Intuit-Aktien fallen am Freitag um 1,70 Prozent auf 237,05 Euro. Am Donnerstag hatte das Papier noch bei 241,15 Euro geschlossen. Der Softwarekonzern hinter TurboTax, QuickBooks, Credit Karma und Mailchimp steckt zwischen zwei gegensätzlichen Kräften fest: einer Bewertung, die nach Schnäppchen aussieht, und einer unbeantworteten Betrugsuntersuchung rund um sein wichtigstes Produkt.

Bewertungsmodelle sehen deutlichen Abschlag

Eine aktuelle Bewertungsanalyse vom 1. Juli zeigt das Ausmaß des Kurssturzes. Intuit-Aktien haben binnen zwölf Monaten 66,2 Prozent verloren. Diese Neubewertung rückt die Frage der Unterbewertung wieder in den Vordergrund.

Laut der Analyse gilt Intuit in fünf von sechs Bewertungstests als unterbewertet. Beim Kurs-Gewinn-Verhältnis fällt der Abstand besonders deutlich aus: Intuit handelt aktuell mit einem KGV von 15,6 – die Softwarebranche liegt im Schnitt bei 26,9, die direkte Vergleichsgruppe sogar bei 59,5.

Eine separate Discounted-Cashflow-Analyse vom selben Tag kommt zu einem ähnlich krassen Ergebnis. Der faire Wert liegt demnach bei 812,41 Dollar je Aktie, verglichen mit einem damaligen Kurs von 261,00 Dollar. Das entspricht einer Sicherheitsmarge von 63,8 Prozent. Die Analyse verweist zugleich auf den Kursverfall: minus 60,4 Prozent seit Jahresbeginn, minus 66,6 Prozent binnen eines Jahres.

Rechtsrisiko bleibt ungeklärt

Die Bewertungsdebatte wird durch eine laufende Aktionärsklage überschattet. Die Kanzlei Bleichmar Fonti & Auld bestätigte am 1. Juli erneut, dass sie Intuit wegen möglichen Wertpapierbetrugs nach dem starken Kursrutsch untersucht.

Im Zentrum steht die Preispositionierung von TurboTax gegenüber Konkurrenzprodukten für Steuererklärungen. Intuit hatte Investoren mitgeteilt, sich bereits „vor ein paar Jahren“ auf die Steuersaison 2026 vorbereitet zu haben. Das Unternehmen habe verstanden, was 2025 funktionierte: der niedrigste Preis im Vergleich zu Alternativen zu sein.

Zusätzlich erklärte Intuit, die Steuersaison 2026 sei „stark gestartet“, weil das Unternehmen bereit gewesen sei, den „besten Preis für unsere Kunden“ zu liefern. Genau diese Aussagen stehen nun im Zentrum der Ermittlungen. Die Bewertungsanalyse verknüpft das Rechtsrisiko direkt mit der Kursbildung: Umstrukturierung und KI-Investitionen könnten künftige Gewinne stützen, doch die Betrugsermittlungen rund um TurboTax und die Konkurrenz durch KI-Steuertools bleiben ein klares Risiko für die Bewertung der Aktie.

Kursverlauf spiegelt die Unsicherheit

Der Freitagskurs liegt rund 15,7 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 281,06 Euro. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 428,26 Euro beträgt der Abstand sogar 44,7 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 706,80 Euro, erreicht Ende Juli 2025, trennen die Aktie noch immer 66,5 Prozent.

Näher liegt das 52-Wochen-Tief: Bei 221,50 Euro, aufgestellt am 22. Juni, notiert der aktuelle Kurs nur gut 7 Prozent darüber. Ein RSI von 42,4 auf 14-Tage-Basis deutet weder auf überkaufte noch überverkaufte Bedingungen hin. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 52,82 Prozent zeigt aber, wie nervös die Aktie auf neue Nachrichten reagiert.

Die Kernfrage bleibt offen: Hat der Kursrutsch die Aktie in echtes Schnäppchen-Terrain gebracht, oder ist sie schlicht näher an eine faire Bewertung ihrer Risiken gerückt? Solange die Betrugsuntersuchung ohne klares Ergebnis läuft, dürfte diese Unsicherheit auf der Stimmung lasten – selbst wenn die Bewertungskennzahlen immer günstiger aussehen.