Der schwedische Fintech-Riese Klarna steht vor juristischen Problemen. Gleich zwei renommierte US-Anwaltskanzleien haben Sammelklagen gegen das Unternehmen und seine Führungsspitze eingereicht – Grund sind irreführende Angaben im Börsenprospekt zum IPO im September 2025.

Was steckt hinter den Vorwürfen?

Die Kanzleien Faruqi & Faruqi sowie Block & Leviton werfen Klarna vor, im Rahmen des Börsengangs am 10. September 2025 zu 40 Dollar pro Aktie wesentliche Risiken verschleiert zu haben. Konkret soll das Unternehmen die drohende Explosion der Kreditausfallrückstellungen bewusst unterschätzt haben – obwohl das Management aufgrund des Risikoprofils vieler Buy-Now-Pay-Later-Kunden hätte wissen müssen, dass ein dramatischer Anstieg bevorsteht.

Die Wahrheit kam am 18. November 2025 ans Licht. In einem Bloomberg-Artikel wurde bekannt, dass Klarna einen Nettoverlust von 95 Millionen Dollar im dritten Quartal verbuchen musste. Der Grund: Die Rückstellungen für faule Kredite explodierten auf 235 Millionen Dollar – deutlich über den Analystenschätzungen von 215,8 Millionen Dollar.

Besonders brisant: Der Anteil der Rückstellungen am Bruttowarenvolumen schoss von 0,44 Prozent im Vorjahr auf 0,72 Prozent hoch. Ein massiver Sprung innerhalb kürzester Zeit nach dem Börsengang.

Kursrutsch sorgt für Anlegerfrust

Die Reaktion des Marktes ließ nicht auf sich warten. Am 18. November 2025 brach die Klarna-Aktie um 9,3 Prozent ein. Investoren, die beim IPO eingestiegen waren, sitzen nun auf erheblichen Verlusten – und fühlen sich getäuscht.

Die Kläger argumentieren, dass die Registrierungsunterlagen zum Börsengang materielle Falschaussagen enthielten oder fahrlässig erstellt wurden. Wer Klarna-Aktien im Zuge des IPO erworben hat, kann sich den Sammelklagen anschließen. Die Frist zur Meldung als Lead Plaintiff läuft bis zum 20. Februar 2026.

Geschäftsexpansion als Ablenkungsmanöver?

Während die juristischen Probleme eskalieren, versucht Klarna mit neuen Produkten zu punkten. Am 14. Januar 2026 kündigte CEO Sebastian Siemiatkowski die Einführung von Peer-to-Peer-Zahlungen in 13 europäischen Ländern an – darunter Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

Damit können Nutzer nun direkt über die Klarna-App Geld an Freunde und Familie schicken. Ein Schritt, der Klarna tiefer ins klassische Banking-Geschäft führen soll. Die Klarna Card verzeichnete binnen vier Monaten nach Launch bereits vier Millionen Anmeldungen, die Einlagen stiegen von 9,5 Milliarden Dollar im August 2024 auf 14 Milliarden Dollar bis September 2025.

Doch die Frage bleibt: Kann die Produktoffensive die Glaubwürdigkeitskrise übertünchen? Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Anleger dem Unternehmen noch vertrauen – oder ob die Sammelklagen nur der Anfang einer längeren Auseinandersetzung sind.