JPMorgan hat das Kursziel für Infineon von 74 auf 96 Euro angehoben — ein Sprung von knapp 30 Prozent. Die Einstufung bleibt „Overweight“. Analyst Sandeep Deshpande begründet seinen Optimismus mit der Führungsposition des Münchner Chipkonzerns bei Leistungshalbleitern für KI-Rechenzentren.

KI als Wachstumsmotor

Deshpande sieht im laufenden Zyklus die Margen über das Niveau des Corona-Hochs steigen — ein ambitioniertes Ziel, das Infineon-Chef Jochen Hanebeck teilt. Er will einen weltweiten Marktanteil von 30 bis 40 Prozent bei KI-Leistungshalbleitern erreichen. „KI ist eine wirkliche Revolution, die noch Jahre andauern wird“, sagte Hanebeck. Der Markt für Rechenzentren sei größer, als viele glaubten.

Der Kursanstieg der vergangenen Monate gibt diesem Selbstbewusstsein Rückenwind: Die Aktie hat sich zuletzt in der Kursentwicklung verdoppelt.

Auch Automobil wieder im Blick

Neben dem KI-Geschäft wird JPMorgan auch für das schwächelnde Automobilsegment wieder zuversichtlicher. Deshpande sieht Anzeichen einer Nachfragebelebung — das wäre eine wichtige Ergänzung zum KI-Boom, der bislang als alleiniger Treiber der Erholung gilt.

Passend dazu eröffnet Infineon nächste Woche in Dresden eine neue Halbleiterfabrik. Fünf Milliarden Euro wurden investiert. Hanebeck sprach von „perfektem Timing“ — angesichts der steigenden Nachfrage nach europäisch gefertigten Chips zunehmend von Kunden eingefordert.

Vorbörslich reagierte die Aktie auf die JPMorgan-Analyse mit einem deutlichen Kursanstieg. Das charttechnische Bild ist dabei nicht ganz unbelastet: Nach dem Scheitern am Rekordhoch Anfang Juni droht ein Doppeltopp. Der Rückenwind aus den USA — ausgelöst durch starke Micron-Zahlen — gibt dem Kurs nun die Chance, dieses Muster aufzulösen. Gelingt das in den nächsten Handelstagen nicht, könnten Rücksetzer folgen.