IREN-Aktien springen am Mittwoch um 5,37 Prozent nach oben, auf 36,81 Euro. Der Kurs des KI-Rechenzentrumsbetreibers bleibt damit extrem schwankungsanfällig. Zwischen einem mutigen Analysten-Upgrade und branchenweiter Nervosität um Neocloud-Aktien schwankt das Papier heftig hin und her.
Freedom Broker sorgt für den Kurssprung
Der Auslöser der jüngsten Rally liegt bereits ein paar Tage zurück. Am Montag stufte Freedom Broker die IREN-Aktie von „Hold“ auf „Buy“ hoch und bestätigte das Kursziel von 58 US-Dollar. Die Aktie legte daraufhin über 13 Prozent zu.
Bemerkenswert: Das Upgrade kam, obwohl die Analysten ihre Umsatzschätzungen für die Quartale bis Juni und September 2026 senkten. Analyst Paul Meeks begründete seinen Schritt nicht mit kurzfristigen Fundamentaldaten, sondern mit der Bewertung. Der vorausgegangene Kursrutsch habe einen attraktiven Einstiegspunkt geschaffen, so seine Argumentation.
Dieser Rutsch war heftig. In den fünf Handelstagen zuvor hatte IREN rund 28 Prozent verloren. Zwei Belastungsfaktoren drückten die Stimmung: Meta Platforms weitet den Verkauf überschüssiger Rechenkapazität aus, und IREN vergab 9,1 Millionen Restricted Stock Units an jeden seiner beiden Co-CEOs.
Trotz der kurzfristigen Kürzung bleiben die langfristigen Umsatzprognosen von Freedom Broker aggressiv. Die Analysten erwarten, dass der Umsatz von 717 Millionen US-Dollar in diesem Jahr auf 3,1 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2027 und weiter auf 8,5 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2028 klettert. Die IREN-Story drehe sich schlicht darum, planmäßig neue Kapazitäten aufzubauen — ein Muster, das laut Freedom Broker auch für Konkurrenten wie CoreWeave und Nebius gilt.
Australien-Deal als Spekulationstreiber
Zusätzlichen Schwung brachte am Wochenende ein Bericht der Australian Financial Review. Demnach hat Anthropic vertraulich mindestens 1,4 Gigawatt australische Rechenzentrumskapazität ausgeschrieben. Das Projektvolumen liegt zwischen 12 und 15 Milliarden US-Dollar.
IREN steht auf der Shortlist der Bieter, neben CDC Data Centres, AirTrunk, NextDC und Stack Infrastructure. Die Zahl bleibt allerdings spekulativ — sie stammt aus einem Bericht Dritter und liegt außerhalb offizieller Unternehmensprognosen oder bestätigter Auftragsbücher.
Dennoch verleiht IREN seine bestehende Infrastruktur Glaubwürdigkeit als ernstzunehmender Bieter. Im Zentrum steht der 800-Megawatt-Campus in Bundey, für den bereits ein Netzanschluss gesichert ist. Eine Partnerschaft mit der Landesregierung kommt hinzu.
Sektorweiter Druck kehrt zurück
Die Erholung verlief nicht geradlinig. Am Dienstag und im Vorbörsenhandel am Mittwoch gerieten Neocloud-Werte erneut unter Druck. CoreWeave, Nebius und IREN fielen gemeinsam, nachdem Gewinnmitnahmen bei KI-Chipwerten die Stimmung belasteten. Anleger sorgen sich um die hohen, KI-getriebenen Bewertungen der Branche.
Die Schwäche griff global über. Halbleiteraktien standen am Mittwoch unter Druck — trotz solider vorläufiger Quartalszahlen von Samsung Electronics, dem weltgrößten Speicherchiphersteller.
Trotz der Turbulenzen bleibt die Wall-Street-Einschätzung zu IREN im Vergleich zur Konkurrenz konstruktiv. Alle drei Neocloud-Aktien tragen ein „Moderate Buy“-Konsensrating. IREN führt jedoch mit einem durchschnittlichen Kursziel von 77,20 US-Dollar — das entspricht einem Kurspotenzial von rund 94 Prozent. Zudem verzeichnet die Aktie mit 9 von 10 Punkten den höchsten Smart Score der drei Werte.
Technisches Bild bleibt angeschlagen
Die Kursausschläge zeigen, wie empfindlich IREN sowohl auf unternehmensspezifische Nachrichten als auch auf Stimmungswechsel im gesamten KI-Infrastruktursektor reagiert. Das 52-Wochen-Hoch von 68,61 Euro erreichte die Aktie am 3. November 2025 — aktuell liegt der Kurs rund 46 Prozent darunter. Zum 52-Wochen-Tief von 13,31 Euro vom 1. August 2025 bleibt dagegen ein Puffer von über 170 Prozent, ein Beleg für den enormen Kursgewinn im Zuge der Umstellung von Bitcoin-Mining auf KI-Cloud-Infrastruktur.
Mit einem Abstand von rund 22 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt und einem 14-Tage-RSI von 39 signalisieren die technischen Indikatoren weiterhin eine Korrekturphase. Optimisten verweisen dagegen auf das Freedom-Broker-Upgrade und die Spekulationen um den australischen Großauftrag als mögliche Wendepunkte. Eine offizielle Bestätigung von IREN zur Beteiligung am australischen Projekt steht bislang aus.
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