Der Börsengang sollte Klarnas Meisterstück werden. Weniger als ein Jahr später sieht sich der Zahlungsdienstleister mit einer Untersuchung wegen möglicher Verletzungen der Treuepflicht konfrontiert. Im Zentrum der Vorwürfe stehen die Risikohinweise im damaligen Börsenprospekt.

Kläger werfen dem Management vor, die Gefahren rund um Kreditausfälle im Vorfeld des Listings an der New Yorker Börse systematisch kleingeredet zu haben. Konkret geht es um die mangelnde Transparenz bei den Risikoprofilen der „Buy now, pay later“-Kundschaft. Investoren seien über den drohenden Anstieg der Rückstellungen im Unklaren gelassen worden.

Rückstellungen belasten die Bilanz

Die Quittung für diese Entwicklung folgte im zweiten Halbjahr des vergangenen Jahres. Klarna verbuchte einen Nettoverlust von 95 Millionen US-Dollar. Hauptgrund war ein massiver Anstieg der Risikovorsorge. Der Konzern musste 235 Millionen US-Dollar für drohende Kreditausfälle zurücklegen und verfehlte die Analystenschätzungen damit deutlich.

An der Börse hinterließ diese Entwicklung tiefe Spuren. Nach einem Ausgabepreis von 40 US-Dollar rutschte das Papier bereits Ende vergangenen Jahres ab. Inzwischen notiert die Aktie bei lediglich 12,50 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf fast 49 Prozent.

Juristische Hürden bremsen den Aufschwung

Dabei hatte das Management zuvor einen beachtlichen Turnaround hingelegt. Im Geschäftsjahr 2024 kletterte der Umsatz auf über 2,8 Milliarden US-Dollar. Unter dem Strich stand damals ein knapper Gewinn, nachdem das Vorjahr noch tiefrot ausgefallen war.

Nun rufen Aktionärsschützer wie die Shareholders Foundation langfristig orientierte Investoren dazu auf, mögliche Schadensersatzansprüche zu prüfen. Das Vertrauen in die operative Stabilität steht auf dem Prüfstand.

Das Management muss nun beweisen, dass das operative Geschäft die steigenden rechtlichen Risiken abfedern kann. Ein rascher Abschluss der Untersuchung ist zwingend erforderlich, um eine weitere Erosion des Börsenwerts zu stoppen. Fällt die juristische Aufarbeitung negativ aus, drohen dem Fintech empfindliche Strafzahlungen und ein dauerhafter Reputationsverlust bei institutionellen Anlegern.