IBM steckt in einem Umbruch, der an der Börse gerade schmerzhaft sichtbar wird. Der Konzern meldete am Mittwochabend gemischte Zahlen zum zweiten Quartal 2026. Ein einbrechendes Hardware-Geschäft trifft auf ein robustes Software-Segment – die Aktie reagierte mit einem Kursrutsch von 2,49 Prozent auf 179,98 Euro.

Damit notiert das Papier nur noch 0,82 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 178,52 Euro. Der 14-Tage-RSI ist auf 29,8 gefallen. Das signalisiert überverkauftes Terrain.

Mainframe-Geschäft bricht massiv ein

Der Umsatz erreichte 17,16 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit rund 17,58 Milliarden Dollar gerechnet. Der Rückgang im Infrastruktur-Segment um 7 Prozent zieht die Bilanz nach unten – Haupttreiber ist ein Einbruch der IBM-Z-Mainframe-Umsätze um 42 Prozent.

Unternehmenskunden verschieben offenbar Investitionen. Statt in klassische Hardware fließt Kapital verstärkt in spezialisierte KI-Infrastruktur. CEO Arvind Krishna nennt den Umsatzausfall „Verschiebung, nicht Verlust“ – etwa ein Drittel der Ende Juni nicht abgeschlossenen Deals sei bereits Anfang Juli finalisiert worden.

Das Software-Segment liefert den Gegenpol. Es wuchs auf 7,8 Milliarden Dollar, ein Plus von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark: die wiederkehrenden Software-Umsätze, die 80 Prozent des Segments ausmachen und um 8 Prozent zulegten.

Red Hat wuchs um 11 Prozent. Die datenfokussierten Sparten legten sogar um 18 Prozent zu. IBMs generatives KI-Geschäft erreichte kumuliert 12,5 Milliarden Dollar seit Start. Im Consulting stiegen die Auftragseingänge um 6 Prozent – generative KI macht dort inzwischen die Hälfte aller neuen Buchungen aus.

Guidance sinkt, Cashflow-Ziel bleibt stehen

Nach dem verfehlten Umsatzziel senkte IBM seine Jahresprognose für das währungsbereinigte Umsatzwachstum. Statt „über 5 Prozent“ peilt der Konzern nun eine Spanne von 4 bis 5 Prozent an.

Der freie Cashflow bleibt trotz der gesenkten Umsatzerwartung ein Ankerpunkt. IBM hält am Ziel fest, ihn gegenüber 2025 um etwa eine Milliarde Dollar zu steigern. Im ersten Halbjahr 2026 lag der freie Cashflow bei 4,8 Milliarden Dollar – stabil zum Vorjahr, da Produktivitätsgewinne höhere Cash-Steuern und Lagerbestandsaufbau ausglichen.

An der Dividende hält der Konzern fest. Aktionäre erhalten 1,69 Dollar je Aktie, zahlbar am 10. September 2026 an alle, die am 10. August 2026 im Aktionärsregister stehen.

Charttechnik zeigt tiefe Verunsicherung

Die Aktie notiert 38,54 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 292,85 Euro und liegt deutlich unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 228,76 Euro. Eine annualisierte Volatilität von fast 84 Prozent zeigt: Der Markt ist tief verunsichert, wie schnell Unternehmen ihre Budgets von Hardware auf KI-Infrastruktur umschichten.

Die Marke von 178,52 Euro – das aktuelle 52-Wochen-Tief – gilt nun als entscheidende Unterstützung. Hält sie nicht, dürfte der Abwärtsdruck anhalten. Die wachsenden Software-Abonnements und das bestätigte Cashflow-Ziel liefern IBM zumindest ein Polster, während der Konzern seinen Umbau hin zu einem KI-zentrierten Portfolio fortsetzt.