Ist das Rennen um die Quantenvorherrschaft bereits entschieden oder preist der Markt ein potenzielles Comeback falsch ein? Während IonQ seine Dominanz mit einer gewaltigen 1,8-Milliarden-Dollar-Übernahme zementiert, kämpft Rigetti mit der Umsetzung seiner Pläne. Anleger stehen an diesem Freitag, dem 30. Januar 2026, vor einer entscheidenden Weichenstellung.
Der Sektor für Quantencomputing startete mit einer deutlichen Zweiteilung in das Jahr 2026. In den vergangenen zwei Jahren wurden die IonQ-Aktie und die Rigetti Computing-Aktie oft im Tandem gehandelt – als die führenden Pure-Play-Vertreter der Quantenrevolution. Doch diese Korrelation hat sich in der letzten Januarwoche gewaltsam aufgelöst.
Heute verarbeitet der Markt zwei völlig unterschiedliche Narrative: IonQs aggressive Strategie der vertikalen Integration steht gegen Rigettis Kampf um kommerzielle Zugkraft. Während IonQ bei rund 43,24 USD notiert und seine starke Bilanz nutzt, um SkyWater Technology zu schlucken, entwickelt sich das Unternehmen rasant zum industriellen Schwergewicht der Branche. Im Gegensatz dazu musste Rigetti Federn lassen und fiel auf 20,17 USD zurück – ein Minus von fast 12 % in den letzten Sitzungen, ausgelöst durch den Ausschluss aus einem wichtigen DARPA-Programm und Verzögerungen bei der Flaggschiff-Hardware.
Für Investoren lautet die Frage nicht mehr nur: „Wer hat das bessere Qubit?“, sondern: „Wer hat das überlebensfähige Geschäftsmodell?“ Dieser Vergleich analysiert die wachsende Kluft zwischen den beiden Unternehmen und beleuchtet die kritischen Entwicklungen der letzten 48 Stunden, um zu klären, welche Aktie für den Rest des Jahres 2026 die besseren Karten hält.
Die Woche der Wahrheit: Wer liefert Ergebnisse?
Die letzten sieben Tage haben die Quantenlandschaft nachhaltig verändert, getrieben von massiven Unternehmensentscheidungen auf der einen und harten Realitätschecks auf der anderen Seite.
IonQ: Der 1,8-Milliarden-Dollar-Schachzug
Das bestimmende Thema der Woche ist zweifellos IonQs definitive Vereinbarung zur Übernahme von SkyWater Technology (SKYT) für rund 1,8 Milliarden USD. Dieser Deal, der sowohl Aktien als auch Barmittel umfasst, sichert IonQ eine eigene Halbleiter-Foundry in den USA.
* Der strategische Wandel: Durch die Verlagerung der Chipfertigung ins eigene Haus kontrolliert IonQ nun seine gesamte Lieferkette – ein „Walled Garden“-Ansatz, der an Apple erinnert. Dies ist entscheidend für ihre Ionenfallen-Systeme, die auf spezialisierte mikroelektromechanische Systeme (MEMS) angewiesen sind.
* Nachlegen bei der Vernetzung: Erst vor 48 Stunden schloss IonQ zudem die Übernahme von Skyloom Global Corp ab, einem Marktführer in der optischen Kommunikation. Dieser weniger publizierte, aber ebenso vitale Schritt liefert die Verbindungstechnologie, um Quantencomputer zu vernetzen und ein verteiltes Quanteninternet aufzubauen.
* Marktreaktion: Trotz der bullischen langfristigen Implikationen hat sich die IonQ-Aktie diese Woche um ca. 5,5 % abgekühlt. Der Markt verdaut derzeit die Kapitalintensität des Foundry-Betriebs und den Verwässerungseffekt des Deals.
Rigetti: Der Beweis steht aus
Während IonQ Infrastruktur kauft, kämpft Rigetti um Validierung. Die Aktie des Unternehmens erlitt diese Woche einen herben Rückschlag von 11,8 % nach zwei Hiobsbotschaften:
* DARPA-Ausschluss: Berichte bestätigten, dass Rigetti bei einem bedeutenden DARPA-Quanten-Benchmarking-Vertrag nicht berücksichtigt wurde – ein Schlag für das Prestige im Regierungssektor, wo man zuvor fest verankert schien.
* Hardware-Verzögerungen: Das Management kündigte eine Verschiebung der kommerziellen Einführung des Cepheus-1-108Q-Systems an. Ursprünglich für Ende 2025 geplant, wurde der Zeitplan gestreckt, um sich auf die Verbesserung der Fehlerraten zu konzentrieren. Insbesondere die Gatter-Treue (Gate Fidelity) bleibt ein wunder Punkt im Vergleich zur Ionenfallen-Konkurrenz.
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Finanz-Check: Substanz gegen Hoffnung
Die Diskrepanz in der Ausführung wird nirgendwo deutlicher als in den Finanzkennzahlen. Während beide Unternehmen massiv investieren, haben sich ihre Umsatzkurven vollständig entkoppelt.
| Kennzahl | IonQ (IONQ) | Rigetti Computing (RGTI) |
|---|---|---|
| Aktienkurs (30.01.2026) | ~43,24 USD | ~20,17 USD |
| Marktkapitalisierung | ~16,2 Mrd. USD | ~7,2 Mrd. USD |
| 52-Wochen-Spanne | 17,88 – 84,64 USD | 6,86 – 58,15 USD |
| Letzter Quartalsumsatz | ~39,9 Mio. USD (Prognose) | 1,9 Mio. USD (Q3 2025 Ist) |
| Umsatzwachstum (YoY) | >100% (Dreistellig) | -20,6% (Rückgang) |
| Barmittel | Stark (Vor Übernahme) | ~558 Mio. USD (Hoher Cash-Burn) |
| Nettoergebnis | Verlust (EBITDA verbessert) | Verlust (201 Mio. USD Q3) |
| Tech-Metrik | 99,99% 2-Qubit-Fidelity | Ziel 99,5% (Rückstand) |
Die Umsatz-Kluft
IonQ setzt seine kommerzielle Roadmap mit Präzision um. Mit einem für das Gesamtjahr 2025 prognostizierten Umsatz am oberen Ende der Spanne von 106 bis 110 Millionen USD beweist das Unternehmen, dass Kunden – von Airbus bis Hyundai – bereit sind, für die „AQ“ (Algorithmic Qubit) Kapazität zu zahlen.
Rigetti hingegen schrumpft. Der Bericht zum dritten Quartal 2025 schockierte Investoren mit einem Umsatz von lediglich 1,9 Millionen USD, was einem Rückgang von 20,6 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Diese Kontraktion ist für eine „Wachstumsaktie“ alarmierend und deutet darauf hin, dass Kunden zögern, sich zu binden, solange die Fehlerraten nicht sinken. Der massive GAAP-Nettoverlust von 201 Millionen USD im selben Quartal unterstreicht die hohen Kosten dieses F&E-Kampfes.
Technologie-Duell: Präzision oder Geschwindigkeit?
IonQ: Genauigkeit ist König
Die Ionenfallen-Technologie von IonQ ist zwar langsamer als die supraleitenden Schleifen von Rigetti, aber sie ist weitaus präziser.
* Fidelity-Rekord: Im Jahr 2025 erreichte IonQ eine Weltrekord-Treue von 99,99 % bei 2-Qubit-Gattern. In der Quantenwelt ist diese „Fidelity“ der Schlüssel zur Nutzbarkeit. Wenn sich Fehler zu schnell summieren, scheitert die Berechnung. IonQs hohe Genauigkeit ermöglicht tiefere Schaltkreise, was ihre Maschinen schon heute für chemische Simulationen und Materialwissenschaften nutzbar macht.
* Fertigungskontrolle: Die SkyWater-Übernahme ist ein Meisterstück für die Skalierung. IonQ kann nun Ionenfallen-Chips in schnellen Iterationen entwickeln, ohne auf Slots bei Drittanbieter-Foundries warten zu müssen. Dies könnte die Roadmap um 12 bis 18 Monate beschleunigen.
Rigetti: Die Geschwindigkeitsfalle?
Rigetti setzt auf supraleitende Qubits, dieselbe physikalische Basis, die auch IBM und Google nutzen.
* Geschwindigkeitsvorteil: Diese Chips arbeiten im Nanosekundenbereich, was sie drastisch schneller macht als die Mikrosekunden-Operationen von IonQ. Für Fehlerkorrekturschemata, die Millionen von Messungen pro Sekunde erfordern, ist dies ein theoretischer Vorteil.
* Das Rausch-Problem: Die Herausforderung bleibt das „Rauschen“. Rigetti peilt für die nächste Generation eine Fidelity von 99,5 % an, jagt damit aber immer noch IonQs 99,99 % hinterher. Die Verzögerung des Cepheus-1-Systems legt nahe, dass das Schließen dieser Lücke schwieriger ist als erwartet. Ohne hohe Fidelity ist Geschwindigkeit irrelevant, da der Computer lediglich schneller das falsche Ergebnis liefert.
Chart-Check: Bullen gegen Bären
IonQ: Konsolidierung auf hohem Niveau
Trotz des jüngsten Rücksetzers um 5 % bleibt die Chartstruktur von IonQ konstruktiv.
* Trend: Die Aktie befindet sich in einem langfristigen Aufwärtstrend und hat sich von ihren Tiefstständen 2024 vervierfacht. Der aktuelle Kurs von 43,24 USD stellt einen gesunden Rücksetzer auf das 38,2 % Fibonacci-Retracement der Rallye von 2025 dar.
* Unterstützung/Widerstand: Starke institutionelle Unterstützung ist im Bereich 40 bis 42 USD sichtbar. Der unmittelbare Widerstand liegt bei 50 USD. Ein Ausbruch über diese Marke würde wahrscheinlich einen Lauf zurück zu den Hochs bei 84 USD auslösen.
* Indikatoren: Der RSI hat sich auf ein neutrales Niveau (Bereich 40-50) abgekühlt und die „überkauften“ Zustände von Ende 2025 bereinigt.
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Rigetti: Alarmstufe Rot
Das Chartbild von Rigetti ist weitaus prekärer.
* Trend: Die Aktie hat ihre primäre Aufwärtstrendlinie, die Anfang 2025 etabliert wurde, gebrochen. Der Absturz von 58 USD auf 20 USD entspricht einer Korrektur von 65 %.
* Unterstützung/Widerstand: Die Zone um 19 bis 20 USD ist ein kritischer psychologischer Boden. Sollte dieses Niveau nicht halten, gibt es kaum technische Unterstützung bis hinunter zu 12 USD.
* Volumenprofil: Das Verkaufsvolumen war an Tagen mit Kursverlusten erhöht, was auf institutionellen Abverkauf hindeutet. Die Aktie muss die Marke von 25 USD zurückerobern, um sich zu stabilisieren.
Das sagen die Experten: Kaufen oder Halten?
Die Analystengemeinde passt ihre Modelle derzeit rasch an die neue Realität des Jahres 2026 an.
- IonQ: Die Stimmung lautet überwiegend „Kaufen“ / „Outperform“. Analysten sehen den SkyWater-Deal als transformatives Ereignis, das eine Premium-Bewertung rechtfertigt. Die Kursziele wurden angehoben, wobei sich der Median in Richtung 60 bis 70 USD bewegt. Der Konsens ist, dass IonQ die „NISQ“-Ära (Noisy Intermediate-Scale Quantum) gewonnen hat und für die Ära der Fehlertoleranz am besten positioniert ist.
- Rigetti: Die Stimmung hat sich auf „Halten“ / „Spekulativer Kauf“ eingetrübt. Die DARPA-Absage war ein Weckruf. Während einige Analysten aufgrund des Potenzials des 108-Qubit-Systems an Zielen nahe 35 USD festhalten, haben viele ihre Überzeugung zurückgeschraubt. Die Sorge wächst, dass Rigetti eher zum Übernahmeziel („Technologie-Spender“) wird, als eigenständig zu gewinnen, falls das Geld vor dem kommerziellen Durchbruch ausgeht.
Fazit für Anleger: Sicherheit oder Zock?
Das Szenario für IonQ (Die „Sichere“ Wette)
Anleger sollten IonQ wählen, wenn sie auf den Marktführer setzen wollen, der tatsächlich liefert.
* Pro: Verifiziertes Umsatzwachstum (>100 %), erstklassige Fidelity (99,99 %), gesicherte Lieferkette (SkyWater) und starke Regierungsbeziehungen.
* Contra: Hohe Bewertung (steiles Kurs-Umsatz-Verhältnis), Integrationsrisiko bei SkyWater (eine Foundry zu betreiben ist komplex).
* Zeithorizont: 3 bis 5+ Jahre.
Das Szenario für Rigetti (Der Lottoschein)
Anleger sollten Rigetti nur wählen, wenn sie eine hohe Risikotoleranz haben und an die supraleitende Roadmap glauben.
* Pro: Massiver Hebel (hohes Beta); wenn das Fidelity-Problem gelöst wird, könnte sich die Aktie von den aktuellen Tiefs verdrei- oder verfünffachen (20 USD auf 100 USD). Die Technologie ist skalierbar, wenn die Fehler gezähmt werden.
* Contra: Umsatzrückgang (-20,6 %), massiver Cash-Burn, Hardware-Verzögerungen, intensive Konkurrenz durch IBM und Google.
* Zeithorizont: 12 bis 18 Monate (Binäres Ergebnis: Durchbruch oder Pleite).
Schlussglocke: Die Weichen sind gestellt
Zum Abschluss des ersten Monats im Jahr 2026 sind IonQ und Rigetti keine Peers mehr – sie spielen in unterschiedlichen Gewichtsklassen.
IonQ ist dem Start-up-Status entwachsen. Durch die Übernahme von SkyWater und Skyloom baut das Unternehmen ein industrielles Ökosystem auf, das es vor Schocks in der Lieferkette schützt und es als „NVIDIA des Quantencomputing“ positioniert. Der aktuelle Kurs von 43 USD bietet einen vernünftigen Einstiegspunkt für ein Unternehmen, das jeden technischen und finanziellen Meilenstein erreicht.
Rigetti ist bei 20 USD ein Schlachtfeld. Der Umsatzrückgang von 20 % und der DARPA-Ausschluss sind ernste Warnsignale, die nicht ignoriert werden können. Doch der Markt hat bereits viel Untergangsstimmung eingepreist. Für den aggressiven Trader bietet Rigetti das Potenzial eines „Falling Knife“-Plays, bei dem schon ein Hauch guter Nachrichten (wie ein erfolgreicher Cepheus-Start später im Jahr) einen massiven Short Squeeze auslösen könnte.
Das Urteil: In einem Markt, der sich vom Hype zur Qualität verschiebt, ist IonQ das Investment; Rigetti ist das Glücksspiel. Ein ausgewogenes Quanten-Portfolio könnte IonQ übergewichten (75 %), während eine spekulative Position in Rigetti (25 %) als Absicherung auf die supraleitende Technologie dient.
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