Johnson & Johnson hat heute auf dem Digestive Disease Week-Kongress gleich mehrere positive klinische Studienergebnisse präsentiert — und die Pipeline im Bereich entzündlicher Darmerkrankungen sieht vielversprechender aus denn je.

JNJ-4804: Zahlen, die aufhorchen lassen

Im Mittelpunkt stehen Phase-2b-Daten aus den sogenannten DUET-Studien, die einen neuartigen Co-Antikörper namens JNJ-4804 untersuchen. Das Besondere: Das Präparat blockiert gleichzeitig zwei Entzündungswege — IL-23 und TNF-alpha — mit einer einzigen subkutanen Injektion. Das ist bislang einzigartig in dieser Indikation.

Bei Crohn-Patienten erreichten 50,8 Prozent der mit JNJ-4804 behandelten Patienten nach 48 Wochen eine klinische Remission. Zum Vergleich: Mit dem Einzelwirkstoff Golimumab waren es nur 25,4 Prozent. Auch beim Ansprechen auf endoskopische Kriterien lag JNJ-4804 mit 38,1 Prozent deutlich vor den Vergleichstherapien.

Bei Colitis ulcerosa fiel der Unterschied noch markanter aus. Hier erzielten 41,0 Prozent der JNJ-4804-Patienten eine klinische Remission nach 48 Wochen — gegenüber 11,5 Prozent in der Golimumab-Gruppe. Besonders bei Patienten, die bereits mehrere Therapieklassen erfolglos durchlaufen hatten, lag die Remissionsrate von JNJ-4804 fast 60 Prozent über dem nächstbesten Vergleichswert.

Auf Basis dieser Ergebnisse leitet Johnson & Johnson nun zwei Phase-3-Studien ein: DUET ENCORE-CD für Morbus Crohn und DUET ENCORE-UC für Colitis ulcerosa.

TREMFYA mit weiterem Etappensieg

Neben JNJ-4804 punktete auch das bereits zugelassene Biologikum TREMFYA mit neuen Phase-3-Daten. In der FUZION-Studie traf das Präparat seinen primären Endpunkt bei Patienten mit perianalem fistulierendem Morbus Crohn — einer besonders schwer behandelbaren Verlaufsform. Nach 24 Wochen zeigten sich statistisch signifikante Verbesserungen gegenüber Placebo, mit einem Sicherheitsprofil im Rahmen der bekannten Daten.

Damit präsentierte Johnson & Johnson auf dem DDW-Kongress insgesamt drei Late-Breaking-Abstracts — eine ungewöhnlich starke Präsenz auf einem einzelnen Fachkongress.

Was das für die Aktie bedeutet

Die JNJ-Aktie notierte vorbörslich bei rund 224 Dollar, nachdem sie am Vortag leicht nachgegeben hatte. Der eigentliche Kurskatalysator liegt jedoch weniger im Tagesgeschehen als in der mittelfristigen Pipeline-Bewertung. Entzündliche Darmerkrankungen betreffen allein in den USA etwa drei Millionen Menschen, in Europa nochmals vier Millionen. Der adressierbare Markt ist erheblich — zumal ein Großteil der Patienten auf bestehende Monotherapien nicht dauerhaft anspricht.

JNJ-4804 ist dabei nicht nur ein weiteres Biologikum, sondern ein strukturell anderer Ansatz: der erste Co-Antikörper in dieser Indikation überhaupt. Gelingt die Bestätigung in Phase 3, könnte das Präparat zu einem der meistdiskutierten Gastroenterologie-Launches der kommenden Jahre werden.