Aus dem Bitcoin-Miner Bitfarms ist Keel Infrastructure geworden. Der Umbau zum KI-Infrastrukturanbieter zieht Anleger an — und treibt den Kurs in schwindelerregende Höhen.

Kursrally weit über Analystenzielen

An der Nasdaq schloss die Aktie zuletzt bei 6,29 Dollar, ein Plus von 5,36 Prozent. An der TSX in Toronto legte sie sogar 12,33 Prozent zu und erreichte 9,93 kanadische Dollar. Seit April 2026 hat sich der Kurs knapp verdreifacht — ein Anstieg von rund 200 Prozent in drei Monaten.

Das schafft eine auffällige Lücke. Acht Analysten vergeben mehrheitlich ein Kaufurteil, ihr durchschnittliches Kursziel liegt jedoch bei 5,29 Dollar — deutlich unter dem aktuellen Niveau. Der Markt preist offensichtlich eine Geschichte ein, die Analysten noch nicht vollständig teilen.

458 Millionen Dollar für den Neustart

Der Kern der Transformation: Keel will Rechenzentren für KI-Workloads bauen. Dafür hat das Unternehmen im Juni 2026 Wandelanleihen über 458 Millionen Dollar platziert. Die Papiere tragen einen Zinssatz von 1,25 Prozent und laufen bis 2032.

Das Kapital fließt in Infrastrukturprojekte an drei Standorten: Panther Creek, Sharon und Moses Lake. CFO Jonathan Mir erklärte, die aktuelle Liquidität reiche aus, um den Betrieb und die Entwicklung bis 2028 zu finanzieren.

Umbau kostet — vorerst

Die Zahlen zum ersten Quartal 2026 zeigen die Belastungen des Wandels. Der Umsatz sank um 23 Prozent auf 37 Millionen Dollar. Der Nettoverlust aus dem laufenden Betrieb lag bei 128 Millionen Dollar.

CEO Ben Gagnon bezeichnet das Rebranding als letzten Schritt der strukturellen Transformation. Das Unternehmen konzentriert sich nun vollständig auf Hochleistungsinfrastruktur mit der Kühlung und Stromversorgung, die KI-Systeme benötigen. Das Bitcoin-Mining gehört der Vergangenheit an.

Technisch an der Grenze

Die 52-Wochen-Spanne reicht von 0,70 bis 6,60 Dollar. Der aktuelle Kurs testet das obere Ende dieses Korridors. Rund 13,4 Prozent des Streubesitzes liegt in den Händen von Leerverkäufern — ein Faktor, der bei weiteren Kursgewinnen zusätzlichen Kaufdruck erzeugen kann.

Die nächste Bewährungsprobe kommt mit den Quartalszahlen für Q2 2026: Dann muss Keel zeigen, ob der operative Fortschritt mit der Kursrally Schritt hält.