Ein Short-Seller-Report bringt IonQ ins Wanken. Die Aktie des Quantencomputing-Unternehmens hat binnen 30 Tagen mehr als ein Drittel ihres Werts verloren. Jetzt bangen Anleger vor einem wichtigen Quartalsbericht und dem Abschluss der bislang größten Übernahme des Unternehmens.
Der Ausverkauf hat System
Am Freitag schloss IonQ bei 30,54 Euro, ein Minus von 0,55 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Verlust von fast 19 Prozent, über einen Monat sind es sogar 36 Prozent. Die Aktie notiert damit 58 Prozent unter ihrem Hoch vom Oktober 2025.
Der 14-Tage-RSI liegt bei 25,7 – ein Wert, den Chartanalysten klar als überverkauft einstufen. Die annualisierte Volatilität ist auf über 70 Prozent gestiegen. Das zeigt, wie heftig die Kursausschläge bei Quantencomputing-Werten derzeit ausfallen.
Ausgelöst hat die jüngste Verkaufswelle ein Short-Seller-Bericht. Er stellt IonQs Wachstumsaussichten infrage und verweist auf Risiken bei Pentagon-nahen Vertragsfinanzierungen. Die Kritiker argumentieren, die Bewertung habe sich von der operativen Realität gelöst – bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 103 und dünner Profitabilität.
Kein IonQ-Problem allein
Die Schwäche trifft die gesamte Branche. Auch Rigetti Computing und D-Wave Quantum verzeichneten im Mai und Juni deutliche Kurseinbrüche, nachdem Gewinnmitnahmen die Euphorie der Vormonate ablösten.
Diese Euphorie hatte im Mai ihren Ursprung: starke Quartalszahlen von IonQ und staatliche Förderzusagen trieben die Bewertungen der Branche auf ein Niveau, das sich kaum noch mit aktuellen Umsätzen rechtfertigen ließ. Im Juli sorgten kühlere US-Inflationsdaten kurzzeitig für Erholung, spekulative Tech-Werte fanden wieder Käufer. Nachhaltig war das nicht.
Zahlen und Übernahme als Prüfstein
Anfang August will IonQ die Zahlen zum zweiten Quartal vorlegen. Der Markt erwartet einen Umsatz von rund 66,5 Millionen Dollar. Das erste Quartal hatte mit 64,67 Millionen Dollar bereits die Erwartungen übertroffen – ein Plus von 755 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Auftragsbestand wuchs um mehr als 550 Prozent auf 470 Millionen Dollar. Kommerzielle Kunden steuerten rund 60 Prozent des Gesamtumsatzes bei. Das Management hob daraufhin die Jahresprognose an, auf eine Spanne von 260 bis 270 Millionen Dollar.
Parallel dazu beobachten Investoren die geplante Übernahme von SkyWater Technology. Für rund 1,8 Milliarden Dollar in bar und Aktien will IonQ den Chip-Fertiger komplett übernehmen und sich so vom Design über die Chip-Fertigung bis zur Verpackung als vertikal integrierter Hardware-Anbieter aufstellen. Der Abschluss ist für das zweite oder dritte Quartal 2026 vorgesehen, vorbehaltlich der nötigen behördlichen Freigaben.
Verluste wachsen mit dem Umsatz
Die operative Seite bleibt das Sorgenkind. Im ersten Quartal stand ein operativer Verlust von 271,5 Millionen Dollar in den Büchern, das bereinigte EBITDA lag bei minus 96,8 Millionen Dollar. Für das Gesamtjahr rechnet IonQ mit einem bereinigten EBITDA-Verlust zwischen 310 und 330 Millionen Dollar – deutlich mehr als die 186,75 Millionen Dollar aus 2025.
Ein Polster gibt es trotzdem: Zum 31. März verfügte das Unternehmen über 3,1 Milliarden Dollar an Cash und Cash-Äquivalenten. Das dürfte reichen, um die geplante SkyWater-Übernahme zu stemmen, ohne kurzfristig neues Kapital aufnehmen zu müssen.
Bei Analysten überwiegt trotz der Verluste der langfristig positive Blick. Northland Securities hob sein Kursziel Ende Juni von 55 auf 70 Dollar an und begründete dies mit der Erwartung, IonQ werde beim Investorentag im September seine Führungsrolle bei der sogenannten „Broad Quantum Advantage“ demonstrieren.
Die Marke von 30 Euro als Test
Ein konkreter unternehmensspezifischer Auslöser für die kommenden Tage zeichnet sich nicht ab. Die Aktie dürfte daher weiter im Rhythmus der allgemeinen Risikostimmung schwanken, wie es in den vergangenen Wochen der Fall war. Kühlt die Stimmung für spekulative Tech-Werte ab, gehört der Quantencomputing-Sektor meist zu den ersten, die neu bewertet werden.
Mit einem überverkauften RSI und einem Kurs deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 47,42 Euro und dem 200-Tage-Durchschnitt von 41,26 Euro richtet sich der Blick nun auf die Marke von 30 Euro. Ob sie als Unterstützung hält, dürfte sich spätestens beim Quartalsbericht Anfang August entscheiden – zusammen mit neuen Informationen zum Fortschritt der SkyWater-Transaktion.
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