Rekordumsatz, ein satter Gewinnsprung – und trotzdem verkauft der Markt die Aktie ab. Bei Intuitive Surgical klafft die Lücke zwischen operativer Realität und Kursverlauf derzeit besonders weit auseinander. Der Hersteller von OP-Robotern hat mehr geliefert, als Analysten erwartet hatten. Der Kurs reagiert trotzdem mit einem neuen Jahrestief.
Am Dienstag schloss die Aktie bei 306,95 Euro, ein Minus von 0,78 Prozent. Erst am Montag markierte das Papier mit 299,60 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn steht damit ein Verlust von 37,25 Prozent zu Buche.
Zahlen schlagen Erwartungen, Ausblick bremst Euphorie
Auslöser der jüngsten Turbulenzen sind die Quartalszahlen vom 16. Juli. Intuitive Surgical meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 2,89 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr und übertrifft die Analystenschätzung von 2,82 Milliarden Dollar deutlich.
Noch stärker fiel die Gewinnseite aus. Das bereinigte Ergebnis je Aktie erreichte 2,80 Dollar, weit über dem Konsens von 2,51 Dollar. Die weltweite Zahl der Operationen mit den Systemen des Unternehmens wuchs um 16 Prozent, angetrieben von einem Plus von 15 Prozent bei da-Vinci-Eingriffen und einem Sprung von 36 Prozent bei der Ion-Plattform für Lungenbiopsien.
Warum reagiert die Aktie trotzdem negativ? Das Management hielt an seiner Jahresprognose für das Prozedurwachstum fest, einer Spanne von 13,5 bis 15,5 Prozent. Investoren lesen daraus ein Signal: Die Mitte dieser Spanne, rund 14,5 Prozent, deutet auf eine Abkühlung der US-Nachfrage hin. Diese wuchs im Quartal nur noch mit 12 Prozent – langsamer als das globale Tempo.
Der da-Vinci-5-Zyklus läuft an
Operativ zeigt sich ein anderes Bild. Im zweiten Quartal installierte Intuitive insgesamt 468 da-Vinci-Systeme, davon 246 der neuen Generation da Vinci 5. Erste Daten zeigen: Krankenhäuser nutzen die neuen Systeme rund 11 Prozent häufiger als die Vorgängergeneration Xi.
CEO David Rosa kündigte den Start der ersten Phase von mehr als 100 geplanten Updates für da Vinci 5 an. Die Updates sollen die Telepräsenz verbessern und digitale Zusatzfunktionen integrieren. Das Ziel: den technologischen Vorsprung gegenüber Wettbewerbern weiter ausbauen.
Das installierte Basissystem nähert sich mittlerweile 13.000 Einheiten weltweit – ein Rekord. International wuchs die Zahl der Eingriffe um 20 Prozent. Dieses Klingen-und-Rasierer-Modell, bei dem Instrumente und Serviceverträge laufende Einnahmen generieren, bleibt hochprofitabel: Allein im zweiten Quartal wuchs die Kassenreserve um 0,7 Milliarden Dollar.
Institutionelle Käufer, skeptische Analysten
Mit einem RSI von 33,1 gilt die Aktie technisch als überverkauft. Genau das hat offenbar institutionelle Investoren angelockt. Regulatorische Meldungen vom 21. Juli zeigen: Andra AP fonden stockte seine Position im jüngsten Quartal um 139,7 Prozent auf.
Bei den Analysten fällt das Bild gemischter aus. JPMorgan senkte am 20. Juli sein Kursziel von 550 auf 450 Dollar. Der Analystenkonsens bleibt trotzdem bei „Moderate Buy“ – die Bank sieht demnach weiterhin Aufwärtspotenzial, wenn auch geringer als zuvor eingeschätzt.
Als Belastungsfaktoren nennt das Unternehmen selbst zwei Entwicklungen: das Auslaufen erweiterter ACA-Subventionen in den USA und rückläufige bariatrische Eingriffe, die durch die wachsende Popularität von GLP-1-Abnehmmedikamenten unter Druck geraten. Beide Themen betreffen einen Teilbereich des Geschäfts – während internationales Wachstum und die wachsende Systembasis die Gesamtbilanz stützen.
Der Markt preist damit eine Wachstumsverlangsamung ein, die sich in den tatsächlichen Zahlen bislang nicht zeigt. Ob sich diese Lücke schließt, dürfte sich an den kommenden Quartalsberichten entscheiden – vor allem daran, wie sich die US-Nachfrage nach dem Wegfall der ACA-Subventionen entwickelt.
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