IBM steckt seit Ende Februar in einem heiklen Spagat: Auf der einen Seite sorgt die Angst vor KI-Disruption im Kerngeschäft mit Altsystemen für Unruhe. Auf der anderen Seite liefert der Konzern neue Cybersecurity-Erkenntnisse – und sammelt frische Aufträge aus dem öffentlichen Sektor ein. Kann IBM damit das Vertrauen der Anleger wieder stabilisieren?
Der Auslöser: Anthropic trifft einen wunden Punkt
Der große Kursrutsch Ende Februar hatte einen klaren Trigger: Anthropic erklärte, sein Tool „Claude Code“ könne bei der Modernisierung von COBOL-Systemen helfen. Genau dort verdient IBM seit Jahren Geld – mit dem Betrieb und der Modernisierung von Mainframe- und COBOL-Umgebungen.
Der Markt reagierte darauf, als würde plötzlich ein zentraler Burggraben wegbrechen. Dabei ging in der Aufregung unter, dass IBM selbst seit Längerem ähnliche Ansätze verfolgt. Das Unternehmen hatte bereits vor rund drei Jahren beschrieben, wie sich COBOL mithilfe von KI in modernere Sprachen wie Java überführen lässt. Passend dazu bietet IBM mit „watsonx Code Assistant for Z“ ein eigenes Werkzeug zur Code-Modernisierung an – inklusive Optionen, Systeme von klassischen Mainframes auf Plattformen wie Linux oder Windows zu migrieren.
Unterm Strich: Die Schlagzeile traf IBM an einer empfindlichen Stelle, aber die zugrunde liegende Idee ist für IBM nicht neu. Entscheidend ist, ob IBM als Anbieter dieser Modernisierung am Ende profitiert – oder ob neue KI-Player einen größeren Teil der Wertschöpfung abziehen.
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X-Force 2026: Mehr Angriffe, beschleunigt durch KI
Mitten in die Marktturbulenzen platzierte IBM zudem seinen „X-Force Threat Intelligence Index 2026“. Kernaussage: Angreifer nutzen einfache Sicherheitslücken deutlich häufiger – und KI-Tools beschleunigen das Auffinden von Schwachstellen.
Ein paar Punkte aus dem Bericht stechen heraus:
– X-Force beobachtete einen Anstieg um 44% bei Angriffen, die mit der Ausnutzung öffentlich erreichbarer Anwendungen starteten – häufig begünstigt durch fehlende Authentifizierungskontrollen und KI-gestützte Schwachstellensuche.
– Ransomware- und Erpressungsgruppen legten um 49% gegenüber dem Vorjahr zu; die öffentlich gemeldeten Opferzahlen stiegen um rund 12%.
– Schwachstellen-Ausnutzung war laut IBM bei 40% der in 2025 beobachteten Vorfälle der wichtigste Angriffsvektor.
– Infostealer-Malware führte 2025 zur Offenlegung von über 300.000 ChatGPT-Zugangsdaten. IBM betont dabei ein spezielles Risiko: Kompromittierte Chatbot-Zugänge können nicht nur Datenzugriff ermöglichen, sondern auch Ausgaben manipulieren oder bösartige Prompts einschleusen.
Der Bericht untermauert IBMs Positionierung im Enterprise-Sicherheitsgeschäft – also in einem Bereich, der bei zunehmender Bedrohungslage strukturell Rückenwind haben kann.
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Neuer Regierungsauftrag – und operativ zuletzt Rückenwind
Zusätzlich meldete IBM einen Regierungsauftrag mit einem Rahmenvolumen von 112 Mio. US-Dollar über bis zu fünf Jahre. Für die Defense Commissary Agency soll IBM weltweit Preisdisplay-Systeme modernisieren. Geplant sind Upgrades an 177 US-Standorten sowie Neuinstallationen an 58 Standorten im Ausland (in 12 Ländern). Teil des Pakets sind auch Wartung, Lizenzen, Security/Vulnerability-Mitigation, Training und laufender Support.
Fundamental steht dem Kursstress eine solide operative Phase gegenüber: IBM berichtete für das vierte Quartal 9% Umsatzwachstum – das stärkste Tempo seit über drei Jahren. Software legte um 11% zu, Infrastruktur um 17%. Der IBM‑Z‑Umsatz sprang um 61%, der Free Cashflow für 2025 lag bei 14,7 Mrd. US-Dollar (plus 16%, höchster Wert seit über zehn Jahren). Für 2026 stellte das Management >5% Umsatzwachstum (währungsbereinigt), rund 10% Software-Wachstum und etwa 15,7 Mrd. US-Dollar Free Cashflow in Aussicht.
Am Markt spiegelt sich die Verunsicherung dennoch wider: Mit 214,30 € liegt die Aktie klar unter ihrem 50‑Tage-Durchschnitt – und trotz Erholung der vergangenen Woche bleibt die Entwicklung der letzten 30 Tage deutlich negativ.
Im Fokus der nächsten Wochen steht, ob IBM die COBOL/KI-Debatte wieder drehen kann: als Beleg dafür, dass der Konzern nicht Opfer der Automatisierung wird, sondern deren Modernisierung in großen IT-Landschaften selbst verkauft – gestützt durch Cybersecurity-Nachfrage und zusätzliche Impulse aus dem Behörden- und Verteidigungsumfeld.
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