IREN meldet einen Auftragsrekord mit Microsoft und Nvidia im Rücken. Die Aktie reagiert trotzdem mit einem Kurssturz. Am Freitag brach der Titel um 8,38 Prozent ein und schloss bei 32,69 Euro. Zwischen operativem Fortschritt und Börsenrealität klafft bei dem früheren Bitcoin-Miner gerade eine breite Lücke.

Die Milliarden-Wende im KI-Geschäft

IREN baut sich gerade neu auf. Aus dem Krypto-Miner wird ein Infrastruktur-Anbieter für künstliche Intelligenz. Diese Woche sicherte sich das Unternehmen neue KI-Cloud-Verträge im Wert von 2,8 Milliarden US-Dollar. Zu den Partnern zählen Schwergewichte wie Microsoft und Nvidia.

Das Management reagierte prompt und hob das Umsatzziel für 2026 an. Die wiederkehrenden Jahreserlöse sollen nun über 4 Milliarden US-Dollar liegen, rund 85 Prozent davon sind bereits vertraglich gesichert. Der Ausbauplan bleibt ambitioniert: 480 Megawatt Kapazität bis Ende 2026, dann ein Sprung auf 1,2 Gigawatt im Jahr 2027.

Die Angst vor der überhitzten KI-Blase

Diese Zahlen sprechen für sich. Der Kurs tut es nicht. Der Kurssturz vom Freitag ist vor allem eine Sippenhaft-Reaktion auf schlechte Stimmung in der gesamten KI-Infrastruktur-Branche.

Ausgelöst wurde die Verunsicherung durch Alphabet. Der Google-Konzern wies erstmals seit seinem Börsengang 2004 einen negativen freien Cashflow aus, ein Minus von 5,9 Milliarden US-Dollar. Grund sind die massiven Investitionen in KI-Rechenzentren. Für IREN, das genau in diesem kapitalintensiven Segment operiert, nährt das die Sorge vor einer Blase kurz vor ihrem Höhepunkt, noch bevor sich die Investitionen wirklich auszahlen.

Kriegskasse und überverkaufte Aktie

Finanziell steht IREN robust da. Das Unternehmen verfügt über eine Kriegskasse von 7,6 Milliarden US-Dollar, wobei 1,7 Milliarden davon zweckgebunden und nicht frei verfügbar sind. Diese Liquidität finanziert die massive Hardware-Expansion der kommenden Quartale.

Technisch betrachtet nähert sich die Aktie einer Zone, die gegen den Trend orientierte Käufer anziehen könnte. Der 14-Tage-RSI liegt bei 39,5 und signalisiert eine beginnende Überverkauft-Situation. Der Kurs hat sich seit dem Rekordhoch im November mehr als halbiert und sucht erkennbar nach einem Boden.

Die entscheidende Woche steht bevor

Die kommenden Tage werden zum Test für die Erholungsfähigkeit der Aktie. Drei Faktoren dürften den Ausschlag geben:

  • Fed-Sitzung am 28. und 29. Juli: Mit einer annualisierten Volatilität von über 96 Prozent reagiert IREN extrem empfindlich auf Zinssignale. Ein restriktiver Ton der Notenbank würde wachstumsstarke Werte zusätzlich unter Druck setzen.
  • Ansteckungsgefahr aus der Branche: Meta und Amazon stehen mit eigenen Quartalszahlen in den Startlöchern. Jede Aussage zu KI-Infrastrukturausgaben wirkt sich direkt auf die wahrgenommene Sicherheit von IRENs Verträgen aus.
  • Verwässerungssorgen im eigenen Haus: Eine RSU-Zuteilung von 700 Millionen US-Dollar an die Co-CEOs belastet weiterhin die Stimmung. Der Markt wird genau beobachten, ob sich die Erzählung über Insider-Verkäufe endgültig legt.

Das Jahr läuft für IREN bislang mit einem Minus von 3,20 Prozent, nach einem außergewöhnlichen Zwölfmonatslauf von rund 112 Prozent. Der fundamentale Umbau hin zu einem Vier-Milliarden-Dollar-ARR-Ziel bleibt intakt. Übersteht der KI-Infrastruktur-Trade die laufende Berichtssaison unbeschadet, zählt IREN weiterhin zu den direktesten Wetten auf den physischen Ausbau dieser Branche.