Infineon Technologies hat am Mittwoch die Geschäftszahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 vorgelegt – und liefert einen Rekordwert. Der Umsatz stieg auf 4,172 Milliarden Euro, ein Plus von 9,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal und 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Münchner Halbleiterkonzern hebt daraufhin seine Jahresprognose für 2026 auf 16,3 Milliarden Euro an, nachdem zuvor lediglich von einem „signifikanten Wachstum“ die Rede war. Auch die Prognose für den bereinigten freien Cashflow fällt optimistischer aus: Statt 1,65 Milliarden Euro rechnet das Unternehmen nun mit 1,85 Milliarden Euro.
Der Kapitalmarkt reagierte deutlich: Am Freitag schloss die Aktie bei 62,42 Euro, ein Tagesgewinn von 4,14 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt das Papier damit 65,44 Prozent im Plus. Vom 52-Wochen-Hoch bei 89,67 Euro, das erst kürzlich markiert wurde, ist der Titel allerdings noch rund 30,39 Prozent entfernt – die Erholung der vergangenen Tage hat den Kursrückgang der Wochen davor bislang nur teilweise ausgeglichen.
Margen ziehen an, Auftragsbestand wächst kräftig
Das Segmentergebnis kletterte im dritten Quartal auf 797 Millionen Euro, was einer Marge von 19,1 Prozent entspricht – ein Anstieg um 200 Basispunkte gegenüber dem Vorquartal. Für das laufende vierte Quartal erwartet Infineon einen Umsatz von 4,7 Milliarden Euro, ein sequenzieller Zuwachs von 13 Prozent, bei einer weiteren Margenausweitung um 400 Basispunkte.
Besonders dynamisch entwickelt sich die Division Power & Sensor Systems: Der Umsatz legte dort um 14 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 1,44 Milliarden Euro zu, im Jahresvergleich sogar um 34 Prozent, bei einer Segmentmarge von 24,9 Prozent. Der Umsatz mit KI-Leistungshalbleitern soll 2026 nun mehr als 1,6 Milliarden Euro erreichen. Untermauert wird das Wachstum durch einen Auftragsbestand von knapp 30 Milliarden Euro zum 30. Juni – ein deutlicher Anstieg. Infineon verweist zudem auf mehrjährige Kapazitätsreservierungsvereinbarungen mit führenden KI-Kunden, deren kumuliertes Umsatzvolumen sich im hohen einstelligen Milliardenbereich bewegt. Auch das Automobilgeschäft zieht an, getragen von strukturellem Content-Wachstum und Marktanteilsgewinnen.
Kooperation mit LS ELECTRIC und abgeschlossene ams-OSRAM-Übernahme
Bereits am 13. Juli hatte Infineon mit dem südkoreanischen Unternehmen LS ELECTRIC eine Absichtserklärung unterzeichnet. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung hocheffizienter DC-Strominfrastruktur für KI-Rechenzentren und Stromnetze der nächsten Generation. Die Arbeitsteilung ist klar geregelt: Infineon liefert Halbleiterlösungen aus den Bereichen Leistungshalbleiter, Mikrocontroller und Power Control, während LS ELECTRIC für Systemintegration und Implementierung zuständig ist.
Am 1. Juli schloss Infineon zudem die Übernahme des nicht-optischen Analog- und Mixed-Signal-Sensorportfolios von ams OSRAM ab. Der Kaufpreis betrug 570 Millionen Euro auf schulden- und cashfreier Basis, sämtliche regulatorischen Genehmigungen liegen vor. Für das Geschäft werden 2026 rund 230 Millionen Euro Umsatz erwartet, das Ergebnis pro Aktie soll sich bereits ab dem Abschluss positiv auswirken. Mit der Transaktion wechselten rund 230 Mitarbeiter aus Forschung und Geschäftsführung zu Infineon, drei zusätzliche Standorte in Valencia, Rapperswil und Hyderabad kamen hinzu.
Patentstreit mit Innoscience bleibt ungelöst
Parallel zum operativen Erfolg zieht sich ein Rechtsstreit mit dem chinesischen GaN-Spezialisten Innoscience durch mehrere Instanzen und Länder. Am 27. Mai hatte das Suzhou Intermediate People’s Court in erster Instanz entschieden, dass Infineon zwei Kernpatente von Innoscience zur GaN-Technologie verletzt, und Infineon zur Zahlung von 1,38 Millionen Euro Schadensersatz sowie zur Einstellung von Verkauf, Angebot und Import verpflichtet. Chinas Oberster Volksgerichtshof bestätigte das Verkaufsverbot für bestimmte GaN-Produkte von Infineon auf dem chinesischen Festland am 13. Juni endgültig.
In den USA verlief der Streit umgekehrt: Die US International Trade Commission bestätigte am 7. Juli endgültig, dass Innoscience ein Infineon-Patent zur GaN-Technologie verletzt, und verhängte Import- und Verkaufsverbote gegen das chinesische Unternehmen. Der Patentkonflikt zwischen beiden Konzernen bleibt damit länderübergreifend ungelöst und dürfte das Geschäft mit GaN-Leistungshalbleitern auf beiden Seiten weiter begleiten.
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