Der Wahlsieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen hat die KI-Branche kalt erwischt. Infineon spürt die Folgen: Die Aktie war am Donnerstag auf das tiefste Niveau seit April gerutscht und stabilisiert sich am Freitag nur leicht.

Ein „blauer Tsunami“ für die Techwerte

Am Donnerstagnachmittag geriet die Branche ausgehend von den USA heftig unter Druck. Der Nasdaq 100 verlor 6,4 Prozent, sein größter Tagesverlust seit dem Corona-Crash 2020. Der Halbleiterindex SOX brach sogar um 12 Prozent ein.

Die Investmentbank Bernstein sprach von einem „blauen Tsunami“. Gemeint ist der deutliche Sieg der Demokraten, deren Farbe in den USA Blau ist. Börsianer fürchten, dass die neuen Mehrheiten im Senat und im Kongress den Ausbau von KI-Rechenzentren bremsen könnten.

Das trifft einen wunden Punkt. Schon zuvor gab es Sorgen, ob sich die immensen Investitionen in die KI-Infrastruktur zeitnah amortisieren. Die politische Unsicherheit verstärkt diese Zweifel.

Ausrüster trifft es härter als Betreiber

Besonders unter Druck stehen die Ausrüster der Rechenzentren, weniger die Hyperscaler, also die Betreiber der Infrastruktur. Infineon liefert unter anderem Leistungshalbleiter für Rechenzentren und gehört damit zu den Profiteuren des KI-Booms. Entsprechend empfindlich reagiert der Titel auf jede Bremsspur.

Am Freitag fällt die Reaktion bislang milder aus. Im Xetra-Handel legte die Aktie zeitweise um gut 1 Prozent auf 46,44 Euro zu. Von einer Trendwende lässt sich bei dieser kleinen Gegenbewegung kaum sprechen.

Bernstein sieht Übertreibung

Die Bernstein-Experten halten die Marktreaktion für überzogen. Sie rechnen damit, dass die neuen Amtsträger ihren Widerstand gegen KI-Rechenzentren letztlich abschwächen. Eine politische Vollbremsung erwarten sie demnach nicht.

Ob sich diese Sicht durchsetzt, dürfte sich schon bald an den Zahlen zeigen. Infineon legt am 10. November Ergebnisse vor. Dann liefert der Konzern erstmals nach dem Ausverkauf eigene Aussagen zur Nachfrage aus dem Rechenzentrumsgeschäft.