Erst der monatelange Höhenflug, nun der harte Aufprall. Infineon-Investoren nehmen aktuell im großen Stil Gewinne mit. Allein in den vergangenen sieben Tagen verlor der DAX-Titel gut zehn Prozent an Wert.
Wichtige Haltemarken fallen
Der jüngste Kursrutsch hinterlässt charttechnisch tiefe Spuren. Aktuell notiert das Papier bei 70,55 Euro. Damit durchbricht der Wert die viel beachtete 50-Tage-Linie nach unten. Dieser gleitende Durchschnitt verläuft derzeit bei 73,77 Euro.
Setzt sich die Schwäche fort, droht weiteres Abwärtspotenzial. Die nächste massive Unterstützung bietet das Chartbild erst an der 200-Tage-Linie. Diese Marke liegt aktuell bei 47,90 Euro. Ein derartiger Rücksetzer würde den langfristigen Trend massiv unter Druck setzen.
Der aktuelle Verkaufsdruck kommt nicht völlig überraschend. Der Halbleiterwert zählte über Monate zu den stärksten Aktien auf dem deutschen Kurszettel. Viele internationale Technologieaktien weisen momentan extrem hohe Bewertungen auf. Marktbeobachter werten die aktuelle Korrektur daher vor allem als klassische Gewinnmitnahme.
Die nackten Zahlen belegen diese starke Vorlaufperformance. Seit Jahresbeginn steht immer noch ein Kursplus von 84,18 Prozent. Vom Rekordhoch bei 89,67 Euro hat sich die Aktie inzwischen allerdings spürbar entfernt. Der Abstand beläuft sich auf 21,32 Prozent.
China-Risiko und anstehende Termine
Fundamental belasten skeptische Analystenstimmen das Marktumfeld. Die Experten der Schweizer Großbank UBS warnen vor anhaltenden Problemen im chinesischen Markt. Dort leidet das breite Automobilgeschäft unter einer schwachen Nachfrage nach Elektroautos. Die Folge: Zulieferer wie Infineon geraten in den Sog der schwächelnden Autobauer.
Ein erster Stimmungstest für die gesamte Branche steht kurz bevor. Der Konkurrent STMicroelectronics legt am 23. Juli seine Quartalsbilanz vor. Diese Ergebnisse werden als wichtiger Frühindikator für den gesamten europäischen Chipsektor gewertet.
Infineon selbst berichtet wenig später am 5. August über das abgelaufene Geschäftsquartal. Der Konzern befindet sich bereits in der vorgeschriebenen Ruhephase vor den Zahlen. Bis das Unternehmen seine Bücher offiziell öffnet, kommentiert das Management die operative Entwicklung nicht.
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