InnoCan Pharma steht vor einer Abstimmung, die über die nächste Phase des Unternehmens entscheiden könnte. Am 17. August 2026 sollen die Aktionäre über eine Umbenennung in „Velsa Corp“ votieren. Der Zeitpunkt ist heikel: Erst kürzlich hat das Unternehmen seinen geplanten US-Börsengang verschoben.
Rebranding statt US-Listing – vorerst
Die Umbenennung soll ein neues, einheitliches Profil im Biotech- und Gesundheitssektor schaffen. Ursprünglich wollte InnoCan an der NYSE American oder der Nasdaq notieren. Diesen Plan hat der Vorstand nun aufgeschoben, um sich zunächst auf das Wachstum in den Kernmärkten zu konzentrieren.
Die entscheidende Frage lautet: Kann die margenstarke Wellness-Sparte die teure Pharmaforschung so lange querfinanzieren, bis ein US-Listing wieder möglich wird? Ohne frisches Kapital von der Börse bleibt das Unternehmen auf seine bestehende Kapitalstruktur angewiesen. Eine harte Aufgabe, wenn Präklinik und klinische Studien parallel weiterlaufen sollen.
Das bullische Szenario: Cashflow und Zulassungsfortschritte
Für eine positive Entwicklung spricht vor allem die Tochtergesellschaft B.I. Sky Global. Deren Marke Valitic hat mittlerweile über zwei Millionen Kunden erreicht und sammelt mehr als 100.000 positive verifizierte Bewertungen in den USA. Diese Konsumentenbasis liefert InnoCan verlässliche Einnahmen bei hohen Margen.
Im ersten Quartal 2026 lag die Bruttomarge bei 91,1 Prozent, der Umsatz stieg um 29,7 Prozent zum Vorquartal auf 6,47 Millionen US-Dollar. Für das Gesamtjahr 2025 meldete das Unternehmen 26,6 Millionen US-Dollar Umsatz bei einer Marge von 89,9 Prozent.
Auch auf der Pharmaseite gibt es Fortschritte. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat der tiermedizinischen LPT-CBD-Plattform eine INAD-Nummer zugeteilt und mehrfach Gebühren erlassen — ein Signal für den innovativen Status der Technologie. Im Humanbereich hat die FDA einem nicht-klinischen Entwicklungsplan zugestimmt. Der mögliche Zulassungsweg nach 505(b)(2) könnte den Weg zur Kommerzialisierung deutlich verkürzen und verbilligen. Peer-reviewte Studien haben zudem gezeigt, dass die LPT-Plattform im Tiermodell eine anhaltende Wirkstofffreisetzung erzielt — ein Baustein, der künftige Studien am Menschen absichern könnte.
Das bärische Szenario: Biotech-Verbrennungsrate und volatile Aktionärsbasis
Der Übergang von Tierstudien zur Wirksamkeit beim Menschen bleibt ungewiss. Positive Ergebnisse bei Hunden im Bereich Schmerzmanagement garantieren keinen Erfolg in klinischen Studien am Menschen. Die Pharmasparte erzielt bislang keine Umsätze — das Unternehmen bleibt also auf sein „Wellness-zu-Pharma“-Modell angewiesen, um die Forschungskosten zu decken.
Stockt das Wachstum der Marke Valitic oder steigen die Marketingkosten im hart umkämpften US-Hautpflegemarkt, könnte InnoCan zusätzliches Fremd- oder Eigenkapital brauchen. Ein Beispiel dafür gibt es bereits: Großaktionär Tamar Innovest hat dem Unternehmen kürzlich eine nicht wandelbare Anleihe zur Verfügung gestellt.
Hinzu kommt die Struktur der Aktionärsbasis. Rund 82,99 Prozent der Anteile liegen bei Privatanlegern — ein Umfeld, das schon bei kleineren Nachrichten zu heftigen Kursausschlägen führen kann. Die Verschiebung des US-Börsengangs nimmt der Aktie zudem einen Katalysator, auf den viele Anleger gesetzt hatten. Bleiben operative Meilensteine aus, drohen eine längere Seitwärtsphase oder weiterer Abwärtsdruck.
Ausblick: Zwei Wege ab dem 17. August
Wird die Umbenennung angenommen und hält die Wellness-Sparte ihre hohen Margen, spricht mehr für eine schrittweise Annäherung an institutionelle Standards. Das könnte langfristig den Weg für einen neuen Anlauf beim US-Listing ebnen. Scheitert die Abstimmung dagegen, oder verlangsamt sich das Umsatzwachstum in den kommenden Quartalen, dürfte die Aktie unter Druck bleiben.
Am Freitag, den 7. August 2026, schloss die Aktie in Hamburg bei 1,50 Euro, ein Plus von 1,69 Prozent zum Vortag. Die Schwankungsbreite der letzten zwölf Monate reicht von 1,335 Euro bis 12,48 Euro — ein Abstand, der die hohe Volatilität des Titels deutlich macht.
Der 17. August markiert damit die nächste konkrete Weggabelung. Bestätigen die Aktionäre den Namenswechsel und bleibt die Bruttomarge der Wellness-Sparte stabil über 89 Prozent, dürfte das als Signal für institutionelle Reife gewertet werden. Bleibt die Zustimmung aus oder flacht das sequenzielle Umsatzwachstum ab, verliert die Aktie einen ihrer wenigen verbliebenen kurzfristigen Kurstreiber.
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