Intel meldet ein Quartal mit starkem Wachstum. Der Kurs fällt trotzdem seit Wochen. Diese Diskrepanz treibt die Aktie derzeit an der Börse um.

Am Montag verliert das Papier weitere 1,17 Prozent auf 77,50 Euro. Über die vergangenen 30 Tage summiert sich der Rückgang auf fast 29 Prozent. Der Relative-Stärke-Index steht bei 38,5 — ein Hinweis darauf, dass die Aktie nach dem massiven Kursanstieg der letzten Monate nun deutlich zurückgesetzt hat.

Starke Zahlen, aber ein Milliardenverlust

Die Zahlen für das zweite Quartal 2026 zeigen zunächst ein klares Bild operativer Stärke. Intel erzielt einen Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar. Das sind 25 Prozent mehr als im Vorjahr und deutlich über den erwarteten rund 14,4 Milliarden Dollar.

Treiber ist das Geschäft mit Rechenzentren und KI-Chips. Die Sparte Data Center and AI steigert ihren Umsatz um 59 Prozent auf 6,3 Milliarden Dollar.

Unter dem Strich weist Intel dennoch einen GAAP-Nettoverlust von 11 Milliarden Dollar aus. Das Management führt das auf eine einmalige, zahlungsunwirksame Bilanzbelastung von 12,5 Milliarden Dollar im Zusammenhang mit hinterlegten Aktien zurück. Der bereinigte Gewinn pro Aktie liegt bei 0,42 Dollar — fast doppelt so hoch wie die erwarteten 0,22 Dollar.

Anleger blicken trotzdem auf die wachsende Lücke zwischen bereinigtem Gewinn und ausgewiesenem Verlust. Genau diese Lücke sorgt für Verunsicherung am Markt.

Stellenabbau trifft auf steigende Investitionen

Intel treibt unter CEO Lip-Bu Tan, der die Führung im März 2025 übernahm, sein Sparprogramm weiter voran. Ab dem 15. August 2026 greift eine neue Kündigungswelle. Betroffen sind 103 Stellen in vier Standorten in Santa Clara, konzentriert auf die Sparte Data Center and AI.

Der Personalabbau steht im Widerspruch zu einer anderen Zahl: Intel erhöht seinen Investitionsausblick für 2026 auf über 20 Milliarden Dollar. Das Geld fließt vor allem in neue Fertigungstechnologien wie die Chipknoten 18A und 14A.

Kurz gesagt: Intel spart beim Personal und investiert gleichzeitig massiv in neue Fabriken. Diese Kombination aus steigenden Ausgaben für Anlagen und Reinräume nährt bei Investoren Zweifel am kurzfristigen freien Cashflow.

Sektorweite Neubewertung von KI-Hardware

Marktbeobachter ordnen den jüngsten Ausverkauf als Teil einer breiteren Bewegung ein. Der gesamte Sektor der KI-Hardware-Anbieter wird derzeit neu bewertet. Anleger verlangen zunehmend belastbare Nachweise dafür, dass sich die enormen Investitionen in Kapazitäten tatsächlich auszahlen.

Für das dritte Quartal 2026 rechnet Intel mit einem Umsatz zwischen 15,8 und 16,8 Milliarden Dollar. Die bereinigte Bruttomarge soll bei etwa 42 Prozent liegen. Parallel dazu vertieft der Konzern seine Partnerschaft mit Synopsys: Beide Unternehmen haben KI-gestützte Design-Prozesse für die 14A-Fertigungstechnologie zertifiziert.

Der Aktienkurs bleibt trotz der aktuellen Schwäche weit über dem Niveau vor einem Jahr — seit Jahresbeginn steht ein Plus von fast 147 Prozent. Ob die Zertifizierung mit Synopsys und die für Q3 avisierten Umsatzzahlen reichen, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, entscheidet sich mit den nächsten Quartalszahlen.