Selten klaffen Optimismus und Nervosität bei einer Aktie so weit auseinander wie gerade bei Intel. Während HSBC das Kursziel auf 200 Dollar mehr als verdoppelt, rutscht die Aktie im US-Handel vorbörslich um über neun Prozent ab. Ausgelöst hat den Rücksetzer nicht Intel selbst, sondern ein Bericht über Facebook-Mutter Meta.
HSBC nimmt Intel Foundry in die Bewertung auf
HSBC-Analyst Frank Lee hebt das Kursziel von 100 auf 200 Dollar an und bestätigt die Kaufempfehlung. Neu ist vor allem die Begründung: Erstmals fließt das Foundry-Geschäft in das Bewertungsmodell ein, nachdem sich Kapazitätsengpässe in der Auftragsfertigung bestätigt haben und externe Kunden zunehmend Interesse zeigen. Lee rechnet ab der zweiten Jahreshälfte 2026 mit ersten festen Design-Zusagen.
Für das laufende Jahr hebt HSBC die Wachstumsschätzung für Server-CPUs auf 25 Prozent an und beziffert das Umsatzpotenzial im Rechenzentrums- und KI-Geschäft auf 24,1 Milliarden Dollar – vier Prozent über dem Marktkonsens. Für 2027 traut die Bank Intel sogar 30 Prozent Wachstum zu, getrieben vom Hochlauf der 18A-Fertigungstechnologie. Das Umsatzziel für 2027 liegt bei 33 Milliarden Dollar, ein Fünftel über den Schätzungen anderer Häuser.
Auch andere Analysten sehen zunehmend Potenzial: Cantor Fitzgerald hob sein Kursziel auf 150 Dollar an, Mizuho auf 135 Dollar – beide verweisen auf Fortschritte im Compute- und Packaging-Geschäft. Intel hat inzwischen mit Seok-Hee Lee einen neuen Executive Vice President für Intel Foundry berufen, der fortschrittliches Packaging künftig als eigene Geschäftseinheit führt.
Meta-Bericht bremst die Chip-Rally
Der frische Analystenoptimismus trifft auf eine deutlich nervösere Marktstimmung. Ein Bericht, wonach Meta überschüssige Rechenkapazitäten an externe Firmen verkaufen könnte, schürt Sorgen, dass große Tech-Konzerne ihre KI-Investitionen zurückfahren könnten. Die Folge: Ein breiter Ausverkauf bei Chipwerten, der Intel im vorbörslichen Handel um rund neun Prozent nach unten zog – auch Micron, Western Digital, Marvell und AMD gaben deutlich nach.
Der Halbleiterindex Philadelphia SE, in dem auch Intel notiert, hatte im ersten Halbjahr 2026 rund 94 Prozent zugelegt. Der aktuelle Rücksetzer zeigt, wie schnell diese Rally ins Wanken gerät, sobald Zweifel an der Investitionsbereitschaft der Hyperscaler aufkommen.
Analysten erwarten für Intel in diesem Jahr erstmals wieder einen Gewinn je Aktie von 1,12 Dollar. Ob die optimistischen Server- und Foundry-Prognosen von HSBC tragfähig sind, dürfte sich zeigen, sobald ab der zweiten Jahreshälfte 2026 die ersten konkreten Design-Zusagen externer Kunden vorliegen.
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