Der Hamburger Intralogistik-Spezialist Jungheinrich reagiert mit neuen Vertriebsmodellen und Projektgewinnen auf ein verhaltenes Marktumfeld. Am heutigen Mittwoch führte das Unternehmen in den Niederlanden ein neues Mietkonzept namens Full Flex Rental ein. Gleichzeitig stützt ein gewonnener Automatisierungsauftrag aus Ungarn die operative Entwicklung. An der Börse legte die Jungheinrich-Aktie heute um 3,7 Prozent auf 21,74 Euro zu.

Das neue Mietmodell zielt darauf ab, Kunden in unsicheren Zeiten flexiblere Konditionen anzubieten. Unternehmen können ihre Flotten nach einer vereinbarten Mindestlaufzeit erweitern, einzelne Fahrzeuge austauschen oder ganz zurückgeben. Der feste monatliche Preis deckt dabei sowohl Wartungsarbeiten als auch Reparaturen ab. Zudem bindet Jungheinrich die Fahrzeuge an sein digitales Flottenmanagementsystem an, um Betriebsdaten direkt zu erfassen.

Großprojekt in Debrecen stärkt Systemgeschäft

Neben flexiblen Mietangeboten treibt der Konzern das margenstärkere Projektgeschäft voran. Das ungarische Unternehmen Mixvill beauftragte Jungheinrich mit der Errichtung eines automatisierten Lagers in Debrecen. Die Anlage umfasst mehr als 60.000 Behälterplätze und vier automatisierte Regalgassen. Die Inbetriebnahme des Logistikzentrums ist für Ende 2027 geplant.

Für das Vorhaben übernimmt Jungheinrich die komplette Intralogistik samt Fördertechnik und Lagerverwaltungssystem. Ergänzend liefert das Unternehmen manuelle Flurförderzeuge für den regulären Lagerbetrieb. Großprojekte dieser Art gelten als strategisch wichtig, da sie Kunden langfristig binden und Folgegeschäfte über den gesamten Lebenszyklus der Anlagen sichern.

Branchenumfeld und Analystenstimmen

Das Marktumfeld im europäischen Maschinenbau bleibt dennoch anspruchsvoll. Der Konkurrent Kion senkte heute seine Jahresprognose wegen einer schwachen Nachfrage im Staplergeschäft. Dennoch stabilisierten sich die Branchenwerte im Tagesverlauf spürbar. Mit dem aktuellen Kurs notiert Jungheinrich 5,4 Prozent über dem 52-Wochen-Tief. Die Analysten der UBS stufen die Aktie mit „Neutral“ ein.

Konjunkturelle Bremsspuren in Europa und der Druck chinesischer Wettbewerber belasten die Investitionsbereitschaft vieler Industriebetriebe. Dass sich die Notierung von ihren Jahrestiefs lösen konnte, werten Marktteilnehmer als Zeichen einer vorläufigen Beruhigung. Für Anleger kommt es in den nächsten Monaten darauf an, ob margenstarke Automatisierungsprojekte und flexible Mietflotten die zyklischen Schwächen im Neugeschäft ausgleichen können.