Ausgangslage: Nach der Rally kommt die Ernüchterung

Die Intel-Aktie verliert am heutigen Mittwoch 3,02 Prozent und notiert bei 84,88 Euro. Damit gibt das Papier einen Teil der Erholung der vergangenen Woche ab, in der es um 18,61 Prozent zugelegt hatte. Auf Monatssicht bleibt dennoch ein Minus von 20,54 Prozent stehen – ein Beleg dafür, wie volatil die Lage bei Intel derzeit ist. Aktuell notiert der Kurs 12,80 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt, was auf eine noch fragile mittelfristige Erholung hindeutet.

Der Grund für die Nervosität liegt tiefer als im Tagesgeschehen: Intel steckt mitten in einem Umbau, der Kosten, Personal und das Geschäftsmodell selbst betrifft. Gleichzeitig verdichten sich die operativen Nachrichten – von einer neuen Packaging-Allianz mit dem chinesischen Glasspezialisten Lens Technology bis zu einer Restaurierung des Foundry-Ökosystems mit Synopsys. Für Anleger stellt sich damit eine grundsätzliche Frage: Trägt das Foundry-Geschäft den Konzern in eine neue Wachstumsphase, oder bleibt es ein Kostenblock, der die operative Erholung im übrigen Geschäft aufzehrt?

Die entscheidende Frage: Wird Intel Foundry profitabel?

Die Quartalszahlen vom 23. Juli liefern das Kernbild. Intel meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 16,13 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die eigene Prognose um 1,8 Milliarden Dollar. Das Data-Center- und KI-Segment wuchs um 59 Prozent auf 6,3 Milliarden Dollar – ein klares Signal, dass die Kerngeschäfte funktionieren. Die Foundry-Sparte legte im Umsatz um 31 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar zu, verbuchte aber einen operativen Verlust von 2,1 Milliarden Dollar. Genau in dieser Diskrepanz liegt die entscheidende Kennzahl für die kommenden Quartale: Kann Intel das Foundry-Wachstum in schwarze Zahlen überführen, bevor die Kapitalkosten das Unternehmen erdrücken? Für 2026 hat das Management Investitionen von mehr als 20 Milliarden Dollar bestätigt, während die Umsatzprognose für das dritte Quartal mit 15,8 bis 16,8 Milliarden Dollar nur moderates Wachstum signalisiert.

Bullisches Szenario: Der 14A-Prozess als Wendepunkt

Für Optimisten sprechen mehrere operative Fortschritte der vergangenen Wochen. Intel meldete am 24. Juli den Abschluss der ersten Phase mit Lens Technology zur Massenproduktion von Glassubstrat-Packaging, nachdem grundlegende Sprödigkeitsprobleme des Materials gelöst worden seien. Kurz zuvor hatte Synopsys seine Zusammenarbeit mit Intel Foundry ausgeweitet, um KI-gestützte Design-Flows für den 14A-Prozess zu zertifizieren – ein Schritt, der externe Kunden für die nächste Fertigungsgeneration gewinnen soll. Auch das im Juli abgeschlossene RAMP-C-Programm für die Secure-Enclave-Technologie im High-Performance-Computing zeigt, dass Intel erste Kundenengagements über validierte Prototypen hinaus vorantreibt. Sollte der für Oktober erwartete Intel-14A-Design-Kit in der Version 0.9 termingerecht erscheinen, gilt dies nach Einschätzung von Marktbeobachtern als möglicher Katalysator für neue externe Foundry-Aufträge. Bereits bestehende Partnerschaften mit Fortinet und Google Cloud sowie die Aufnahme in die OCUDU Ecosystem Foundation als Premier Member für offene RAN-Software und 5G/6G-Architekturen unterstreichen, dass Intel sein Ökosystem über den klassischen Chipverkauf hinaus verbreitert.

Bärisches Szenario: Restrukturierung ohne Ende

Die Kehrseite ist ebenso real. Intel hat Ende Juli den Abbau von 103 Stellen an vier Standorten in der Bay Area angekündigt, darunter im Robert-Noyce-Hauptgebäude – wirksam zum 15. August im Rahmen der Neuordnung der Data-Center- und KI-Sparte. Die Belegschaft ist inzwischen auf rund 81.000 Beschäftigte gesunken, gegenüber einem Höchststand von 132.000 im Jahr 2022. Ein derart tiefgreifender Personalabbau bei zugleich steigenden Investitionen von über 20 Milliarden Dollar erzeugt einen finanziellen Spagat, der die Margen weiter belasten kann. Genau hier setzt auch die skeptische Einschätzung von Rosenblatt an: Das Analystenhaus hob am Montag sein Kursziel zwar von 50 auf 65 US-Dollar an, beließ die Einstufung aber bei „Sell“ und begründete dies mit anhaltenden Zweifeln an der Profitabilität der Foundry-Sparte trotz des jüngsten Umsatzwachstums. Sollte sich der operative Verlust im Foundry-Geschäft in den kommenden Quartalen nicht spürbar verringern, dürfte der Druck auf die Aktie zunehmen – zumal die annualisierte Volatilität von 84,74 Prozent zeigt, wie nervös der Markt bereits reagiert.

Ausblick: Der Oktober-Termin als Prüfstein

Solange die Data-Center- und KI-Umsätze zweistellig wachsen und die Foundry-Verluste sich schrittweise verringern, bleibt das bullische Narrativ eines schrittweisen Turnarounds intakt. Kippt dagegen die Profitabilitätslücke in der Foundry-Sparte in den kommenden Quartalsberichten nicht, dürfte die Skepsis von Häusern wie Rosenblatt an Gewicht gewinnen und die Erholung der vergangenen Woche als Strohfeuer erscheinen lassen. Der nächste konkrete Prüfstein liegt im Oktober, wenn die Version 0.9 des 14A-Design-Kits erscheinen soll – ein Termin, an dem sich zeigen wird, ob externe Foundry-Kunden Intels neuestem Fertigungsprozess tatsächlich Vertrauen schenken.