Mit 12,38 Euro notiert die Klöckner-Aktie deutlich über dem Worthington-Angebotspreis von 11,00 Euro. Der Markt signalisiert damit klar: Wer noch hält, erwartet mehr.

Was auf der Hauptversammlung steht

Am 20. Mai 2026 kommen die verbliebenen Aktionäre zur 20. ordentlichen Hauptversammlung zusammen — und die Agenda hat es in sich. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen eine Dividende von 0,20 Euro je Aktie vor. Das ist allerdings nicht das, was die Minderheitsaktionäre wirklich beschäftigt.

Worthington Steel hat bereits am 27. März 2026 seine Absicht erklärt, unmittelbar nach Vollzug der Übernahme einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag (BGAV) abzuschließen. Mit einem gesicherten Anteil von 58,8 % aller ausstehenden Aktien — knapp über der Mindestannahmeschwelle von 57,5 % — hält der US-Konzern die nötige Mehrheit für die Zustimmung auf der HV bereits in der Hand.

Was ein BGAV für Minderheitsaktionäre bedeutet

Ein Beherrschungsvertrag ist kein Routinevorgang. Er zwingt gesetzlich zu einer unabhängigen Unternehmensbewertung, aus der Abfindungs- und Ausgleichszahlungen für außenstehende Aktionäre abgeleitet werden. Genau das erklärt den Kursaufschlag gegenüber dem Angebot: Der Markt preist ein, dass diese Bewertung über den 11,00 Euro liegen könnte.

Mittelfristig plant Worthington Steel ferner, ein Delisting oder einen Squeeze-out zu prüfen — abhängig von Marktbedingungen und rechtlicher Machbarkeit. Beides würde die verbleibenden Streubesitzaktionäre aus dem Unternehmen drängen, zu einem dann festzulegenden Preis.

Operative Basis als Bewertungsanker

Operativ liefert Klöckner solide Zahlen. Das EBITDA vor Sondereffekten stieg 2025 auf 171 Millionen Euro, nach 136 Millionen im Vorjahr. Das Netz aus rund 110 Standorten in Europa und Nordamerika bedient über 60.000 Kunden — eine Basis, die Worthington Steel offenbar für ausbaufähig hält.

Der formale Vollzug der Transaktion hängt noch von behördlichen Freigaben ab und wird für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet. Bis dahin ist der 20. Mai der Termin, an dem sich zeigt, wie Worthington Steel die nächste Phase der Übernahme einleitet — und welchen Preis außenstehende Aktionäre dafür erhalten könnten.