JinkoSolar wechselt an der Spitze aus – und legt am selben Tag Zahlen vor, die zeigen, wie groß der Handlungsdruck im Solarsektor bleibt. Xiande Li tritt als CEO zurück, bleibt aber Chairman. Sein Nachfolger Wei „Dimi“ Du kommt aus dem eigenen Haus und soll das Geschäft künftig operativ führen.
Führungswechsel mitten in schwierigem Quartal
Der Wechsel sei Teil eines langfristig geplanten Nachfolgeprozesses, heißt es vonseiten des Unternehmens, nicht Ausdruck interner Differenzen. Li konzentriert sich künftig auf Strategie und Governance, während Du das Tagesgeschäft und die Kapitalallokation verantwortet. Du war zuvor für die strategischen Investments des Konzerns zuständig und bringt einen Finanzhintergrund von der University of Bristol und dem Imperial College London mit.
Der Personalwechsel fällt in eine Phase, in der JinkoSolar operativ unter Druck steht. Im zweiten Quartal lagen die Modul-Auslieferungen bei knapp 16 Gigawatt, ein Plus von 16,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal, aber ein Minus von 34,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz sank im Jahresvergleich um 31,3 Prozent auf umgerechnet 1,82 Milliarden Dollar.
Margen bleiben hauchdünn
Die Bruttomarge fiel auf 4,2 Prozent, nach 8,3 Prozent im ersten Quartal 2026. Unter dem Strich blieb ein Nettoverlust von umgerechnet 102,8 Millionen Dollar – höher als der Verlust des Vorquartals, aber niedriger als im Vergleichszeitraum 2025. Bereinigt um Sondereffekte wie Beteiligungsverkäufe fiel der Verlust mit 134,2 Millionen Dollar sogar noch deutlicher aus.
Etwas Entlastung kam aus dem Beteiligungsportfolio: Der Verkauf eines Großteils der Anteile an LAPLACE Renewable Energy Technology brachte über 300 Millionen Yuan an Cash-Erlösen, der kumulierte realisierte Gewinn aus dieser Position lag bei mehr als 250 Millionen Yuan. Auch die Notierung der Beteiligung Hangzhou Gold Electronic Equipment wertet das Unternehmen als Erfolg seiner Investmentstrategie abseits des Kerngeschäfts.
Operativ setzt JinkoSolar weiter auf Technologieführerschaft: Mit über 420 Gigawatt kumulierter Modulauslieferung reklamiert der Konzern die globale Spitzenposition unter den Herstellern, die Tiger-Neo-Serie hat mittlerweile die 250-Gigawatt-Marke überschritten. Im Juni kam mit dem Tiger Neo 5.0 ein neues TOPCon-Modul mit einer Leistung von über 700 Watt auf den Markt.
Der neue CEO tritt sein Amt in einem Umfeld an, in dem Skaleneffekte allein die dünnen Margen nicht retten. Ob Du die angekündigte disziplinierte Kapitalallokation tatsächlich in eine Trendwende bei der Profitabilität übersetzen kann, wird sich an den kommenden Quartalszahlen ablesen lassen.
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