In Kanadas rohstoffreichster Region stehen die Zeichen auf Richtungsentscheidung: Die Bevölkerung der Provinz Alberta stimmt an diesem Montag über die Einleitung eines Prozesses ab, der letztlich zur Unabhängigkeit führen könnte. Eine Abspaltung gilt dennoch als unwahrscheinlich. Umfragen sahen zuletzt rund 70 Prozent der Bürger für einen Verbleib im kanadischen Staatsverband.
Lediglich rund 20 Prozent der Stimmberechtigten befürworten den Schritt in die Eigenstaatlichkeit. Der Rest zeigte sich unentschieden. Dennoch besitzt das Referendum enormes politisches Gewicht für das gesamte Land.
Unmut in der Rohstoffbranche
Die fünf Millionen Einwohner zählende Provinz im Westen Kanadas ist das Herz der heimischen Erdölförderung. Genau dort liegt der Keim des Konflikts. Teile der Ölindustrie hadern seit Jahren mit den Umweltauflagen der Bundesregierung.
Aus diesem wirtschaftlichen und kulturellen Unmut formierte sich eine Bewegung, die den Bruch mit Ottawa fordert. Obwohl diese Strömung eine Minderheit blieb, bewegte sie Albertas konservative Premierministerin Danielle Smith dazu, das Referendum anzusetzen. Smith selbst befürwortet allerdings den Verbleib in Kanada. Auch Premierminister Mark Carney sprach sich vehement gegen eine Trennung aus und betonte den Wert des gemeinsamen Bundesstaates.
Reibungen im Verhältnis zu den USA
Die Abstimmung fällt in eine Phase spürbarer außenpolitischer Spannungen. Die USA und Kanada stecken in einem festgefahrenen Handelsstreit, der zuletzt weiter eskalierte. Unterstützung erhält die Unabhängigkeitsbewegung aus Washington. US-Präsident Donald Trump kokettierte wiederholt damit, Kanada könne als 51. Bundesstaat den USA beitreten.
Auf den Stimmzetteln finden sich insgesamt zehn Fragen. Die Entscheidung über das verfassungsrechtliche Trennungsverfahren soll zuerst ausgezählt werden, sodass bereits am Dienstag mit einem Ergebnis zu rechnen ist.


