IREN liefert starke Quartalszahlen und schiebt im selben Atemzug sein wichtigstes Wachstumsziel nach hinten. Die Anleger greifen trotzdem zu: Am Freitag legt die Aktie an der NASDAQ zeitweise gut 18 Prozent zu, auf 21,31 Dollar. Einen Tag zuvor war sie noch eingebrochen.

Cloud-Geschäft trägt den Umsatz

Der Umsatz stieg im ersten Geschäftsquartal 2027 (Juli bis September) um 66 Prozent auf 228 Millionen Dollar. Erwartet hatte der Markt rund 221 Millionen. Treiber ist die KI-Cloud mit 200 Millionen Dollar, nach 71 Millionen im Vorquartal.

Das Bitcoin-Mining schrumpft dagegen auf 28 Millionen Dollar, weil IREN Schürfrechner für neue Grafikprozessoren abbaut. Deshalb liegt der Gesamtumsatz noch etwas unter dem Vorjahreswert.

Operativ verbessert sich das Bild spürbar. Das bereinigte EBITDA steigt von 19 auf 66 Millionen Dollar, die Marge verdoppelt sich fast auf 29 Prozent. Unter dem Strich steht ein Nettoverlust von 263 Millionen Dollar. Im Vorquartal hatten hohe Wertminderungen noch ein Minus von 684 Millionen verursacht.

Warum das Milliardenziel wackelt

Die annualisierte Umsatzrate (ARR) von mehr als 4 Milliarden Dollar wollte IREN bis Ende 2026 erreichen. Nun peilt das Unternehmen Januar 2027 an, womöglich erst Ende Februar. Als Gründe nennt IREN eine Designänderung, die der Kunde gewünscht hat, sowie Lieferzeiten bei Zulieferern. Co-CEO Daniel Roberts bestätigte in der Telefonkonferenz, dass es sich um Microsoft handelt. Laut Unternehmen ist das Ziel vollständig unter Vertrag und finanziert.

Die operative ARR hat sich im Quartal auf 1 Milliarde Dollar verdoppelt. Der Auftragsbestand wuchs um 22 Prozent auf 20,3 Milliarden Dollar, rund zwei Drittel davon entfallen auf Partner mit Investment Grade.

Finanzierung bleibt die Baustelle

Für die restlichen neun Monate des Geschäftsjahres plant IREN Investitionen von 15 Milliarden Dollar. Gedeckt sind davon 9 Milliarden, durch Barmittel, zugesagte GPU-Finanzierungen und Kundenvorauszahlungen. Die übrigen 6 Milliarden will das Management je nach Marktlage noch einsammeln. Die Nettoverschuldung stieg binnen eines Quartals von 216 Millionen auf rund 4,4 Milliarden Dollar.

Mehrere Analysehäuser senkten nach den Zahlen ihre Ziele, behielten aber ihre Einstufungen bei:

  • Goldman Sachs bleibt bei „Neutral“ und kürzt das Kursziel von 50 auf 30 Dollar. Analyst Michael Ng verweist auf Finanzierungs- und Umsetzungsrisiken.
  • Cantor Fitzgerald bleibt bei „Overweight“, senkt das Ziel aber von 99 auf 47 Dollar, nachdem das Haus seine EBITDA-Schätzungen für 2028 reduziert hat.

Für das laufende Dezemberquartal stellt das Management einen Umsatz von etwa einem Viertel der operativen ARR in Aussicht. Zusätzliche Kapazitäten in Horizon und Mackenzie stehen überwiegend erst Ende Dezember oder Anfang 2027 bereit. Der nächste belastbare Datenpunkt ist der 31. Januar 2027: Bis dahin will IREN die Kapazität für das 4-Milliarden-Ziel in Betrieb nehmen.