Vor zwei Jahren schürfte Iris Energy noch stur Bitcoin, angetrieben von billigem Strom in kanadischen und texanischen Rechenzentren. Heute jagt das Unternehmen milliardenschwere KI-Cloud-Verträge mit Microsoft und Nvidia. Am Freitag reagierten Anleger darauf mit einem Kurssprung – die Aktie schloss bei 35,69 Euro, ein Plus von 7,96 Prozent an einem Tag.
Kann ein früherer Krypto-Miner wirklich zur tragenden Infrastruktur der KI-Revolution werden, während sein eigener Kurs noch fast die Hälfte vom Rekordhoch entfernt liegt? Genau diese Frage treibt die Debatte um IREN gerade an.
Vom Mining-Rig zur Rechenfabrik
Der Kontrast könnte kaum größer sein. Auf Sicht von zwölf Monaten hat sich die Aktie mehr als verdoppelt. Trotzdem notiert sie aktuell 47,99 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 68,61 Euro, erreicht im November 2025. Zwischen Euphorie und Ernüchterung liegen also nur wenige Monate – und ein Geschäftsmodell im Umbau.
Ende Juli und Anfang August 2026 kippte die Erzählung. IREN sicherte sich mehrjährige KI-Cloud-Verträge im Volumen von rund 2,8 Milliarden Dollar. Zentrale Partner: Microsoft und Nvidia. Das ist keine Marketing-Nummer. Das Unternehmen hat sich ein konkretes Ziel gesetzt: Bis Ende 2026 soll die jährlich wiederkehrende KI-Cloud-Umsatzbasis (ARR) vier Milliarden Dollar übersteigen. Rund 85 Prozent dieser Kapazität sind bereits vertraglich gebunden.
Das ist ein bemerkenswerter Anteil. Wer 85 Prozent seiner Zielumsätze schon unter Vertrag hat, verkauft keine vage Zukunftsvision mehr. Er baut.
Der Preis der Skalierung
Rechenzentren für Hochleistungs-KI zu bauen, kostet enorm viel Geld. Um den Microsoft-Vertrag zu stemmen, hat IREN kürzlich ein Investment-Grade-Finanzierungspaket über 3,65 Milliarden Dollar für GPU-Hardware abgeschlossen. Das folgt auf die im Mai 2026 geschlossene Partnerschaft mit Nvidia sowie den frisch abgeschlossenen Kauf von Mirantis.
Mirantis bringt Software- und Cloud-Management-Know-how mit. Für ein Unternehmen, das aus dem Krypto-Mining kommt, ist das kein Nebenschauplatz. Es ist die fehlende Schicht zwischen Hardware und Kunde – genau das, was einen reinen Stromabnehmer von einem echten Cloud-Anbieter unterscheidet.
Operativ bleibt die Aufgabe riesig. Wer Milliarden in GPU-Cluster steckt, muss diese Kapazität auch zuverlässig ausliefern. Genau hier entscheidet sich in den kommenden Quartalen, ob aus der Ankündigung tatsächlich Umsatz wird.
Bewertung zwischen Prämie und Risiko
Der Markt bewertet IREN inzwischen mit rund 12,02 Milliarden Euro Marktkapitalisierung. Das ist kein Nischenwert mehr, sondern eine Wette auf ein neues Geschäftsmodell. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 85,8 zahlen Investoren einen deutlichen Aufschlag gegenüber dem breiteren Software- und Techsektor.
Dieser Aufschlag lässt sich erklären. IREN sitzt an der Schnittstelle aus Energie-Infrastruktur, GPU-Cloud-Diensten und digitalen Vermögenswerten – und genau Strom und Hardware sind die beiden größten Engpässe im aktuellen KI-Wettlauf. Wer beides sichern kann, verkauft Knappheit.
Der Freitagsrally half zusätzlich ein schwächer als erwarteter US-Arbeitsmarktbericht, der eine breitere Risk-on-Stimmung im Techsektor auslöste. Kein Wunder, dass Wachstumswerte wie IREN davon überproportional profitierten.
Für den Rest des Jahres verschiebt sich der Fokus von der Vertragsakquise zur operativen Umsetzung. Bis Ende 2026 muss IREN zeigen, dass aus den 2,8 Milliarden Dollar an Verträgen tatsächlich die angepeilten vier Milliarden Dollar ARR werden. Die Bausteine – Microsoft, Nvidia, Mirantis, die Milliardenfinanzierung – liegen auf dem Tisch. Jetzt muss das Unternehmen liefern.
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