IBMs Softwarewachstum wirft Fragen nach seiner Dauerhaftigkeit auf. Reuters berichtete gestern über entsprechende Zweifel von Analysten: Ein Teil des Zuwachses stammt aus zuvor verschobenen Abschlüssen. Die ebenfalls gestern angekündigten KI-Erweiterungen für die Ferrari-App zeigen einen konkreten Einsatz der Technologie. Einen Beleg für dauerhaft höheres Softwarewachstum liefern sie jedoch nicht.
Verschobene Abschlüsse helfen dem Quartal
Laut Reuters entfielen rund 250 Millionen $ des Softwarezuwachses auf Geschäfte, die sich aus dem vorangegangenen Quartal verschoben hatten. Zugleich hob IBM den jährlichen Wachstumsausblick für Software auf etwa 7–8 % an.
Damit stehen zwei unterschiedliche Signale nebeneinander. Der höhere Ausblick spricht für mehr Zuversicht beim Unternehmen. Die Nachholeffekte schränken dagegen ein, wie weit sich das gemeldete Quartalswachstum fortschreiben lässt. Entscheidend ist für Anleger deshalb nicht allein die Stärke des abgelaufenen Quartals, sondern auch die Wiederholbarkeit dieser Entwicklung.
Am Mittwoch meldete IBM für das dritte Quartal 2026 einen Umsatz von 17,1 Milliarden $. Das entsprach einem Zuwachs von 5 % gegenüber dem Vorjahr.
Das Geschäft entwickelte sich dabei nicht einheitlich. Software lieferte den stärksten Wachstumsbeitrag unter den genannten Bereichen, während die Beratung stagnierte. Die Quartalsbilanz zeigt somit keine gleichmäßige Beschleunigung über alle Bereiche hinweg.
Höherer Softwareausblick bei unveränderter Konzernprognose
Der Softwareumsatz stieg um 8 %, das Infrastrukturgeschäft legte um 4 % zu. Für den Konzern bestätigte IBM die Erwartung eines währungsbereinigten Umsatzwachstums von 4–5 % im Gesamtjahr.
Der angehobene Softwareausblick ging damit nicht mit einer höheren Wachstumsprognose für den gesamten Konzern einher. Das relativiert die positive Nachricht, ohne den Softwarezuwachs infrage zu stellen. Für die Bewertung kommt es darauf an, ob IBM auch ohne verschobene Abschlüsse an diese Entwicklung anknüpfen kann.
Ferrari-App zeigt konkreten KI-Einsatz
IBM und Scuderia Ferrari HP kündigten gestern erweiterte KI-Funktionen für die Ferrari-App an. Dazu zählen eine automatisierte Rennchronik, ausführlichere Rennzusammenfassungen und ein Spiel für Fans. IBM beziffert den Produktivitätsgewinn durch seine KI-Werkzeuge im Produktentwicklungsprozess der App auf 30 %.
Die Mitteilung beschreibt damit einen konkreten Nutzen im Entwicklungsprozess. Diese Produktivitätsangabe ist allerdings kein Maßstab für IBMs konzernweites Umsatzwachstum. Für Anleger bleiben die Anwendungserfolge und die Qualität des Softwarewachstums deshalb getrennte Prüfsteine: Die Ferrari-App illustriert den praktischen KI-Einsatz, während die verschobenen Abschlüsse die Aussagekraft des jüngsten Quartals begrenzen.
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