Intel-Aktien fielen am Freitag um 2,23 Prozent auf 96,26 Euro. Binnen einer Woche verlor das Papier fast 12 Prozent. Der Grund: Chiphersteller gerieten unter Druck, während Anleger auf die Quartalszahlen des Konzerns warten.

Trotz des Rückschlags bleibt die Jahresbilanz beeindruckend. Seit Januar hat die Aktie 186,45 Prozent zugelegt, auf Sicht von zwölf Monaten sogar 372,67 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 124,58 Euro, erreicht Ende Juni, trennen das Papier inzwischen aber 22,73 Prozent.

Stifel sieht mehr Potenzial, Wells Fargo bremst

Die Meinungen der Analysten gehen deutlich auseinander. Stifel-Analyst Ruben Roy hob sein Kursziel am 10. Juli von 75 auf 120 Dollar an. Die Einstufung „Hold“ behält er trotzdem bei.

Roy sieht den kurzfristigen Kursverlauf an zwei Faktoren hängen: Nachfragesignale bei Server-CPUs und Lieferfähigkeit bei Grafikchips. Seine Einschätzung: Ausschlaggebend werden Kommentare zu Durchschnittspreisen und Volumina bei Server-Prozessoren sein, ergänzt durch Aussagen zu Ausbeuten und Stückzahlen im GPU-Geschäft. Diese Angaben liefern laut Stifel wichtige Hinweise für die Fortschritte in der Chipfertigung. Der Turnaround laufe bereits, Margen und Gewinne dürften in den kommenden Quartalen weniger Druck spüren.

Wells Fargo-Analyst Aaron Rakers bleibt vorsichtiger. Er hält an seiner neutralen Einstufung fest und setzt das Kursziel bei 110 Dollar an – nur 0,78 Prozent über dem aktuellen Niveau. Vor den Zahlen erwartet er dennoch ein „starkes Server-CPU-Update“, getragen von robuster Nachfrage und wachsender Lieferverfügbarkeit.

Foundry-Geschäft bleibt der Knackpunkt

Rakers nennt konkrete Meilensteine, die Anleger im Blick behalten sollten. Der Hochlauf des 18A-Prozesses für die Panther-Lake-Chips könnte zusätzliche Kapazitäten bei den älteren Intel-7- und Intel-10-Fertigungslinien für Server-Produkte freisetzen. Positiv wertet er den vorgezogenen Start von Coral Rapids auf Mitte 2027 – während das Diamond-Rapids-Projekt an Priorität zu verlieren scheint.

Bei aller Skepsis bleibt Rakers ein klarer Punkt wichtig: Er erwartet weiterhin, dass AMD Intel im Server-CPU-Geschäft übertrifft.

Auf der Fertigungsseite zählt vor allem, ob Intel externe Kunden gewinnt. Anleger achten auf Fortschritte bei den 18A-Ausbeuten, den Zeitplan für 18A-P sowie mögliche Kundengewinne für den 14A-Prozess jenseits der bestehenden Terafab-Lizenz. Die Veröffentlichung des 14A-PDK-v0.9 im Herbst gilt als „wichtiger Meilenstein“ für die Kundenentwicklung – die eigentliche Risikoproduktion bei 14A bleibt aber eine Geschichte für 2028.

Die Analystenschar spaltet sich

Insgesamt bewerten zwei Analysten die Aktie mit „Strong Buy“, 15 mit „Buy“, 28 mit „Hold“ und vier mit „Sell“. Im Schnitt ergibt das die Einstufung „Hold“ bei einem Kursziel-Konsens von 97,88 Dollar.

Auch andere Häuser positionieren sich unterschiedlich: Morgan Stanley stufte die Aktie im Juni von „Overweight“ auf „Underweight“ herab. Barclays erhöhte sein Kursziel von 65 auf 100 Dollar bei neutraler Einstufung. Oppenheimer nahm die Coverage neu auf – mit „Outperform“.

Quartalszahlen am 23. Juli als nächster Prüfstein

Intel bestätigte den Termin für die Zahlen zum zweiten Quartal: Donnerstag, der 23. Juli 2026, direkt nach Börsenschluss. Vorausgegangen war eine turbulente Phase – Anfang Juli fiel die Aktie deutlich, belastet von Sorgen um die Fertigungspläne und einen breiteren Ausverkauf in der Chipbranche. Zuletzt stabilisierte sich der Kurs teilweise wieder.

Der Analystenkonsens rechnet mit einem Gewinn je Aktie von 19 Cent bei einem Quartalsumsatz von 14,40 Milliarden Dollar. Anleger dürften die Ergebnisse vor allem auf zwei Dinge abklopfen: das Tempo des Foundry-Hochlaufs und die Preisentwicklung im Kerngeschäft mit Prozessoren. Wie weit die Kursziele zwischen Stifel und Wells Fargo auseinanderliegen, zeigt dabei, wie viel vom Management-Kommentar während der Telefonkonferenz abhängt.