Infineon hat am Mittwoch das dritte Geschäftsquartal mit einem Rekordumsatz abgeschlossen und daraufhin die Jahresprognose nach oben korrigiert. Der Halbleiterkonzern profitiert von der anhaltenden Nachfrage aus dem Bereich künstliche Intelligenz und meldet zugleich Fortschritte bei laufenden Übernahmen und Kooperationen.
Rekordquartal und angehobene Prognose
Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026, das zum 30. Juni endete, erzielte Infineon einen Umsatz von 4,172 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorquartal und von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Segmentergebnis kletterte auf 797 Millionen Euro, die Marge verbesserte sich um 200 Basispunkte auf 19,1 Prozent. Der Gewinn nach Steuern stieg um 39 Prozent auf 423 Millionen Euro. Auch beim freien Cashflow zeigte sich eine deutliche Trendwende: Nach minus 63 Millionen Euro im Vorquartal erwirtschaftete Infineon nun 599 Millionen Euro.
Auf Basis dieser Zahlen hob das Unternehmen die Jahresprognose an. Der Umsatz für das Geschäftsjahr 2026 soll nun bei rund 16,3 Milliarden Euro liegen, nachdem zuvor lediglich ein deutlicher Anstieg in Aussicht gestellt worden war. Der adjustierte freie Cashflow wird mit 1,85 Milliarden Euro veranschlagt, ein Anstieg gegenüber der vorherigen Zielmarke von 1,65 Milliarden Euro. Der freie Cashflow insgesamt fällt dagegen niedriger aus als bisher geplant: Statt 1,25 Milliarden Euro rechnet Infineon nun mit 0,9 Milliarden Euro, was das Unternehmen mit der im Juli abgeschlossenen Übernahme von ams OSRAM begründet. Für das laufende vierte Quartal stellt Infineon einen Umsatz von rund 4,7 Milliarden Euro in Aussicht.
KI-Wachstum und Übernahmen
Die Geschäftsleitung sprach im Rahmen der Analystenkonferenz von einem ungebrochenen KI-Momentum und positionierte Infineon als führenden Anbieter für die Stromversorgung von KI-Infrastruktur, vom Stromnetz bis zum Rechenzentrum. Untermauert wird das durch mehrjährige Kapazitätsreservierungsvereinbarungen mit führenden KI-Kunden, die bereits abgeschlossen sind oder derzeit verhandelt werden. Das kumulative Umsatzvolumen dieser Vereinbarungen bewegt sich im hohen einstelligen Milliardenbereich.
Ergänzt wird das Wachstum durch externe Zukäufe und Kooperationen. Anfang Juli schloss Infineon die Übernahme des Sensor-Portfolios von ams OSRAM für 570 Millionen Euro ab, das für das laufende Jahr rund 230 Millionen Euro Umsatz beisteuern soll. Die übernommenen 230 Mitarbeiter, davon 150 in Forschung und Entwicklung, sollen das Geschäft mit nicht-optischen Analog- und Mixed-Signal-Sensoren stärken. Das Unternehmen bezeichnet den Zukauf als ergebnissteigernd ab dem Zeitpunkt des Vollzugs. Mitte Juli unterzeichnete Infineon zudem ein Memorandum of Understanding mit LS ELECTRIC über eine Kooperation zu hocheffizienten Gleichstrom-Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren und künftige Stromnetze.
Auf regulatorischer Seite bestätigte die US-Handelsbehörde ITC Mitte Juli ein Verbot von GaN-Produkten des Wettbewerbers Innoscience auf dem US-Markt wegen einer Patentverletzung – ein Erfolg für Infineon im Wettbewerb um Galliumnitrid-Technologie.
Kursreaktion und Ausblick
Die Börse reagierte am Freitag positiv auf die Zahlen und die angehobene Prognose: Die Aktie schloss bei 62,42 Euro und legte damit an einem einzigen Handelstag um 4,14 Prozent zu. Der Sprung markiert allerdings nur eine Teilerholung, denn über die vergangenen 30 Tage steht bei Infineon noch immer ein Kursrückgang von 12,13 Prozent zu Buche. Anleger bewerten damit offenbar sowohl die operative Stärke des Quartals als auch die margenwirksamen Effekte der ams-OSRAM-Integration.
Der breitere Branchenkontext stützt die Wachstumsstory: Auch Samsung Electronics und Micron Technology meldeten zuletzt starke Ergebnisse im Speicherchip-Geschäft, getrieben von der KI-Infrastrukturnachfrage – ein Umfeld, in dem Infineon mit seinem Fokus auf Leistungshalbleiter für Rechenzentren und Stromnetze eine zunehmend zentrale Rolle beansprucht.
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