Zwei weitere Gerichtssiege gegen den chinesischen Konkurrenten Innoscience — und der Markt reagiert prompt. Am Donnerstagabend legte die Infineon-Aktie im nachbörslichen Handel deutlich zu, ausgelöst durch zwei neue Urteile des Landgerichts München I.
Münchner Gericht stärkt Infineons IP-Position
Das Gericht untersagte Innoscience die Herstellung, den Verkauf und die Vermarktung von Produkten in Deutschland, die ein Infineon-Patent zur Galliumnitrid-(GaN)-Technologie verletzen. Hinzu kommt eine Schadensersatzpflicht, über deren genaue Höhe Infineon zunächst keine Angaben machte.
Der DAX-Konzern bezeichnete die Münchner Entscheidung als die dritte und vierte juristische Niederlage von Innoscience in dieser Verfahrensserie. Gerichte und Behörden in den USA und Deutschland hätten in mehreren Verfahren bestätigt, dass Innoscience-Produkte Infineons geistige Eigentumsrechte verletzen.
Der Zeitpunkt ist pikant. Innoscience hatte erst vor drei Tagen erklärt, vor Chinas Oberstem Gerichtshof gewonnen zu haben — und den Patentstreit damit in China für beendet erklärt. Infineon widersprach dieser Darstellung. Die Rechtslage bleibt damit geografisch gespalten: In China sieht Innoscience sich als Sieger, in Europa und den USA zeigt die Bilanz ein anderes Bild.
Rückenwind vom Sektor
Die Patentmeldung trifft auf ein ohnehin freundliches Umfeld für Chip-Werte. Bereits tagsüber hatten Infineon-Papiere von zwei sektorweiten Impulsen profitiert: BE Semiconductor hob seine langfristigen Umsatz- und Margenziele an und verwies auf stärkere Nachfrage aus dem KI- und Rechenzentrumsbereich. Parallel dazu signalisierte US-Präsident Trump auf Truth Social Unterstützung für die amerikanische Halbleiterindustrie und verwies auf eine Vereinbarung zwischen Apple und Intel zur Chip-Fertigung in den USA.
GaN-Technologie ist für Infineon ein strategisches Kernfeld — leistungsstark, energieeffizient und zunehmend gefragt in Bereichen wie Elektromobilität und Industrieelektronik. Wer diese Patente erfolgreich verteidigt, schützt damit nicht nur Marktanteile, sondern sichert Lizenzpotenzial für die kommenden Jahre.
Das nächste Kapitel im Rechtsstreit dürfte die Frage sein, ob Innoscience die Münchner Urteile anfechten wird — und ob weitere Jurisdiktionen folgen.
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