Zwei Brennstoffzellen-Spezialisten, zwei völlig gegensätzliche Kursverläufe binnen weniger Handelstage. Während FuelCell Energy von einer Welle neuer Rechenzentrums-Deals profitiert, gerät Bloom Energy trotz Milliarden-Auftragsbuch unter Verkaufsdruck. Der Rest des Wasserstoff-Sektors zeigt derweil, wie unterschiedlich die einzelnen Geschäftsmodelle auf externe Nachrichten reagieren.

Bloom Energy: Analysten warnen vor überzogener Bewertung

Bloom Energy ist zur volatilsten Aktie im Sektor geworden. Der Kurs notiert aktuell bei 177,00 Euro und büßte allein heute 3,70 Prozent ein. Über die vergangene Woche summiert sich der Rückgang auf 13,66 Prozent, über 30 Tage sogar auf 37,23 Prozent. Der RSI von 35,7 signalisiert bereits eine überverkaufte Situation, das Papier liegt gut ein Viertel unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 240,47 Euro.

Auslöser der Schwäche war eine Neubewertung durch TD Cowen. Die Analysten bestätigten zwar ihr Kursziel von 235 US-Dollar, warnten aber vor erheblichen Verzögerungen bei den Flaggschiff-Projekten mit Oracle und American Electric Power. Diese könnten die Schätzungen für 2027 und 2028 belasten. Zusätzlich bezeichnete TD Cowen die Aktie bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 514 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 66 als vollständig bewertet.

Diese Skepsis trifft auf eine Aktie, die bereits seit einem Short-Report vom 8. Juli unter Beobachtung steht. Der Bericht mit dem Titel „Bloom’s Big Lie“ hatte eine verdeckte Abhängigkeit von chinesischen Scandium-Lieferungen unterstellt. Das operative Bild bleibt davon unberührt: Das Auftragsbuch wuchs durch Verträge mit Oracle, Nebius Group, Brookfield Asset Management und American Electric Power auf etwa 20 Milliarden Dollar. Das Management hob die Umsatzprognose für 2026 auf eine Spanne von 3,4 bis 3,8 Milliarden Dollar an.

Selbst eine frische Kapitalspritze von Oaktree und Industrial Development Funding über 1,7 Milliarden Dollar konnte die Verkaufswelle nicht stoppen. Der Markt reagierte auf die positive Nachricht mit weiteren Abgaben, was zeigt, wie stark Bewertungssorgen inzwischen dominieren. Von den 29 Analysten, die die Aktie beobachten, lautet das durchschnittliche Rating dennoch „Kaufen“, mit einem Kursziel von 281,43 Dollar. Die Quartalszahlen am 28. Juli dürften zeigen, ob sich die Wachstumsstory gegen die aktuelle Nervosität durchsetzen kann.

SunHydrogen: Dresden-Werk profitiert von deutsch-algerischer Kooperation

SunHydrogen treibt seinen Übergang vom Pilotprojekt zur Serienfertigung weiter voran. Kernstück bleibt die Zusammenarbeit mit CTF Solar in Dresden, einer Tochtergesellschaft der China National Building Materials Group. Beide Seiten vereinbarten die Umstellung der Wasserstoffpanel-Produktion auf 1.000 großformatige Module mit knapp zwei Quadratmetern Fläche, um die Industrialisierung der Technologie voranzutreiben.

Diese deutsche Fertigungsbasis profitiert von einer größeren geopolitischen Entwicklung. Deutschland und Algerien unterzeichneten in Algier zwei Abkommen zur Vertiefung ihrer Energiepartnerschaft, mit Schwerpunkt auf grünen Wasserstoffprojekten und der Reduktion von Methanemissionen. SunHydrogen selbst ist an diesen Regierungsvereinbarungen nicht direkt beteiligt. Der wachsende Wasserstoffkorridor zwischen Europa und Nordafrika unterstreicht dennoch die steigende institutionelle Nachfrage nach genau jener skalierbaren Produktionstechnologie, die in Dresden entsteht.

Kursseitig bleibt SunHydrogen eine Penny-Stock-Geschichte. Die Aktie notiert bei 0,0211 Dollar, nach einem Minus von 4,09 Prozent im heutigen Handel. Seit Jahresbeginn steht ein Rückgang von 21,85 Prozent zu Buche, über zwölf Monate sind es 47,25 Prozent. Auf der Expansionsseite hat das Unternehmen im April eine dauerhafte Tochtergesellschaft in Japan gegründet und dabei die Bindung zur japanischen Solarwasserstoff-Forschung vertieft, inklusive einer Partnerschaft mit Honda Research and Development. Eine formale Analystenabdeckung existiert für den OTC-notierten Titel bislang nicht.

EcoGraf: Ruhiger Handelstag ohne erkennbaren Auslöser

EcoGraf bleibt der Außenseiter in dieser Gruppe, da das Unternehmen eher über Batteriematerial-Fundamentaldaten als über direkte Wasserstoffexposition gehandelt wird. Die Aktie fiel heute um 5,21 Prozent auf 0,1566 Euro und liegt damit nur noch knapp über ihrem 52-Wochen-Tief von 0,1500 Euro. Über die vergangene Woche summiert sich der Rückgang auf 7,23 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 28,17 Prozent zu Buche.

Das Kerngeschäft dreht sich weiterhin um die Graphitverarbeitung statt um Wasserstoffproduktion. EcoGraf baut ein vertikal integriertes Geschäft für Batterie-Anodenmaterialien auf, mit Fokus auf natürlichen Flockengraphit, dessen Verarbeitung über die firmeneigene HFfree-Reinigungstechnologie sowie das Epanko-Graphitprojekt in Tansania. Parallel bemüht sich das Unternehmen um eine Co-Finanzierung durch DEG Impulse für sein Gemeindeentwicklungsprogramm in Tansania, verknüpft mit einem KfW-Darlehen über 105 Millionen US-Dollar, das im Juli anlaufen soll. Eine Abdeckung durch größere Broker-Häuser existiert derzeit nicht, entsprechend fehlt der Aktie ein konkretes Kursziel von etablierter Analystenseite.

HydrogenPro: Insider-Zeichnung nach Kapitalerhöhung sorgt für Aufsehen

HydrogenPro schaffte es diese Woche nicht wegen eines kommerziellen Auftrags in die Schlagzeilen, sondern wegen einer Korrektur an einer Insider-Meldung. Jan-Henrik Kuhlefelt, Generalmanager der Tochtergesellschaft in Tianjin, zeichnete 100.000 Angebotsaktien. Davon entfielen 3.141 Aktien auf ausgeübte Bezugsrechte, die restlichen 96.859 wurden ohne Bezugsrechte überzeichnet. Kuhlefelt hielt zuvor bereits 10.000 Aktien am Unternehmen.

Diese Insider-Beteiligung folgt auf eine angekündigte Kapitalerhöhung von bis zu 12,76 Millionen neuen Aktien und fällt in eine Phase anhaltender Kursschwäche. Der Kurs brach heute um 17,48 Prozent auf 0,0642 Euro ein, nach einem Minus von 67,33 Prozent über die vergangenen 30 Tage. Die Volatilität von rund 207 Prozent auf annualisierter Basis gehört damit zu den höchsten im gesamten Sektor.

Fundamental befindet sich das Unternehmen im Sparmodus. Die Bruttomarge verbesserte sich von 22 auf 55 Prozent, die Kassenposition stieg auf 121 Millionen norwegische Kronen. Dem stehen ein Umsatz von lediglich 35 Millionen Kronen und ein negatives EBITDA von 45 Millionen Kronen gegenüber. Die Belegschaft wurde bereits um 39 Prozent von 147 auf 89 Mitarbeiter reduziert. Nur zwei Analysten begleiten den Titel derzeit, wobei lediglich einer belastbare Umsatz- oder Gewinnschätzungen liefert.

FuelCell Energy: Auftragsflut und Analysten-Upgrades treiben den Kurs

FuelCell Energy hat sich zum Momentum-Favoriten des Sektors entwickelt. Der Kurs kletterte heute um 7,73 Prozent auf 17,50 Euro, nach einem Plus von 4,39 Prozent über die vergangene Handelswoche. Seit Jahresbeginn beläuft sich der Zuwachs auf 151,08 Prozent, über zwölf Monate sogar auf 280,82 Prozent.

Getrieben wird die Rally von einer ganzen Reihe neuer Partnerschaften. Eine strategische Vereinbarung mit Fit Energy umfasst bis zu 380 Megawatt Grundlastkapazität für Rechenzentren, wovon 30 Megawatt bereits dieses Jahr vergütet werden sollen. Jefferies, B. Riley und UBS stuften die Aktie auf Kaufen hoch, mit Kurszielen von bis zu 32 Dollar. Eine neue Kooperation mit Siemens zielt auf skalierbare, verteilte Brennstoffzellensysteme für Projekte ab 100 Megawatt ab. Ergänzend sichert ein Finanzierungspaket der US-Exportbank über 49 Millionen Dollar den Export nach Südkorea sowie den Ausbau der Fertigung ab, ohne dass dafür neue Aktien ausgegeben werden mussten.

Die Rally kommt allerdings nicht ohne Kehrseite. Vorausgegangen war eine Kapitalerhöhung über gut 10,7 Millionen Aktien zu je 21,00 Dollar, die auf ein Gesamtvolumen von 225 Millionen Dollar aufgestockt wurde. Bewertungstechnisch handelt die Aktie inzwischen mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 11,3, während der Branchendurchschnitt bei etwa 2,6 und der Vergleich mit direkten Wettbewerbern bei rund 2,3 liegt. Ein Bewertungsmodell veranschlagt einen fairen Multiplikator von lediglich 3,0. Profitabel ist das Unternehmen weiterhin nicht: Der freie Cashflow lag im jüngsten Quartal bei etwa minus 29 Millionen Dollar, bei weiterhin negativer Bruttomarge.

Sektordynamik im Überblick

Die aktuelle Gemengelage lässt sich in wenigen Punkten zusammenfassen:

  • Bloom Energy: Größtes Auftragsbuch und breiteste Hyperscaler-Anbindung, aber anfällig für Bewertungskritik und Short-Attacken
  • FuelCell Energy: Kleinere Marktkapitalisierung, dafür frische Vertragsdynamik und schnelle Analysten-Upgrades bei ambitionierter Bewertung
  • HydrogenPro: Kapitalintensives Elektrolyseur-Geschäft mit schrumpfendem Umsatz, anhaltenden Verlusten und wiederholten verwässernden Kapitalerhöhungen
  • SunHydrogen: Noch Jahre von kommerziellen Umsätzen entfernt, setzt auf internationale Fertigungspartnerschaften als Vertrauensbeweis
  • EcoGraf: Am Rand des Sektors positioniert, stärker von allgemeiner Batteriematerial-Stimmung als von Wasserstoff-Nachrichten abhängig

Der gemeinsame Nenner bleibt der Rechenzentrums-Boom rund um künstliche Intelligenz, doch die Marktteilnehmer bewerten die einzelnen Geschäftsmodelle inzwischen deutlich differenzierter als noch vor wenigen Monaten.

Wasserstoff-Sektor zwischen Rechenzentrums-Boom und Bewertungsfragen

Die kommenden Wochen liefern mehrere Termine, die die Stimmung im Sektor neu justieren könnten. Bloom Energys Quartalszahlen am 28. Juli dürften zeigen, ob sich das Auftragsbuch tatsächlich in Umsatz übersetzt und ob die von TD Cowen angemahnten Verzögerungen bei Oracle und American Electric Power Bestand haben. Bei FuelCell Energy entscheidet die Umsetzung der Fit-Energy- und Siemens-Partnerschaften darüber, ob die Neubewertung trägt oder die gestreckten Multiplikatoren zu einem Rücksetzer führen.

HydrogenPro braucht vor allem eine stabilisierte Bilanz und feste Aufträge aus der europäischen und indischen Projektpipeline. SunHydrogen dürfte sich über den Fortschritt der Dresdner Fertigung sowie die Expansion nach Japan und Österreich definieren. Bei EcoGraf richtet sich der Blick auf konkrete Fortschritte bei der tansanischen Projektfinanzierung, die dem Titel endlich einen eigenständigen Kurstreiber verschaffen könnten.