Rekordumsatz, angehobene Prognose – und trotzdem ein Kursrutsch von mehr als fünf Prozent. Bei Infineon zeigt sich einmal mehr: Der KI-Boom allein reicht der Börse nicht. Was die Anleger wirklich störte, steckte tief in der Bilanz.

Rekordumsatz, aber die Marge bremst

Der Umsatz kletterte im dritten Geschäftsquartal auf 4,17 Milliarden Euro – ein Plus von neun Prozent zum Vorquartal und der höchste Wert seit rund zweieinhalb Jahren. Beim Gewinn hakte es dagegen. Das Segmentergebnis stieg zwar auf 797 Millionen Euro, verpasste aber die Analystenschätzung von 809 Millionen Euro.

Die operative Marge verbesserte sich auf 19,1 Prozent, zwei Prozentpunkte mehr als im Vorquartal. Der Markt hatte allerdings mit rund 19,6 Prozent gerechnet – genau diese Lücke sorgte für die Enttäuschung. An der Börse rutschte die Aktie daraufhin zeitweise um mehr als sieben Prozent ab und fiel auf rund 60 Euro. Im laufenden Jahr steht damit immer noch ein Kursplus von gut 60 Prozent zu Buche.

Bemerkenswert dabei: Der Konzern hob seine Jahresprognose sogar an. Für das Geschäftsjahr 2025/26 rechnet Infineon nun mit einem Umsatzplus von rund elf Prozent auf etwa 16,3 Milliarden Euro – bislang war nur von einem „deutlichen Anstieg“ die Rede gewesen. Für das laufende vierte Quartal peilt der Konzern einen Umsatz von rund 4,7 Milliarden Euro und eine Segmentergebnismarge von etwa 23 Prozent an.

KI-Aufträge sichern die Zukunft

Der eigentliche Treiber der Geschichte bleibt das Geschäft mit Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren. Für das laufende Geschäftsjahr peilt Infineon nun mehr als 1,6 Milliarden Euro Umsatz in diesem Segment an – mehr als eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr.

Der Auftragsbestand des Gesamtkonzerns stieg auf 30 Milliarden Euro, nach rund 25 Milliarden Euro im Vorquartal. Mit mehr als zehn Kunden hat Infineon inzwischen Kapazitätsreservierungen für KI-Rechenzentren vereinbart, mit einem Volumen im hohen einstelligen Milliardenbereich und teilweise mit Anzahlungen verbunden. Konzernchef Jochen Hanebeck stellte für das Geschäftsjahr 2026/27 nun mehr als 2,5 Milliarden Euro KI-Umsatz in Aussicht – eine deutliche Anhebung gegenüber der bisherigen Planung.

Analysten trotzen dem Kursrutsch

Nicht alle Beobachter ließen sich von der schwächeren Marge beeindrucken. Sandeep Deshpande von JPMorgan kritisierte zwar Ergebnis und Ausblick, lobte aber die mehrjährigen Lieferverträge im KI-Geschäft – sie verschafften Infineon mehr Planungssicherheit. Sein fairer Wert bleibt bei 96 Euro.

Jefferies-Analyst Janardan Menon bestätigte seine Kaufempfehlung mit demselben Kursziel von 96 Euro, obwohl die Profitabilität unter dem Konsens gelegen habe. Die Umsatzprognose für das vierte Quartal liege dagegen um zwei Prozent über den Markterwartungen. Citigroup-Analyst Andrew Gardiner sieht die fundamentale Entwicklung als intakt, mahnt aber, dass die Konsenserwartungen zuletzt schneller gestiegen seien als die tatsächliche Marge – die 20-Prozent-Schwelle rücke näher, doch der Markt habe bereits vorgegriffen.

Genauere Details zur nächsten KI-Prognose für das Geschäftsjahr 2026/27 will Hanebeck im November bei Vorlage der Jahresbilanz nachliefern.