Ein Umsatzplus von einem Prozent klingt harmlos — bis man sieht, wie sehr der Markt auf mehr gehofft hatte. IBM hat am Dienstag vorläufige Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt, die deutlich hinter den Erwartungen zurückblieben. Die Aktie brach im vorbörslichen US-Handel um mehr als 20 Prozent ein — der stärkste Kursrutsch seit Jahren.

Kunden bremsen, Infrastruktur schwächelt

Der Umsatz stieg auf 17,2 Milliarden Dollar, angetrieben von einem Plus von 5 Prozent im Softwaregeschäft. Das Infrastrukturgeschäft brach dagegen um 7 Prozent ein. Der bereinigte Gewinn je Aktie legte zwar um 5 Prozent auf 2,93 Dollar zu, konnte den enttäuschenden Umsatztrend aber nicht ausgleichen.

Als Grund nannte das Unternehmen ein verändertes Investitionsverhalten der Kunden. Firmen halten sich mit größeren IT-Ausgaben offenbar zurück — ein Signal, das über IBM hinaus Bedeutung hat. Die Aktie zog im Sog der Nachricht auch Software-Werte wie Microsoft und SAP nach unten.

Krishna spricht von Management-Fehlern

Besonders bemerkenswert: CEO Arvind Krishna räumte eigene Fehler im Management ein und warnte vor anhaltenden Unsicherheiten im Geschäft. Eine solche Offenheit von der Unternehmensspitze ist selten und dürfte die Nervosität am Markt zusätzlich befeuert haben. Konkrete Details zu den eingeräumten Fehlern blieben zunächst offen.

Der Kursrutsch traf IBM inmitten einer ohnehin turbulenten Bilanzsaison. Während Investmentbanken wie JPMorgan und Goldman Sachs am selben Tag mit Rekordgewinnen aufwarteten, zeigte sich bei IBM, wie schnell die Stimmung drehen kann, wenn die Erwartungen an KI-getriebenes Wachstum nicht erfüllt werden.

Die eigentliche Frage für die kommenden Wochen: Wie tief sitzt die Investitionszurückhaltung bei den Kunden, und lässt sich das schwache Infrastrukturgeschäft im weiteren Jahresverlauf stabilisieren? Erste Antworten dürften die vollständigen Quartalszahlen liefern, die IBM in den kommenden Tagen offiziell vorlegen will.