Selten haben sich Analysten bei einem DAX-Wert so uneinig gezeigt wie jetzt bei Infineon. Die Kursziele reichen von 61 bis 108 Euro. Das ist eine Spanne von fast 80 Prozent. Vor der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal am 5. August 2026 tobt ein Streit über die richtige Bewertung des Chip-Konzerns.

Am Freitag schloss die Aktie bei 63,90 Euro, leicht im Minus. Der Kurs liegt derzeit rund 15 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 75,18 Euro. Das zeigt: Der kurzfristige Abwärtstrend ist deutlich sichtbar.

Kursziel-Chaos: Von 61 bis 108 Euro

Am unteren Ende der Skala steht die Schweizer Großbank UBS. Sie belässt ihr Kursziel bei 61,00 Euro und stuft die Aktie mit „Neutral“ ein. Analyst Francois-Xavier Bouvignies warnt vor Marktanteilsverlusten im KI-Segment. Zusätzlich verweist er auf anhaltende Probleme im China-Geschäft für das zweite Halbjahr 2026.

Am anderen Ende positioniert sich die Bank of America. Sie sieht ein Kursziel von 108,00 Euro und stützt sich auf Infineons starke Rolle bei Leistungshalbleitern für KI-Rechenzentren. Auch Berenberg-Analystin Tammy Qiu hob ihr Ziel kürzlich auf 100,00 Euro an. Nach einem Besuch der neuen „Smart Power Fab“ in Dresden rechnet sie mit zusätzlichen Umsätzen von rund 30 Milliarden Euro an bestehenden Standorten. Neue Reinräume müsste Infineon dafür nicht bauen.

Technische Warnsignale und hohe Volatilität

Der Kursrutsch der vergangenen 30 Tage von gut 22 Prozent hat die Aktie in eine überverkaufte Zone gedrückt. Der Relative-Stärke-Index liegt bei 35,1 und nähert sich der kritischen Marke von 30. Das könnte auf eine kurzfristige Gegenbewegung hindeuten.

Gleichzeitig bleibt die Bewertung ambitioniert. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei über 43 und damit deutlich über dem Fünf-Jahres-Schnitt. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 61,55 Prozent sorgt zusätzlich für Nervosität unter Investoren.

Fokus auf den 5. August

Weil sich das Management vor den Quartalszahlen nicht zum operativen Geschäft äußert, richtet sich der Blick auf die strategische Positionierung. Operativ lieferte Infineon zuletzt durchaus Fortschritte. Anfang Juli nahm die neue Halbleiterfabrik in Dresden den Betrieb auf. Eine neue Kooperation mit LS Electric im Bereich Gleichstrom-Infrastruktur soll zudem das Geschäft mit KI-Anwendungen absichern.

Bis zum 5. August dürfte die Aktie zwischen den gegensätzlichen Analysteneinschätzungen hin- und herschwanken. Erst die Quartalszahlen werden zeigen, welche Seite näher an der Realität liegt: die Skeptiker um UBS oder die Optimisten um Bank of America und Berenberg.