Lange galt Künstliche Intelligenz für Infineon vor allem als Randthema. Das ändert sich gerade — und die Anleger reagieren prompt.

Bernstein Research hat das Kursziel für die Aktie von 74 auf 102 Euro angehoben und bestätigt das „Outperform“-Rating. Analyst David Dai sieht eine entscheidende Verschiebung: Die Renaissance des CPU-Marktes kristallisiere sich als zweite Triebfeder für Leistungshalbleiter heraus, neben dem bereits bekannten GPU-Segment. Infineon stehe hier besonders gut positioniert.

Warum KI jetzt anders bewertet wird

Bisher nahmen Investoren Infineons KI-Exposure vor allem über die Automobilsparte und Energiemanagement-Chips wahr. Dass auch Leistungshalbleiter für Rechenzentren — etwa zur Stromversorgung von CPU-Clustern — ein strukturelles Wachstumsfeld sind, wurde nach Einschätzung von Bernstein unterschätzt. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren gezielt investiert: In Dresden entstand eine neue Smart Power Fab, die genau diese steigende Nachfrage bedienen soll.

Die Neubewertung trifft damit auf eine bereits laufende Rallye. Hinzu kommen verbesserte Aussichten im Automobilgeschäft und positive Impulse aus Asien zum Wochenstart — ein Mix, der die Aktie heute zu einem der stärksten Werte im DAX macht.

Halbleitersektor zieht mit

Der Rückenwind erfasst die gesamte europäische Chipbranche. BE Semiconductor, STMicroelectronics und ASML verbuchen ebenfalls Gewinne, wenngleich deutlich moderater. Infineon führt das Feld an.

Das Analystenbild bleibt damit klar bullish — zumindest aus Bernsteins Perspektive. Das neue Kursziel von 102 Euro impliziert ausgehend vom aktuellen Niveau weiteres Aufwärtspotenzial von rund 19 Prozent. Ob die übrigen Häuser nachziehen, dürfte in den kommenden Wochen die entscheidende Frage für den weiteren Kursverlauf sein — die nächsten Quartalszahlen sind traditionell der Moment, an dem solche Neubewertungen auf den Prüfstand kommen.