Der Technologiekonzern IBM zeigt sich im Bereich der Zukunftstechnologien offensiv, sieht sich jedoch gleichzeitig mit einer rechtlichen Untersuchung konfrontiert. Während die Zusammenarbeit mit der NASA bei künstlicher Intelligenz und ein neuer Quanten-Hub in der Schweiz technologische Meilensteine markieren, belasten die Enttäuschungen des zweiten Quartals weiterhin die Stimmung am Kapitalmarkt.

Expansion der Quantenforschung in Europa

IBM hat gemeinsam mit Lockheed Martin und in Abstimmung mit der armasuisse den Swiss Quantum Innovation Hub an der ETH Zürich ins Leben gerufen. Herzstück dieser Kooperation ist die Installation des ersten IBM Quantum System Two in der Schweiz, das am Standort Lugano betrieben werden soll.

Das System soll bis Ende 2026 einsatzbereit sein und wird von der ETH Zürich koordiniert, um der Industrie und der Wissenschaft Zugang zu modernster Rechenleistung zu ermöglichen.

Technologisch setzt das System auf den Nighthawk r2 Prozessor. Dieser verfügt über 120 Qubits und kann mehr als 100.000 Schaltkreise pro Sekunde verarbeiten. Im Vergleich zum Vorgängermodell Heron erreicht der neue Prozessor einen bis zu 25-mal höheren Durchsatz.

Der zunächst auf drei Jahre bis 2029 angelegte Vertrag sieht vor, dass IBM den Betrieb des Systems übernimmt, während Forschungsprojekte in Bereichen wie der Materialwissenschaft und den Finanzdienstleistungen vorangetrieben werden.

Künstliche Intelligenz für die Mondlandung

Parallel zur Hardware-Entwicklung treibt IBM die Anwendung von KI-Modellen in der Raumfahrt voran. Gemeinsam mit der NASA wurde das Lunar Foundation Model veröffentlicht, das als Open-Source-Modell auf der Plattform Hugging Face zur Verfügung steht. Es handelt sich um das erste multimodale KI-Modell für Monddaten, das mit rund zwei Millionen Bildkacheln aus 17 Jahren Bildmaterial des Lunar Reconnaissance Orbiter trainiert wurde.

Das System unterstützt die Identifizierung von Kratern, vulkanischen Strukturen und Polareis, was für künftige Artemis-Missionen der NASA von Bedeutung ist.

In Tests zeigte die Technologie eine deutlich höhere Präzision als bisherige Standards: Bei der Erkennung von Eisvorkommen sank die Fehlerrate um 22 Prozent im Vergleich zum Modell SwinV2. Die KI ist zudem in der Lage, Oberflächenveränderungen zu dokumentieren, wie etwa die Entstehung neuer Krater durch Einschläge.

Rechtliche Untersuchung nach Quartalsenttäuschung

Trotz der technologischen Erfolge rückt die finanzielle Entwicklung der vergangenen Monate wieder in den Fokus. Die Anwaltskanzlei Hagens Berman führt derzeit eine Untersuchung wegen möglicher Wertpapierverstöße durch. Hintergrund ist ein massiver Kurssturz am 14. Juli, bei dem das Unternehmen rund ein Viertel seines Börsenwertes verlor, was einer Marktkapitalisierung von etwa 68 Milliarden US-Dollar entsprach.

Anlass für die Untersuchung sind Diskrepanzen in der Umsatzentwicklung. CEO Arvind Krishna gab für das zweite Quartal 2026 ein Umsatzplus von lediglich einem Prozent bekannt, obwohl zuvor ein Wachstum von über fünf Prozent in Aussicht gestellt worden war.

Besonders der Bereich Infrastructure enttäuschte mit einem Rückgang von sieben Prozent, getrieben durch eine Schwäche bei der Z-Serie. Dies steht im starken Kontrast zum ersten Quartal 2026, in dem das Segment IBM Z noch ein Wachstum von 51 Prozent verzeichnet hatte.

An der Börse spiegeln sich diese Unsicherheiten im langfristigen Trend wider. Nachdem das Papier gestern bei 201,60 Euro schloss, beläuft sich das Minus seit Jahresbeginn auf 22 Prozent. Damit notiert der Wert weiterhin deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch von 292,85 Euro, das im Juni erreicht wurde.

Anleger beobachten nun genau, ob die neuen technologischen Kooperationen ausreichen, um die strukturellen Schwächen im Hardware-Geschäft mittelfristig zu kompensieren.