Chipwerte legen zum Wochenstart einen kräftigen Lauf hin, und Infineon führt die Bewegung im DAX an. Zeitweise ging es für die Aktie via XETRA um 2,9 Prozent nach oben. Der Auslöser liegt nicht nur im generell freundlichen Branchenumfeld, sondern auch in einer konkreten Kaufempfehlung, die am Montag für zusätzlichen Schub sorgte.

Warburg sieht Bewertung zu niedrig

Warburg Research hat Infineon nach dem zurückliegenden Kursrücksetzer ein klares Kaufsignal ausgestellt. Analyst Malte Schaumann hält die Markterwartungen angesichts der zuvor gesunkenen Bewertung für zu vorsichtig. Sein Argument: Die Geschäftsbeschleunigung bei Chips für KI-Rechenzentren sei im aktuellen Kurs noch nicht ausreichend eingepreist.

Die Deutsche Bank zieht in eine ähnliche Richtung, wenn auch mit anderer Begründung. Die Analysten bestätigten ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 85 Euro und verwiesen auf das hohe Wachstumspotenzial, das über das laufende Jahr hinausreicht. Zwei Häuser, zwei Blickwinkel — aber ein gemeinsamer Tenor: Das derzeitige Kursniveau bildet die Wachstumsstory nicht vollständig ab.

Halbleiterbranche zieht breit an

Der Rückenwind kommt nicht allein aus Einzelanalysen. Chiptitel wie SanDisk, Marvell und Seagate zählten vor dem Wochenende in den USA zu den größten Gewinnern und trieben den Nasdaq 100 ins Plus. In Asien zogen Samsung und SK Hynix den koreanischen Kospi nach oben, auch der japanische Nikkei 225 legte deutlich zu.

Getragen wird die Stimmung von der Erwartung, dass ein neues Modell von OpenAI die Nachfrage nach Rechenleistung für Künstliche Intelligenz weiter befeuern könnte. Im DAX profitierten neben Infineon auch die Zulieferer Süss MicroTec, Aixtron, Siltronic und Jenoptik mit Kursaufschlägen von bis zu 3,4 Prozent.

Softwarewerte wie SAP gaben dagegen nach — ein Muster, das sich zeigt, sobald die Chip-Euphorie wieder auflebt: Anleger befürchten, dass agentische KI-Systeme klassische Softwareanbieter unter Druck setzen könnten.

Die nächste konkrete Bewährungsprobe für die These der Analysten steht am 10. November an. Dann legt Infineon die Zahlen zum vierten Quartal vor — sie werden zeigen, ob die von Warburg und der Deutschen Bank erwartete Geschäftsbeschleunigung bei KI-Chips tatsächlich Fahrt aufnimmt.