Eigentlich läuft es bei ITM Power rund. Das Unternehmen meldete eine Partnerschaft für ein schottisches Wasserstoffprojekt, sicherte sich 86,5 Millionen Pfund Staatshilfe für die Fabrikautomation und hob die Umsatzprognose an. Der Aktienkurs fiel dennoch um 27 Prozent in nur sieben Handelstagen — ausgerechnet nachdem der Wert Mitte Mai ein 52-Wochen-Hoch von 2,58 Euro erreicht hatte.
Am Freitag schloss die Aktie bei 1,68 Euro, ein Minus von 14,45 Prozent an einem Tag. Seit Jahresbeginn notiert ITM Power trotzdem 131 Prozent im Plus.
Partnerschaft mit Rahmenvertrag, nicht mit Kasse
Der wichtigste Deal der Woche ist zugleich ihr größtes Fragezeichen. ITM Power und Protium Green Solutions vereinbarten die gemeinsame Entwicklung industrieller Wasserstoffanlagen. Erstes Projekt: Cromarty in den schottischen Highlands, 15 Megawatt, sieben Tonnen grüner Wasserstoff pro Tag.
Allerdings handelt es sich um einen Rahmenvertrag, nicht um einen bindenden Abnahmevertrag. Finanzielle Konditionen sind offen, die finale Betreiberstruktur ungeklärt. Eine endgültige Investitionsentscheidung wird frühestens im Dezember 2026 erwartet. Potenzial ist da — Cashflow nicht sofort.
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Goldman drückt, der Index-Effekt tut sein Übriges
Die Talfahrt am Freitag löste eine Goldman-Sachs-Studie aus. Die Bank wiederholte ihr „Verkaufen“-Rating und hob das Kursziel nur marginal auf 63 Pence an. Zum Vergleich: Jefferies sieht 200 Pence, Morgan Stanley 170 Pence. Die Spanne unter Analysten ist gewaltig — sie reicht von 60 bis 200 Pence.
Zusätzlich wirkte der MSCI-Effekt. ITM Power wurde Ende Mai in den MSCI UK Small Cap Index aufgenommen. Hedgefonds und Arbitrageure stiegen vorher ein, verkauften nach der Index-Anpassung aggressiv. Die Folge: 26 Prozent Kursverlust allein in den sieben Tagen nach der Aufnahme.
Operativ auf Kurs, aber noch nicht profitabel
Die Fundamentaldaten verbessern sich. ITM Power erwartet für das Geschäftsjahr 2026 einen Umsatz von 40 bis 43 Millionen Pfund — ein Plus von 35 Prozent. Der Auftragsbestand liegt bei 152 Millionen Pfund, 71 Prozent der Verträge gelten als profitabel. Das bereinigte EBITDA-Defizit schrumpfte deutlich auf 11,9 Millionen Pfund.
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Die Liquiditätsprognose stieg nach der Great-British-Energy-Beteiligung auf 210 bis 215 Millionen Pfund, zuvor waren es 170 bis 175 Millionen.
Drei Entscheidungen im Juni
Der laufende Monat könnte richtungsweisend werden. In Runde zwei der britischen Wasserstoff-Förderung (HAR2) geht es um die Vergabe von Projekten — ITM ist bei mehreren nominiert. Die finale Investitionsentscheidung über die neue Chronos-Fabrik in Sheffield steht ebenfalls an: eine 1-GW-Anlage mit einem Investitionsvolumen von bis zu 120 Millionen Pfund, gestützt durch 86,5 Millionen Pfund Staatshilfe. Dritter Katalysator: Unipers Entscheidung über das Humber-H2ub-Projekt, für das ITM sechs Elektrolyse-Module liefern soll.
Die Chronos-Technologie verspricht die dreifache Produktionsleistung bei halbem Platzbedarf und 40 Prozent niedrigeren Kapitalkosten.
Der technische Ausblick ist gespannt: Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 1,56 Euro, nur 7,3 Prozent unter dem Freitagsschluss. Rutscht die Aktie darunter, könnte die nächste Abwärtswelle beginnen. Der RSI bei 42,3 und die annualisierte Volatilität von 103 Prozent zeigen: ITM Power bleibt ein High-Risk-Titel in einer entscheidenden Phase.
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