Im Prozessormarkt formiert sich massiver Widerstand gegen Intel. Ausgerechnet jetzt erhöht der Chipriese die Preise für seine gefragtesten Modelle. Eine riskante Strategie. Parallel dazu greift AMD einen zentralen Architektur-Vorteil von Intel an.

AMD attackiert den Kernvorteil

Lange Zeit genoss Intel ein klares Alleinstellungsmerkmal. Das Unternehmen kombinierte Hochleistungs-, Effizienz- und Niedrigstromkerne auf einem Chip. Das entlastete das System und schonte den Akku von Laptops. Jetzt schließt AMD diese Lücke.

Ein aktueller Patch für den Linux-Kernel verrät die Pläne. AMD integriert in seine kommende Zen-6-Architektur ebenfalls dezidierte Niedrigstromkerne. Die Börse reagierte am Donnerstag prompt mit einem Kursabschlag von fast 5,5 Prozent für Intel.

Zur Unzeit hebt das Management die eigenen Preise an. Beliebte Chips der „Core Ultra Plus“-Serie kosten künftig bis zu 50 US-Dollar mehr. Höhere Kosten für Prozessoren treffen auf preissensible Konsumenten. Das gefährdet direkt die künftigen Absatzzahlen.

Beeindruckende Rallye trifft auf Realität

Trotz der jüngsten Turbulenzen blickt die Intel-Aktie auf ein historisches Jahr zurück. Seit Januar steht ein Plus von 224 Prozent auf der Anzeigetafel. Am 30. Juni markierte das Papier ein 52-Wochen-Hoch bei 124,58 Euro.

Zuletzt kühlte die Begeisterung im Zuge eines schwächeren Chipsektors etwas ab. Am Freitag ging die Aktie bei 109,10 Euro aus dem Handel. Damit notiert der Titel weiterhin über der wichtigen 50-Tage-Linie von 100,42 Euro.

Die Milliardenwette auf externe Fertigung

Die hohe Bewertung stützt sich fast vollständig auf Intels Umbau zum Auftragsfertiger. Der US-Staat stieg im August mit 8,9 Milliarden US-Dollar ein. Nvidia folgte im Dezember mit einer Investition von fünf Milliarden US-Dollar. Der Kaufpreis lag bei exakt 23,28 US-Dollar je Aktie.

Das Auftragsgeschäft wächst, liefert aber bisher kaum Umsätze mit externen Kunden. Im ersten Quartal lagen diese Erlöse bei mageren 174 Millionen US-Dollar. Dem steht ein operativer Verlust der Foundry-Sparte von 2,4 Milliarden US-Dollar gegenüber.

Am 23. Juli 2026 muss der Vorstand neue Fakten liefern. Nach US-Börsenschluss veröffentlicht Intel die Zahlen für das zweite Quartal. Um eine Marktkapitalisierung von 638 Milliarden US-Dollar zu rechtfertigen, muss das externe Foundry-Geschäft massiv wachsen. Verfehlt das Unternehmen diese Erwartungen, droht eine scharfe Neubewertung der Aktie.