Während die IREN-Aktie an der Börse deutlich unter ihrem Rekordhoch notiert, greifen große Vermögensverwalter zu. Grund dafür ist ein wachsendes Auftragsbuch im KI-Cloud-Geschäft, das mittlerweile den Großteil eines deutlich angehobenen Umsatzziels absichert. Der Widerspruch zwischen Kursverlauf und operativer Entwicklung prägt derzeit das Bild bei dem australischen Unternehmen.
Angehobenes Umsatzziel durch neue Milliardenverträge
IREN hat sein Ziel für den annualisierten Umsatz im KI-Cloud-Geschäft von 3,7 Milliarden auf über 4,0 Milliarden Dollar angehoben. Grundlage dafür sind neue mehrjährige Verträge im Volumen von 2,8 Milliarden Dollar mit Kunden wie Microsoft, NVIDIA, Perplexity und Figure AI.
Nach Angaben des Unternehmens sind bereits 85 Prozent dieses überarbeiteten Ziels unter Vertrag. Gestützt wird der Ausbau von einer Energie-Pipeline von 5 Gigawatt. Für das laufende Jahr peilt IREN 480 Megawatt an KI-Cloud-Kapazität an, für 2027 soll die Kapazität auf 1,2 Gigawatt steigen.
Institutionelle Anleger stocken auf
Die Nachrichtenlage findet ihren Widerhall bei großen Kapitalsammelstellen. Die Fondsgesellschaft Janus Henderson erhöhte ihre Beteiligung an IREN im ersten Quartal um 439,4 Prozent und hielt zuletzt 34.495 Aktien, wie aus einer aktuellen Pflichtmitteilung hervorgeht.
Bereits Anfang des Monats hatte der Pensionsfonds California State Teachers Retirement System eine neue Position in IREN-Aktien offengelegt. Solche Zukäufe fallen in eine Phase, in der die Aktie von ihrem 52-Wochen-Hoch bei 68,61 Euro, erreicht Anfang November, um 49,50 Prozent entfernt notiert – ein Bewertungsabschlag, den institutionelle Käufer offenbar als Einstiegschance werten.
Kapazitätsausbau mit Dell und Mirantis
Um die vertraglich zugesagten Volumina zu bedienen, hat IREN Anfang des Monats eine Kaufvereinbarung über 1,6 Milliarden Dollar mit Dell für luftgekühlte NVIDIA-Blackwell-Systeme bestätigt. Die Systeme sollen den 3,4-Milliarden-Dollar-Managed-Services-Vertrag im KI-Cloud-Geschäft absichern.
Die Inbetriebnahme am Standort Childress in Texas ist für Anfang 2027 geplant. Parallel dazu hat das Unternehmen die Übernahme des Cloud-Softwareanbieters Mirantis abgeschlossen, für insgesamt 12,6 Millionen IREN-Aktien plus rund 40 Millionen Dollar in bar und in Form von Restricted Stock Units.
Im Zuge dieser Transaktion reichte IREN bei der US-Börsenaufsicht einen Prospekt zur Registrierung von 11,9 Millionen Stammaktien ein, die ehemalige Investoren und Mitarbeiter von Mirantis weiterverkaufen können.
Übergangsphase in den Quartalszahlen
Die operativen Zahlen zeigen unterdessen, dass der Umbau des Geschäftsmodells nicht ohne Reibung verläuft. Im März-Quartal sank der Umsatz auf 144,8 Millionen Dollar von zuvor 184,7 Millionen Dollar. Ein Anstieg der Einnahmen aus dem KI-Cloud-Geschäft um 94,2 Prozent konnte rückläufige Erträge aus dem Bitcoin-Mining nicht vollständig ausgleichen.
Die Ratingagentur Weiss Ratings stufte die Aktie Ende Juli von „Hold“ auf „Sell“ zurück – eine Einschätzung, die in die Phase des Geschäftsmodellwandels fiel. Die Analyseplattform Simply Wall St beziffert den fairen Wert der Aktie auf 71,48 US-Dollar auf Basis aggressiver Wachstumsannahmen, ein Wert, der angesichts der aktuellen Volatilität mit Vorsicht zu betrachten ist.
Ausblick
Am heutigen Dienstag legt die Aktie im deutschen Handel um 2,82 Prozent zu und notiert bei 34,65 Euro. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 39,71 Euro bleibt weiterhin ein deutlicher Abstand von 12,75 Prozent, was die anhaltend hohe Schwankungsbreite des Papiers unterstreicht.
Ob der wachsende Auftragsbestand die operative Wende tatsächlich einläutet, dürfte sich mit dem nächsten Quartalsbericht zeigen, den IREN für den 16. September angekündigt hat. Bis dahin bleibt die Frage, wie schnell sich das Vertragsvolumen von 85 Prozent des angehobenen 4-Milliarden-Ziels in tatsächliche Umsätze übersetzen lässt, der zentrale Maßstab für Anleger.
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