Intel-Aktien geraten weiter unter Druck. Die Bank JPMorgan hat den Chiphersteller zu einer ihrer aussichtsreichsten Short-Wetten für das dritte Quartal erklärt. Der Kurs sitzt nun rund ein Viertel unter seinem jüngsten Rekordhoch.
JPMorgan zweifelt an der Bewertung
In ihrem aktuellen Bericht zu den vielversprechendsten Short-Ideen listet JPMorgan Intel unter den Top-Kandidaten für Leerverkäufe. Analyst Harlan Sur vergibt für den Titel ein „Underweight“-Rating.
Der Kern der Kritik: Die Kurslücke zwischen Intels Aktienperformance und der tatsächlichen Geschäftsentwicklung. Die Aktie hat sich in diesem Jahr mehr als verdoppelt. Investoren setzen darauf, dass Intel seine Fertigungsstärke zurückgewinnt und zum großen KI-Gewinner wird.
JPMorgan sieht das anders. Nach Einschätzung der Bank preist der Markt eine Wende ein, die noch längst nicht bewiesen ist. Das Foundry-Geschäft erzielt laut JPMorgan bislang nur minimale Umsätze mit externen Kunden. Die Margen bleiben deutlich negativ, eine breite Kundenbasis von Drittanbietern fehlt weiterhin. Parallel dazu verlieren die klassischen Prozessor-Sparten für PCs und Server weiter Marktanteile.
Auf der gleichen Short-Liste finden sich auch Moderna, Avis Budget Group, der KI-Infrastrukturanbieter IREN und Website-Baukasten Wix.com.
Kurs rutscht weiter ab
Die Zahlen unterstreichen den Abwärtstrend. Intel notiert aktuell bei 93,25 Euro, ein Tagesminus von 3,13 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 12,70 Prozent, auf Monatssicht von 13,38 Prozent zu Buche.
Damit liegt die Aktie 25,15 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 124,58 Euro, erreicht am 30. Juni. Der Kurs bewegt sich klar unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 103,06 Euro. Der 14-Tage-RSI von 40,7 signalisiert nachlassende Dynamik, ohne bereits überverkauftes Terrain zu erreichen.
Trotz der Korrektur bleibt die Jahresbilanz beeindruckend. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 177,49 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von 366,86 Prozent.
Nicht alle sehen Intel skeptisch
JPMorgans Einschätzung steht im Widerspruch zu deutlich optimistischeren Stimmen. HSBC-Analyst Frank Lee verdoppelte sein Kursziel am 2. Juli auf 200 Dollar. Seine These stützt sich auf ein erwartetes Wachstum bei Server-CPU-Lieferungen von 25 Prozent für 2026 und 30 Prozent für 2027.
Zusätzlich nimmt Lee erstmals die Foundry-Sparte formal in sein Bewertungsmodell auf. Seine Schätzung für die Daten-Center- und KI-Umsätze 2027 liegt rund 20 Prozent über dem Marktkonsens.
Auch Wells Fargo blickt konstruktiv auf die kommenden Quartalszahlen. Analyst Aaron Rakers, einer der bestplatzierten Analysten an der Wall Street, erwartet ein „starkes Update bei Server-CPUs“. Er verweist auf robuste Nachfrage und wachsende Lieferkapazitäten. Entscheidend bleibt für ihn die Foundry-Ausführung: Investoren achten auf Fortschritte bei den 18A-Ausbeuten, den Zeitplan für 18A-P und mögliche Kundengewinne im 14A-Segment jenseits der Terafab-Lizenzierung.
Der 23. Juli wird zum Prüfstein
Intel meldet seine Quartalszahlen für das zweite Quartal am Donnerstag, den 23. Juli 2026, nach Börsenschluss. Dieser Termin dürfte zeigen, ob die Foundry-Ambitionen und die KI-getriebene Servernachfrage den kräftigen Kursanstieg rechtfertigen. Oder ob JPMorgans Skepsis über das Tempo der Umsetzung näher an der Realität liegt.
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