige Zahlen zum zweiten Quartal 2026 fielen schwächer aus als erwartet, besonders im Infrastruktur-Geschäft. Die Aktie hat in den vergangenen 30 Tagen 15,62 Prozent verloren und notiert 36,15 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 292,85 Euro. Am Mittwoch, den 22. Juli 2026, folgt der offizielle Quartalsbericht mit Analystenkonferenz – ein Termin, der über die kurzfristige Richtung entscheiden dürfte.
Der RSI von 32 signalisiert eine überverkaufte Aktie. Das kann ein Hinweis auf eine baldige Gegenbewegung sein. Es kann aber auch bedeuten, dass der Abwärtstrend noch nicht ausgereizt ist.
Die entscheidende Frage
Kann IBM seine KI- und Hybrid-Cloud-Angebote schnell genug im Markt platzieren, um die Schwäche im klassischen Infrastruktur-Geschäft auszugleichen? Genau darum dreht sich die Debatte vor den Zahlen. Die vorläufigen Daten zeigten einen Rückgang der Infrastruktur-Erlöse um 7 Prozent, ausgelöst durch schwache Mainframe-Verkäufe (Z-Systeme) und zugehörige Software, vor allem im Bereich Transaction Processing.
Bull-Szenario: Die neue Produktoffensive
IBM hat zuletzt kräftig nachgelegt. Am 8. Juli 2026 startete der kommerzielle Launch von Lightwell, einer Kooperation mit Red Hat. Das Projekt soll automatisierte Schwachstellenbehebung für Open-Source-Software liefern und wird von einer Investition über 5 Milliarden Dollar sowie mehr als 20.000 Ingenieuren getragen.
Eine Woche später, am 15. Juli, präsentierte IBM neue Power Systems und KI-Software. Dazu zählt IBM Power Autonomous Operations – ein KI-Agent, der Systemprobleme selbstständig überwacht und behebt. Der neue Power S1112-Server soll ab dem 24. Juli 2026 verfügbar sein, die autonome Betriebssoftware folgt im September.
Parallel baut IBM seine KI-Governance aus. Die Funktion AI Asset Discovery in watsonx.governance, veröffentlicht am 9. Juli, soll unkontrollierte KI-Agenten und Modelle in Unternehmen aufspüren. Watsonx.data as a Service Version 2.4 kam am 16. Juli mit neuen Funktionen für Datenschutz und agentenbasierte RAG-Workflows dazu.
Hinzu kommt eine mehrjährige Partnerschaft mit ServiceNow aus dem Juni 2026, die Altsysteme modernisieren und Unternehmensdaten für KI-Anwendungen nutzbar machen soll. Langfristig setzt IBM zudem auf Quantencomputing: Der Konzern will in den nächsten fünf Jahren über 10 Milliarden Dollar investieren und bis 2029 einen fehlertoleranten Quantencomputer liefern.
Bär-Szenario: Das Kerngeschäft bröckelt
Die Risiken sind konkret. Kunden verschieben ihre Investitionen offenbar weg vom Mainframe-Geschäft hin zu Servern, Storage und Arbeitsspeicher – teils aus Sorge vor bevorstehenden Preiserhöhungen. Das trifft IBM an einer empfindlichen Stelle, denn Transaction Processing gehört traditionell zu den margenstarken Bereichen.
Das Gesamtbild bleibt durchwachsen. Die vorläufigen Zahlen zeigten nur 1 Prozent Umsatzwachstum, das Consulting-Geschäft stagnierte komplett. Das deutet darauf hin, dass die neuen Wachstumsfelder das schwächelnde Kerngeschäft aktuell nicht auffangen können.
Ein weiterer Belastungsfaktor: Ein erheblicher Teil der großen Vertragsabschlüsse kam offenbar nicht wie geplant zustande. Ob das temporäre Verzögerungen sind oder eine dauerhafte Verschiebung der Kundenausgaben – das bleibt offen. Zusätzlich tobt in den Bereichen KI und Hybrid Cloud ein intensiver Wettbewerb, der IBMs Spielraum für Marktanteilsgewinne einschränken könnte.
Ausblick
Der Bericht am 22. Juli wird zum Prüfstein für IBMs Strategie. Kann das Management belegen, dass Lightwell, watsonx und die neuen Power-Systeme tatsächlich Kunden gewinnen, spricht einiges für eine Stabilisierung der Aktie auf dem aktuellen Niveau nahe dem 52-Wochen-Tief von 178,52 Euro. Bleiben klare Fortschritte aus oder zeigt sich eine tiefere Erosion im Kerngeschäft, dürfte der Druck auf den Kurs anhalten.
Besonders im Fokus stehen dürfte die aktualisierte Jahresprognose. Auch konkrete Kommentare zur Kundennachfrage bei Lightwell und watsonx werden zeigen, ob IBMs Kurswechsel bereits Wirkung zeigt oder noch am Anfang steht.
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