Nach einer heftigen Kurskorrektur überdenken Analysten ihre skeptische Haltung zu Infineon. Die Analysten von mwb strichen ihre Verkaufsempfehlung für den Chipkonzern, nachdem die Aktie zuvor mehr als 20 Prozent an Wert verloren hatte. Sie rechnen nun wieder mit Wachstum, stufen die Bewertung des Titels aber weiterhin als ambitioniert ein.

Kursrutsch als Auslöser für den Sinneswandel

Der Kurseinbruch der vergangenen Wochen war massiv genug, um selbst kritische Stimmen zum Umdenken zu bewegen. Am Freitag setzte sich die Talfahrt zunächst fort: Die Aktie gab um 2,22 Prozent nach und schloss bei 63,80 Euro. Damit hat sich der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 89,67 Euro, das im Juni markiert wurde, auf 28,85 Prozent ausgeweitet.

Gerade diese Wucht des Rückgangs dürfte mwb zu der Neubewertung bewogen haben. Wenn eine Aktie in wenigen Wochen ein Fünftel ihres Wertes verliert, verschiebt sich automatisch das Chance-Risiko-Verhältnis – selbst wenn sich am fundamentalen Bild wenig ändert. Die Analysten erkennen laut ihrer Einschätzung wieder Wachstumsperspektiven bei Infineon, mahnen aber gleichzeitig zur Vorsicht: Die Bewertung des Papiers bezeichnen sie trotz der Korrektur als ambitioniert.

Bewertung bleibt ambitioniert – trotz Kursverlust

Diese Einschätzung mag auf den ersten Blick überraschen, ergibt aber Sinn, wenn man den Ausgangspunkt betrachtet. Infineon war vor der Korrektur so stark gelaufen, dass selbst ein zweistelliger Rücksetzer die Bewertung nicht in den Bereich klassischer Schnäppchen rückt. Für Anleger bedeutet das: Ein gestrichenes Verkaufssignal ist noch kein Kaufsignal – mwb sieht offenbar eher eine Stabilisierung als eine neue Aufwärtsdynamik.

Der breitere Marktkontext liefert zusätzlichen Gegenwind. Die Bank of America äußerte sich zwar zuversichtlich, dass der aktuelle Abverkauf bei Halbleiterwerten wie Nvidia und Broadcom keinen strukturellen Anlass zur Sorge gebe – doch die Branche insgesamt kämpft mit schwacher Saisonalität, dünner Liquidität und historisch hohen Bewertungen, wie es in Marktkommentaren zur laufenden Berichtssaison hieß. Für einen Titel wie Infineon, dessen Aktie sich in den vergangenen zwölf Monaten deutlich verteuert hatte, wirkt dieses Umfeld wie ein zusätzlicher Prüfstein.

Zahlen am 5. August im Fokus

Die eigentliche Nagelprobe steht Anlegern erst noch bevor: Am 5. August dürfte sich entscheiden, ob das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von 43 gerechtfertigt ist oder nicht. An diesem Termin richten sich die Blicke auf konkrete Geschäftszahlen, die zeigen müssen, ob die von mwb erwartete Wachstumsrückkehr tatsächlich eintritt.

Für Investoren ergibt sich daraus eine klare Konstellation: Die Verkaufsempfehlung ist vom Tisch, ein uneingeschränktes Kaufsignal aber noch nicht ausgesprochen. Solange die ambitionierte Bewertung nicht durch entsprechende Geschäftszahlen unterfüttert wird, dürfte die Aktie anfällig für weitere Schwankungen bleiben. Der 5. August wird damit zum nächsten wichtigen Stichtag, an dem sich zeigen muss, ob die vorsichtige Zuversicht der Analysten berechtigt war.