Nach dem heftigen Kurseinbruch infolge der Quartalszahlen sortiert die Wall Street ihre Erwartungen an Intuitive Surgical neu. Mehrere Analysehäuser senkten in den vergangenen Tagen ihre Kursziele für den Hersteller der da-Vinci-Operationsroboter, nachdem sich das Wachstum bei US-Prozeduren stärker abgeschwächt hatte als vom Markt eingepreist. Die Aktie pendelte zuletzt in unmittelbarer Nähe ihres 52-Wochen-Tiefs.
Quartalszahlen übertreffen Schätzungen, das Wachstumstempo bremst
Intuitive Surgical meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 2,89 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und einen Gewinn je Aktie von 2,80 US-Dollar. Beide Werte lagen über den Analystenschätzungen. Trotzdem brach die Aktie an der US-Börse um 14,1 Prozent ein und markierte ein neues 52-Wochen-Tief. Auslöser war das Wachstum bei US-amerikanischen da-Vinci-Prozeduren, das sich von 13,5 Prozent im ersten Quartal auf rund 12 Prozent verlangsamte und damit unter den Konsenserwartungen blieb. International wuchsen die Prozedurenzahlen dagegen weiterhin um 20 Prozent.
Auf der Kapitalseite blieb das Geschäft robust: Intuitive Surgical platzierte im Quartal 468 da-Vinci-Systeme, ein Plus von 18 Prozent, wobei die US-Platzierungen sogar um 24 Prozent zulegten – getragen von der neuen da-Vinci-5-Generation. Das Unternehmen kündigte zudem an, ab dem ersten Halbjahr 2027 ein Extended-Use-Programm einzuführen, das die zulässige Nutzungshäufigkeit einzelner Instrumente erhöht und damit die Kosten für Kliniken senken soll. Für Anleger schafft das Programm Unsicherheit, weil ein Großteil der Erlöse aus wiederkehrenden Einnahmen mit Instrumenten und Service stammt und die konkrete Preisgestaltung noch nicht feststeht.
Analysten reagieren mit Kurszielsenkungen
Bernstein reduzierte sein Kursziel für Intuitive Surgical von 750 auf 685 US-Dollar, beließ die Einstufung aber bei Outperform und hob gleichzeitig die eigene EPS-Schätzung für 2027 auf 12,71 US-Dollar an. Stifel senkte sein Kursziel auf 550 US-Dollar, während BMO Capital bei 518 US-Dollar liegt. Der von mehreren Häusern gebildete Analystenkonsens für das Kursziel bewegt sich bei rund 504,56 US-Dollar. Die Bandbreite der Einschätzungen zeigt, dass die Wall Street die langfristige Wachstumsstory zwar nicht infrage stellt, die kurzfristigen Bremsspuren im US-Kerngeschäft aber ernst nimmt.
Bewertung nähert sich mehrjährigem Tiefstand
Nach dem Ausverkauf hat sich die Bewertung von Intuitive Surgical deutlich zurückgesetzt und bewegt sich Berichten zufolge nahe einem Fünf-Jahres-Tief beim Kurs-Gewinn-Verhältnis. Die Marktdaten spiegeln die Nervosität wider: Am Montag schloss die Aktie in Frankfurt bei 310,00 Euro, ein Plus von 2,65 Prozent gegenüber dem Vortag – eine erste Stabilisierungsbewegung nach dem scharfen Rückgang. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 516,50 Euro aus dem Januar 2026 beträgt der Abstand jedoch weiterhin fast 40 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 34,0 signalisiert zudem, dass die Aktie technisch als überverkauft gilt.
Für die kommenden Quartale rückt damit eine einzelne Kennzahl in den Fokus der Anleger: das Tempo des US-Prozedurenwachstums. Bleibt es nahe der aktuellen 12 Prozent oder erholt es sich in Richtung der früheren Wachstumsraten, dürfte das über die weitere Kursentwicklung mitentscheiden – ebenso wie die Frage, wie stark das geplante Extended-Use-Programm ab 2027 die margenstarken wiederkehrenden Erlöse belastet.
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