Intel hat am Donnerstag ein neues Ausbildungsprogramm für den Halbleitersektor angekündigt. Das „Semiconductor Education Pathways Program“ (SEPP) soll Bildungswege vom Grundschulalter bis zur Hochschulreife in vier US-Bundesstaaten fördern: Arizona, New Mexico, Ohio und Oregon. Geplant sind Stipendien für Hochschulabsolventen, die Entwicklung neuer Lehrpläne sowie Fortbildungen für Lehrkräfte. Der Konzern begründet die Initiative mit dem eigenen Engagement für den Aufbau von Fachkräften in der Chipindustrie – just in jenen Bundesstaaten, in denen Intel seine wichtigsten Fertigungsstandorte betreibt.

Analysten zwischen Skepsis und langfristiger Kursfantasie

Die Investmentbank Daiwa hat ihre Einstufung für Intel zuletzt auf „Hold“ zurückgenommen. Der durchschnittliche Analystenkonsens liegt derzeit ebenfalls bei „Hold“, mit einem Kursziel von 107,93 US-Dollar. Damit bleibt die Stimmung unter den Beobachtern verhalten, obwohl Intel vor rund zwei Wochen mit einem Umsatzsprung von 25,2 Prozent auf 16,13 Milliarden Dollar und einer deutlich verbesserten operativen Marge überrascht hatte. Eine Analyse zur Bewertung des Konzerns sieht demgegenüber deutlich mehr Potenzial und nennt ein Kursziel von 199 Dollar bis Ende des Jahrzehnts – ein möglicher Hinweis darauf, wie unterschiedlich die Erwartungen an den laufenden Konzernumbau derzeit ausfallen.

Hinter der vorsichtigen Haltung mancher Analysten steht die Frage, ob sich der eingeschlagene Kurs des Konzerns tatsächlich verstetigt. Ein Kommentar von Seeking Alpha beschreibt den Umbau als in eine „neue Phase“ eingetreten: Das Umsatzwachstum sei das stärkste seit über 15 Jahren, die Verluste im Foundry-Geschäft würden sich verringern, und beim 18A-Fertigungsprozess mache Intel Fortschritte. Solche Fortschritte allein überzeugen die vorsichtigeren Häuser aber offenbar noch nicht, während optimistischere Stimmen bereits deutlich höhere Kursziele ausrufen.

SoftBank profitiert kräftig von der Kursrally

Die Kursentwicklung der vergangenen Monate hat auch Intels Investoren spürbar begünstigt. SoftBank wies für das erste Quartal bis Ende Juni einen Investitionsgewinn von 1,86 Billionen Yen aus, wovon rund 1,3 Billionen Yen – umgerechnet etwa 8,2 Milliarden Dollar – allein auf die eigene Intel-Beteiligung entfielen. SoftBank war im Zuge einer zwei Milliarden Dollar schweren Investition zu einem Einstiegskurs von 23 Dollar je Aktie bei Intel eingestiegen. Der japanische Konzern konnte mit diesem Gewinn einen um 18 Prozent gesunkenen Nettogewinn noch über die Erwartungen der Analysten heben.

Kursbild bleibt volatil

Im deutschen Handel schloss die Intel-Aktie am Donnerstag bei 86,85 Euro, ein Minus von 0,64 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Plus von 411,06 Prozent zu Buche – Ausdruck der außergewöhnlichen Rally, von der auch SoftBank profitiert hat. Zum 52-Wochen-Hoch beträgt der Abstand aktuell 30,29 Prozent, was zeigt, dass sich der Kurs nach dem jüngsten Höhenflug wieder etwas von seinen Spitzenwerten entfernt hat.

Für Anleger bleibt die Gemengelage damit zweigeteilt: Operativ zeigt Intel mit dem SEPP-Programm und den Fortschritten in der Fertigung, dass der Konzernumbau strukturell vorankommt. An der Börse spiegelt sich diese Entwicklung bislang in geteilten Einschätzungen wider – zwischen einer vorsichtigen Konsensmeinung und deutlich optimistischeren Einzelstimmen, die auf eine noch nicht abgeschlossene Neubewertung des Papiers setzen.