Staatliche Mittel in Höhe von 86,5 Millionen Pfund federn die Finanzlage des britischen Elektrolyseurherstellers ITM Power spürbar ab. Während die Umstellung des Auftragsbuchs auf margenstärkere Projekte voranschreitet, verschafft vor allem die finanzielle Rückendeckung aus London dem Unternehmen Spielraum für anstehende Investitionen in die Fertigung.

An den Kapitalmärkten sorgt die fundamentale Ausgangslage für geteilte Meinungen: Am Markt notiert der Titel bei 1,08 Euro, was seit Jahresanfang einem Wertzuwachs von 49 Prozent entspricht.

Frisches Kapital für den Fertigungsausbau

Das Kassenpolster profitierte maßgeblich von zwei staatlich gestützten Finanzierungsschritten. Zum einen sicherte sich ITM Power eine Eigenkapitalinvestition von Great British Energy über 40 Millionen Pfund.

Zum anderen sprach das britische Ministerium für Energiesicherheit und Net Zero (DESNZ) dem Unternehmen einen bedingt abrufbaren Zuschuss in Höhe von 46,5 Millionen Pfund zu. Diese Gelder sind für den Aufbau einer Chronos-Fertigungslinie mit einer Kapazität von einem Gigawatt vorgesehen.

Infolge der Zuflüsse belief sich der Kassenbestand zum Ende des Geschäftsjahres auf 215,6 Millionen Pfund, nach 207,0 Millionen Pfund im Vorjahr. Für das nachfolgende Geschäftsjahr 2027 kalkuliert das Management mit einem Kassenstand zwischen 170 und 180 Millionen Pfund, was anhaltende Abflüsse für den laufenden Geschäftsbetrieb und Erweiterungen widerspiegelt.

Bereinigte Verträge und gespaltene Analysten

Parallel zur Kapazitätserweiterung veränderte sich die Zusammensetzung des operativen Geschäfts. Der Auftragsbestand belief sich zuletzt auf 144 Millionen Pfund. Entscheidend ist hierbei die Qualität der Kontrakte: Der Anteil profitabler Verträge kletterte auf 83 Prozent, nachdem er im vorhergehenden Erhebungszeitraum noch bei 60 Prozent gelegen hatte.

Als Kontext für diese Entwicklung dienen die Geschäftsjahreszahlen: Der Umsatz erreichte 43,6 Millionen Pfund, während der bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von zuvor 33,0 Millionen Pfund auf 20,2 Millionen Pfund schrumpfte. CEO Dennis Schulz bezeichnete die Aussichten für grünen Wasserstoff als vielversprechend.

Bei den Einschätzungen für das Papier klaffen die Bewertungsansätze weit auseinander. Das Analysehaus Berenberg sieht das Kursziel bei 200 GBX. Deutlich vorsichtiger äußert sich JPMorgan mit einem Zielwert von 80 GBX. Anleger wägen ab, ob die solide Liquidität und der margenstärkere Auftragsbestand die anhaltenden operativen Verluste dauerhaft ausgleichen können.