Ausgangslage

In elf Tagen, am 14. September, legt ITM Power seine Jahreszahlen für das Geschäftsjahr 2026 vor. Der Termin rückt näher, und Anleger positionieren sich bereits: Die Aktie legte heute um 2,2% zu und notiert bei 1,20 Euro.

Der Rahmen für die Erwartungen ist gesetzt – im Februar hatte das Unternehmen seine Umsatzprognose für das Geschäftsjahr auf 40 bis 43 Millionen britische Pfund angehoben, zuvor waren 35 bis 40 Millionen Pfund in Aussicht gestellt worden. Diese Anhebung ist der eigentliche Maßstab, an dem sich die kommenden Zahlen messen lassen müssen.

Untermauert wurde die optimistischere Linie bereits im Januar mit dem Halbjahresbericht: ein Rekordumsatz von 18 Millionen Pfund, ein Verlust je Aktie, der die Erwartungen deutlich übertraf, und ein auf 6,5 Millionen Pfund verbesserter Bruttoverlust – zuvor lag dieser bei 10,2 Millionen Pfund. Die Kassenposition belief sich auf 197,8 Millionen Pfund, der Auftragsbestand auf 152 Millionen Pfund, davon 71% mit profitablen Konditionen.

Die entscheidende Frage

Der zentrale Punkt für Anleger ist simpel: Bestätigt ITM Power am 14. September die im Februar angehobene Umsatzspanne von 40 bis 43 Millionen Pfund – und liefert die Bruttomarge weiteren Beleg für den eingeschlagenen Verbesserungspfad?

Alles andere, von Partnerschaften bis Fördergeldern, ist Begleitmusik. Entscheidend ist, ob sich der operative Turnaround, der sich im Halbjahresbericht andeutete, im Gesamtjahr verstetigt hat oder ob die zweite Jahreshälfte hinter den hochgesteckten Erwartungen zurückblieb.

Bullisches Szenario

Trifft ITM Power die angehobene Guidance oder übertrifft sie sogar, bekäme die Wachstumsstory frisches Futter. Der hohe Auftragsbestand mit einer profitablen Quote von 71% würde dann nicht mehr nur als Momentaufnahme gelten, sondern als belastbare Basis für die kommenden Quartale.

Flankiert wird dieses Szenario von operativen Fortschritten außerhalb der reinen Zahlenwelt: Die strategische Partnerschaft mit Protium Green Solutions zur Entwicklung industrieller Grünwasserstoffanlagen, mit erstem Fokus auf das Cromarty-Projekt in Schottland, signalisiert Projektpipeline über das laufende Geschäftsjahr hinaus. Hinzu kommt die Forschungskooperation mit DB Systemtechnik, die mit einer gemeinsamen FEED-Studie startet, sowie die formale Bewilligung eines Fördergelds von 46,5 Millionen Pfund durch das britische Ministerium DESNZ.

Sollte die Jahresbilanz diese positive Grundstimmung bestätigen, hätte die Aktie Argumente, sich von ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 1,29 Euro zu lösen, unter dem sie derzeit mit einem Abstand von -7,1% notiert.

Bärisches Risiko

Das Gegenszenario ist ebenso real. Der Bruttoverlust hat sich zwar verbessert, ITM Power schreibt aber weiterhin rote Zahlen – die Guidance-Anhebung vom Februar war eine Prognose, kein Ist-Ergebnis.

Verzögert sich die Umsetzung einzelner Aufträge aus dem Backlog, oder verschlechtert sich die Marge in der zweiten Jahreshälfte, könnte die Bestätigung der angehobenen Spanne ausbleiben. Die Volatilität der Aktie von 49% auf Jahresbasis zeigt, wie nervös der Markt auf neue Informationen reagiert.

Zudem bleibt die fundamentale Einschätzung der Analysten gespalten: JPMorgan bewertet das Papier mit einem Kursziel von 0,80 Pfund neutral, während Berenberg mit einem deutlich höheren Zielwert von 2,00 Pfund optimistischer positioniert ist – allerdings stammen beide Einschätzungen aus dem laufenden Jahr ohne exaktes, jüngeres Aktionsdatum und markieren damit vor allem die Bandbreite der Meinungen, nicht einen aktuellen Konsens.

Ausblick

Solange der Auftragsbestand mit seiner hohen profitablen Quote intakt bleibt und ITM Power am 14. September die Umsatzspanne von 40 bis 43 Millionen Pfund bestätigt, bleibt das bullische Szenario der wahrscheinlichere Pfad – der Markt honoriert operative Fortschritte und Fördermittelzusagen bereits jetzt mit der positiven Kursreaktion.

Kippt jedoch die Bruttomarge zurück, oder bleibt der Umsatz unter der angehobenen Spanne, dürfte die Aktie ihre jüngste Erholung, die sie 65% über das Niveau von vor zwölf Monaten geführt hat, rasch wieder infrage stellen.

Der 14. September ist damit der nächste konkrete Prüfstein, an dem sich zeigt, ob die im Februar geweckten Erwartungen tragfähig waren oder ob ITM Power sie nachträglich relativieren muss.