Das Biotechnologie-Unternehmen Intellia Therapeutics hat einen klaren Zeitplan für den Eintritt in die kommerzielle Phase vorgelegt. Wie das Unternehmen gestern im Rahmen seiner Finanzergebnisse für das zweite Quartal 2026 mitteilte, wird der US-Marktstart des Hoffnungsträgers lonvo-z für die erste Jahreshälfte 2027 angestrebt. Voraussetzung hierfür ist die planmäßige Einreichung des Zulassungsantrags bei der US-Gesundheitsbehörde FDA, die für die zweite Hälfte des laufenden Jahres vorgesehen ist.

Kommerzialisierung von lonvo-z rückt näher

Die Zuversicht des Managements stützt sich auf klinische Daten der Phase-3-Studie HAELO. Diese Untersuchung ergab bei Patienten mit hereditärem Angioödem eine Reduktion der monatlichen Schwellungsattacken um durchschnittlich 87 Prozent im Vergleich zur Placebo-Gruppe. Besonders hervorzuheben ist, dass 62 Prozent der Probanden während des Beobachtungszeitraums vollständig beschwerdefrei blieben.

Sollte die Zulassung wie geplant erfolgen, markiert lonvo-z (lonvoguran ziclumeran) den Übergang von Intellia zu einem kommerziell aktiven Pharmaunternehmen. Parallel dazu treibt die Gesellschaft die Entwicklung von nex-z voran, einem weiteren Kandidaten für die Behandlung der ATTR-Amyloidose. Im abgelaufenen Quartal wurde die Rekrutierung für die Phase-3-Studien wieder aufgenommen, wobei der Abschluss der Patientenaufnahme für die Studie MAGNITUDE-2 noch in diesem Jahr erwartet wird.

Finanzielle Stabilität und operative Verluste

In finanzieller Hinsicht spiegelt der Quartalsbericht die hohen Investitionen in die klinische Forschung wider. Intellia verbuchte für das zweite Quartal 2026 einen Nettoverlust von 106,6 Millionen US-Dollar, was 0,80 US-Dollar je Aktie entspricht. Im Vorjahreszeitraum lag das Defizit bei 101,3 Millionen US-Dollar. Die Kooperationseinnahmen sanken im Jahresvergleich um 46 Prozent auf 7,7 Millionen US-Dollar, was primär auf geringere Zahlungen des Partners Regeneron zurückzuführen ist.

Trotz der Verluste verfügt das Unternehmen über ein solides finanzielles Polster. Zum 30. Juni 2026 beliefen sich die liquiden Mittel und marktgängigen Wertpapiere auf 628,4 Millionen US-Dollar. In diesem Betrag sind Nettoerlöse in Höhe von 195 Millionen US-Dollar aus einer jüngsten öffentlichen Aktienemission enthalten. Nach Einschätzung des Managements reicht diese Liquidität aus, um den operativen Betrieb bis in das Jahr 2028 zu finanzieren.

Neue Erkenntnisse zur Patientensicherheit bei nex-z

Am heutigen Freitag wurde zudem bekannt, dass Forscher einen spezifischen genetischen Marker identifiziert haben, der mit einem erhöhten Risiko für Leberwert-Erhöhungen bei der Behandlung mit nex-z (nexiguran ziclumeran) korreliert. Medienberichten zufolge handelt es sich um das HLA-Allel C05:01. Patienten mit diesem Marker zeigten in klinischen Studien häufiger relevante Anstiege der Transaminasen.

Das Unternehmen hat bereits reagiert und die klinischen Protokolle aktualisiert. Künftig ist eine entsprechende genetische Typisierung der Patienten vorgesehen, um die Sicherheit der Studienteilnehmer zu gewährleisten. Anleger reagierten dennoch positiv auf den Newsflow der letzten zwei Tage. Die Aktie von Intellia Therapeutics notiert heute bei 10,36 Euro, was einem Anstieg von 7,36 % entspricht. Damit verringerte das Papier seinen Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt auf nunmehr -2,88 %.

Analysten bewerten die Lage derweil differenziert. Die Experten von Wolfe Research stuften den Wert am 29. Juli auf „Underperform“ herab und nannten ein Kursziel von 9,00 US-Dollar. Zur Begründung hieß es, dass das lonvo-z-Programm allein einen fairen Wert von lediglich 4 bis 6 US-Dollar pro Aktie stütze, sofern man das nex-z-Programm aufgrund bestehender Unsicherheiten vorsichtiger bewertet.