Intel hat mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen der Wall Street deutlich übertroffen und damit die stärkste Kursreaktion seit Monaten ausgelöst. Die Aktie sprang am Mittwoch um 10,84 Prozent auf 100,86 US-Dollar, der Marktwert legte um rund 50 Milliarden Dollar zu. Im deutschen Handel schloss das Papier am selben Tag bei 87,40 Euro, nahezu unverändert zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 10,58 Prozent – ein deutliches Signal dafür, wie stark die Zahlen den Kurs zuletzt getrieben haben.

Umsatz übertrifft Erwartungen deutlich

Im zweiten Quartal erzielte Intel einen Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar, ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr und rund 1,7 Milliarden Dollar über den Markterwartungen. Der Gewinn je Aktie lag bei 0,42 Dollar. Besonders das Geschäft mit Rechenzentren und Künstlicher Intelligenz zog kräftig an: Der Umsatz in diesem Segment stieg um 59 Prozent auf 6,3 Milliarden Dollar. Auch die Auftragsfertigung Intel Foundry wuchs spürbar, um 31 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar. Der operative Verlust dieses Bereichs schrumpfte auf 2,1 Milliarden Dollar, nach 3,17 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal – ein Fortschritt, der bei Anlegern gut ankam.

Ein genauerer Blick relativiert die Euphorie allerdings. Von den 5,8 Milliarden Dollar Foundry-Umsatz stammten lediglich 293 Millionen Dollar von externen Kunden, also gerade 5,1 Prozent des Segments. Intel bleibt damit vorerst weitgehend Kunde seiner eigenen Fertigung. Auch bei der Profitabilität zeigt sich der Abstand zur Konkurrenz: Die GAAP-Bruttomarge lag bei 40,4 Prozent, während Konkurrent AMD auf 54 Prozent kommt. Bei der operativen Marge steht es 11,1 zu 17 Prozent zugunsten von AMD. Für das laufende Jahr plant Intel Investitionen von 20 Milliarden Dollar, vor allem in den Ausbau der Fertigungskapazitäten.

Analysten bleiben zurückhaltend optimistisch

Der Analystenkonsens von FactSet sieht ein durchschnittliches Kursziel von 118 US-Dollar für die Intel-Aktie, das wäre ein deutliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem Kursniveau vom Mittwoch. Von den erfassten Analysten empfehlen aktuell sieben die Aktie zum Kauf, 24 stufen sie neutral ein, zwei raten zum Verkauf – ein Bild, das trotz der starken Zahlen von Skepsis gegenüber der Foundry-Strategie geprägt ist. Der nächste wichtige Termin für Anleger ist die Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal Ende Oktober.

Parallel zu den Quartalszahlen meldete Intel Fortschritte bei der technologischen Basis seiner Foundry-Sparte. Der Chipdesign-Spezialist Cadence baut seine Zusammenarbeit mit Intel Foundry für den kommenden 14A-Fertigungsprozess aus. Ziel der sogenannten DTCO-Kooperation ist eine bessere Abstimmung von Design und Fertigungstechnologie, optimierte Chip-Designs für Hochleistungsanwendungen sowie mobile Low-Power-Geräte und der Einsatz KI-gestützter Design-Werkzeuge, um Entwicklungsrisiken zu senken. Für Intel ist das ein weiteres Signal, dass externe Partner zumindest auf technologischer Ebene Vertrauen in die kommende Prozessgeneration setzen – auch wenn sich das bislang kaum in nennenswerten Auftragsvolumina externer Kunden niederschlägt.

Charttechnisch noch Luft nach oben

Trotz der jüngsten Rally bleibt die Aktie von ihrem 52-Wochen-Hoch entfernt: Der Abstand beträgt aktuell 29,84 Prozent. Der Kurssprung der vergangenen Woche hat zwar frischen Schwung gebracht, doch die Bewertung dürfte in den kommenden Monaten weiter stark von der Frage abhängen, ob Intel Foundry echte externe Großkunden gewinnen kann. Bis zu den nächsten Quartalszahlen im Oktober bleibt das der zentrale Prüfstein für die weitere Kursentwicklung.