Intel hat am Dienstag mit Quartalszahlen aufgewartet, die selbst optimistische Analysten überrascht haben. Der Chiphersteller meldete einen Umsatz von 16,13 Milliarden Dollar für das zweite Quartal 2026, ein Plus von 25,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn je Aktie kletterte auf 0,42 Dollar und übertraf die Konsensschätzung von 0,21 Dollar damit deutlich. Besonders das Data-Center- und KI-Geschäft zog kräftig an: Hier verzeichnete Intel ein Umsatzplus von 59 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz zwischen 15,8 und 16,8 Milliarden Dollar in Aussicht, bei einem erwarteten Gewinn je Aktie von 0,38 Dollar.

Starke Zahlen, starke Kursreaktion

Die Börse reagierte prompt: An der Nasdaq schoss die Intel-Aktie am Dienstag zeitweise um mehr als zehn Prozent nach oben und näherte sich der Marke von 101 Dollar. Im deutschen Handel schloss das Papier gestern bei 87,52 Euro, ein Tagesplus von 10,76 Prozent. Auf Wochensicht summiert sich der Anstieg mittlerweile auf 22,30 Prozent. Trotz der jüngsten Dynamik bleibt die Aktie aber noch 29,75 Prozent von ihrem 52-Wochen-Hoch entfernt – die Erholung ist beeindruckend, aber der alte Höchststand liegt weiterhin ein gutes Stück entfernt.

Der Kurssprung fiel in einen Tag, an dem die gesamte Chipbranche kräftig zulegte. Der Philadelphia Semiconductor Index gewann rund 6,5 Prozent, nachdem der Sektor im Juli noch seinen schlechtesten Monat seit Oktober 2008 hinter sich gebracht hatte. Auch Konkurrent AMD lieferte Zahlen: Der Umsatz stieg um 50 Prozent auf 11,5 Milliarden Dollar, das Datencenter-Geschäft verdoppelte sich nahezu auf 6,7 Milliarden Dollar. Die AMD-Aktie fiel nachbörslich trotzdem, weil Anleger nach der starken Rally im Vorfeld noch mehr erwartet hatten – ein Kontrast, der Intels Zahlenwerk zusätzlich glänzen ließ.

Wall Street reagiert gespalten

Nicht alle Analysten zogen sofort begeistert mit. Susquehanna-Analyst Christopher Rolland hatte sein Kursziel bereits vor den Zahlen von 80 auf 115 Dollar angehoben und verwies auf eine starke Nachfrage nach Server-Prozessoren, warnte zugleich aber vor einer PC-Produktion, die in der zweiten Jahreshälfte unter dem saisonalen Niveau bleiben dürfte. Trotz dieser Anhebung war die Aktie im vorbörslichen Handel zunächst um 3,4 Prozent gefallen, bevor die Zahlen die Stimmung drehten.

Der Analystenkonsens aus 50 Häusern steht aktuell auf „Halten“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 109,07 Dollar. Die Bandbreite der Einschätzungen ist jedoch groß: Bank of America sieht die Aktie bei 160 Dollar und votiert für „Kaufen“, während Evercore mit 95 Dollar deutlich zurückhaltender bleibt. Baird liegt mit 125 Dollar dazwischen. Insgesamt verteilen sich die Voten auf eine Kaufempfehlung, 15 Buy-Ratings, 30 Hold-Einstufungen und drei Verkaufsempfehlungen.

Fortschritte in der Fertigung stützen die Story

Neben den Finanzzahlen lieferte Intel am selben Tag auch operative Fortschritte. Die neue Fabrik in Ohio auf einem rund 1.000 Acres großen Gelände soll bis 2031 vollständig betriebsbereit sein und dann die Prozesstechnologien 18A und 14A produzieren. Bei der Verpackungstechnologie EMIB-T meldete Intel eine Ausbeute von rund 90 Prozent, die Massenproduktion soll 2027 starten. Die Kosten sollen dabei rund die Hälfte unter dem konkurrierenden CoWoS-L-Verfahren von TSMC liegen. Nach Angaben aus der Branche zeigen bereits Google, Amazon und Nvidia Interesse an der Technologie – ein Signal, dass Intels Foundry-Sparte im Wettlauf um KI-Packaging Boden gutmacht, auch wenn die externen Foundry-Einnahmen mit 293 Millionen Dollar im Quartal noch überschaubar bleiben. Zusätzlich räumte Intel dem Start-up RosaicLabs seltenen Zugang zu seinem Atom-Prozessorcode ein, was dem jungen Unternehmen erlaubt, eigene Low-Power-Chips auf x86-Basis zu entwerfen.

Bewertung bleibt umstritten

Wie teuer die Aktie nach dem Kurssprung tatsächlich ist, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Die Analyseplattform Simply Wall St kommt je nach Modell zu höchst unterschiedlichen Ergebnissen: Ein Nutzer-Narrativ hält einen fairen Wert von 500,93 Dollar für gerechtfertigt, während ein klassisches DCF-Modell die Aktie bei 88,43 Dollar bereits als überbewertet einstuft. Gleichzeitig weist die Plattform auf einen Nettoverlust von 11,29 Milliarden Dollar hin. Für Anleger bleibt damit die Frage entscheidend, ob die operativen Fortschritte in Fertigung und Packaging schneller in profitables Wachstum münden, als es die aktuellen Verlustzahlen nahelegen. Als weiteres Risiko notierten Beobachter Insiderverkäufe von 6,5 Millionen Dollar innerhalb der vergangenen drei Monate – ein Detail, das die Rally zumindest nicht ungetrübt erscheinen lässt.